Kolumne vom 22.01.2018 - Nr.492


Ju Honisch

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Seelenspalter – Die Geheimnisse der Klingenwelt 1

Seelenspalter Die Geheimnisse der Klingenwelt 1

Nur die Starken überleben in den Acht Reichen, die miteinander in einem endlosen Krieg um die Vorherrschaft liegen. Das begreift Maleni sehr schnell, als sie nach einem Massaker, dem ihr ganzes Dorf zum Opfer fällt, Aufnahme beim Orden der Xyi findet. Unerbittlicher Drill und ein geheimnisvolles Ritual lassen einen Teil von Maleni zur Assassinin Taryah werden, die ohne Mitleid zu empfinden oder Fragen zu stellen ihrem blutigen Handwerk nachgeht. Doch weder in den Acht Reichen noch beim Orden der Xyi sind die Dinge so einfach, wie sie scheinen. Und eines Tages muss Maleni erkennen, dass Taryah nicht nur ein Teil von ihr ist – sondern ihr größter Feind.

Die gespaltene Persönlichkeit Taryah/Maleni ist eine Heldin, die im modernen Fantasy-Genre ihres Gleichen sucht! Eine weibliche Heldin die zugleich gut und böse ist, wow, da hat die deutsche Autorin Ju Honisch wirklich einen ganz besonderen Charakter ersonnen. Aber was nützt eine herausragende Hauptfigur in einer schlecht erzählten Geschichte? Doch keine Sorge, „Seelenspalter“, der erste Roman aus „Die Geheimnisse der Klingenwelt“, hält auch eine megaspannende Story für den Leser bereit. Ju Honisch hat den Roman gut und spannend aufgebaut. Sie erzählt abwechselnd aus der Gegenwart und aus der Vergangenheit, und dort, wie aus dem kleinen Bauernmädchen nach und nach eine Schemenjägerin der Xyi wurde. Wie sich von Maleni die schöne und todbringende Taryah abspaltete. Die Klingenwelt ist eine Welt voller Geheimnisse. Der Titel trifft es sehr gut. Ju Honisch deutet immer nur an, gibt dem Leser kleine Hinweise, so hält sie die Spannung hoch, 800 Seiten lang.

Knaur, 810 Seiten; 12,99 Euro


D. Nolan Clark

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Der verratene Planet

Der verratene Planet

Die Menschheit hat das All besiedelt – nur um sich jahrhundertelang zu bekriegen. Jetzt, endlich, herrscht Frieden. Bis eines Tages plötzlich eine Armada fremder Schiffe in der Nähe eines kleinen, abgelegenen Planeten auftaucht und die Siedler dort begreifen müssen: sie sind nicht allein. Allein sieben ehemalige Kampfpiloten stehen nun zwischen den Aliens und dem Untergang der Menschheit …

„Die glorreichen Sieben“ im Weltraum! So wird „Der verratene Planet“ gerne gesehen. Das trifft es ganz gut, auch wenn D. Nolan Clark nicht so ganz an die Qualität des Western in Filmform herankommt. Es wäre aber möglich gewesen, da an dem Roman sehr viel stimmt. Was die Lesefreude aber etwas trübt ist die oft ausschweifende Erzählweise von einzelnen Szenen. Da wäre weniger oft mehr gewesen. Das bremst die Freude am Roman immer wieder aus. Die Figuren sind fast alle für sich sehr spannend ausgearbeitet, daher macht es auch Spaß sie in der spannenden Geschichte zu erleben. Man darf gespannt sein, ob der Autor die Fehler des ersten Romans in der Fortsetzung „Die vergessene Welten“ ausmerzt. Die Fortsetzung erscheint bereits im April.

Heyne, 735 Seiten; 12,99 Euro


Matilde Asensi

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Die Jesus-Verschwörung

Die Jesus VerschwörungNach Überzeugung des Vatikans kann und darf es sie nicht geben: die sterblichen Überreste Jesu Christi. Doch genau danach sucht die Paläographin Ottavia Salina gemeinsam mit ihrem Mann Farag Boswell und ihrem alten Freund Kaspar Glauser-Röist. Die Spur führt das Trio von der Mongolei über Istanbul bis nach Israel. In den Katakomben des Berges Meron erwarten sie neun mörderische Prüfungen, alle mit Bezug auf die Seligpreisungen der Bergpredigt. Wird es Ottavia und ihren Mitstreitern gelingen, bis ins Innerste des Berges vorzudringen? Und was werden sie dort finden?

„Die Jesus-Verschwörung“ war in Spanien ein Nr.-1-Bestseller. Nach „Wächter des Kreuzes“ ist es der zweite Einsatz für Paläographin Ottavia Salina und Archäologe Farag Boswell. Unterstützung bekommen die beiden von Freund Kaspar Glauser-Röist. Die drei habe alle ihren eigenen Kopf. Es ist spannend die Charaktere bei den anstehenden Prüfungen zu verfolgen. In „Die Jesus-Verschwörung“ erwarten den Leser eine rasante Jagd an interessante Orte und viele historische Details zu dem Thema. Manchmal übertreibt es die Spaniern Matilde Asensi zwar mit ihren Dialogen und Beschreibungen, aber sie hält den rasanten Kurs trotzdem bei.

Lübbe, 653 Seiten; 12,90 Euro


Karin Slaughter

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Die gute Tochter

Die gute TochterMit vorgehaltener Waffe treiben zwei maskierte Männer die Schwestern Charlotte und Samantha an den Waldrand. Charlie kann entkommen, doch sie ist getrieben von den Erinnerungen an jene grauenvolle Attacke in ihrer Kindheit. Die blutigen Knochen ihrer erschossenen Mutter. Die Todesangst ihrer Schwester. Das Keuchen ihres Verfolgers. Als Töchter eines berüchtigten Anwalts waren sie stets die Verstoßenen, die Gehetzten. 28 Jahre später ist Charlie selbst erfolgreiche Anwältin. Als sie Zeugin einer weiteren brutalen Bluttat wird, holt ihre Geschichte sie ganz ungeahnt ein.

Ein immer aktuelles Buch, da einem auf eine andere Art und Weise einen der größten Konfliktherde der Welt und deren Menschen näherbringt – Israel und Palästina. In 29 Episoden, mal sehr bewegend, mal zum schmunzeln, dann wieder zum nachdenken, erzählt Bestellerautor Nils Straatmann in „Auf Jesus Spuren“ von einer Wanderung die einem zum bereits erwähnten auch noch die Religionen leicht und verständlich vermittelt. Dieses Buch begleitet einen auch nach der Lektüre noch weiter.

HarperCollins, 608 Seiten; 19,99 Euro


Elia Barceló

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Das Licht von Marokko

Das Licht von Marokko

Marokko, 1969: Auf dem Anwesen La Mora wird anlässlich der Mondlandung ein rauschendes Fest gefeiert. Daher merkt keiner, dass Alicia spurlos verschwindet. Bis sie am Morgen brutal ermordet in der Nähe der Villa aufgefunden wird. Madrid, 2016: Als Alicias Schwester Helena nach vielen Jahren an ihren Heimatort zurückkehrt, warten dort zwei Kisten mit Briefen, Karten und Dokumenten ihrer verstorbenen Mutter auf sie. Und ihr im Sterben liegender Schwager, der ein düsteres Geheimnis hütet. Helena weiß, dass die Zeit gekommen ist, sich auf die Suche nach dem Schatten zu begeben, der ihre Gemälde berühmt gemacht hat und sie in ihren Albträumen verfolgt: der nie gefasste Mörder von Alicia.

Die Spanierin Elia Barcelò hat schon zahlreiche spannende Roman verfasst. Mit „Das Licht von Marokko“ fügt sie nun ein weiteres Highlight hinzu. Ein ungemein fesselnder Roman, der mit einer ausgereiften Geschichte, einer starken Hauptfigur und tollen Schauplätzen brilliert. „Das Licht von Marokko“ erinnert an die großen Bestseller von Lucinda Riley!

Pendo, 491 Seiten; 22,00 Euro


Hörbuch der Woche

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Amor Towles

Ein Gentleman in Moskau

Ein Gentleman in Moskau audio

Moskau, 1922. Der genussfreudige Lebemann Graf Rostov wird verhaftet und zu lebenslangem Hausarrest verurteilt, ausgerechnet im Hotel Metropol, dem ersten Haus am Platz. Er muss alle bisher genossenen Privilegien aufgeben und eine Arbeit als Hilfskellner annehmen. Rostov mit seinen 30 Jahren ist ein äußerst liebenswürdiger, immer optimistischer Gentleman. Aber ihm bleibt nur der Blick aus dem Fenster, während draußen Russland stürmische Dekaden durchlebt. Seine Stunde kommt, als eine alte Freundin ihm ihre kleine Tochter anvertraut. Das Kind ändert Rostovs Leben von Grund auf. Für das Mädchen und sein Leben wächst der Graf über sich hinaus.

Besser Hotel als Gefängnis, denkt man sich als Hörer zu Anfang, aber als Jahr um Jahr Jahrzehnt um Jahrzehnt vergeht weiß man, das Hotel wird auch das Grab für Alexander Rostov sein, wenn sich nicht etwas dramatisch ändert. Spät tut es das dann auch. Dazwischen erlebt man viel Leben, viel russische Geschichte, einen Reigen an interessanten Figuren und eine stilvolle Geschichte. Vor allem zum Ende hin (CD 9) birst die Geschichte dann vor Spannung. Dann wird es ein richtiger Agententhriller. Amor Towles ist mit „Ein Gentleman in Moskau“ ein kleiner Geniestreich gelungen! Hans Jürgen Stockerl liest elegant und einnehmend, ganz so wie Graf Alexander Rostov von Charakter ist. Hörprobe

Ein Gentleman in Moskau

 
Auch als Hardcover erhältlich bei List, 22,00 Euro.

Hörbuch Hamburg, 9 CDs, 675 Minuten; 24,00 Euro


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