Kolumne vom 19.11.2018 - Nr.535


Elizabeth George

daumen rauf

Wer Strafe verdient

Wer Strafe verdient

Die Bürger des englischen Städtchens Ludlow sind zutiefst entsetzt, als man den örtlichen Diakon eines schweren Verbrechens beschuldigt und ihn verhaftet. Kurz darauf wird er in Polizeigewahrsam tot aufgefunden. Im Auftrag Scotland Yards versuchen DCS Isabelle Ardery und Sergeant Barbara Havers Licht ins Dunkel zu bringen. Zunächst weist tatsächlich alles auf den Selbstmord eines Verzweifelten hin – doch Barbara, und später dann auch DI Thomas Lynley trauen dieser Version der Ereignisse nicht. Gemeinsam werfen sie in einer weiteren Untersuchung einen genaueren Blick hinter die idyllische Fassade Ludlows – und entdecken, dass fast jeder hier etwas zu verbergen hat.

Elizabeth George ist die unangefochtene Königin des gehobenen Kriminalromans! Vor allem wenn man ihre Inspector-Lynley-Reihe genau betrachtet, ausgenommen der ersten Bücher, ist klar, dass keine andere Krimiautorin weltweit eine so starke Kriminalgeschichte über meist 800 Seiten ausbreiten kann. „Wer Strafe verdient“ ist akribisch, intelligent und spannend. Ich habe jede Seite genossen! Elizabeth Georges Figurenzeichnungen sind wieder mehr als gelungen. Tragik und Witz geben sich da manchmal die Hand. Sehr gelungen dargestellt ist dabei wieder die liebenswerte Barbara Havers. Isabelle Ardery mutiert noch mehr zu einer weniger liebenswerten Person. Thomas Lynley, wie immer unwiderstehlich. Aber auch alle Figurenzeichnungen der Nebendarsteller sind gelungen. Alle die Charaktere lassen einen also schon nicht mehr los. Wie immer hätte dieser Elizabeth-George-Krimi auch 1.000 Seiten haben dürfen!

Wer Strafe verdient mp3


Auch als Hörbuch erhältlich bei der Hörverlag. Stefan Wilkening liefert wie immer eine ausgezeichnete Performance ab! 26,00 Euro. Hörprobe

Goldmann, 857 Seiten; 26,00 Euro


Helen Callaghan

daumen runter

Lügen. Nichts als Lügen

Lügen Nichts als Lügen

Ausgerechnet in einen heißen Flirt platzt der Anruf von Sophias Mutter Nina, ängstlich, fast panisch, und sicher so grundlos wie etliche Male zuvor. Als Sophia schließlich doch zu ihren Eltern in die wildromantische Gärtnerei nach Suffolk fährt, findet sie nur noch tödliche Stille. Ihre Mutter erhängt an einem Baum, ihr Vater niedergestochen daneben. Mord mit anschließendem Selbstmord, vermutet die Polizei, was für Sophia unvorstellbar ist. Sie kennt ihre Eltern viel zu gut, als dass sie den ruhigen Menschen so etwas zutrauen könnte – und beginnt nachzuforschen. Doch dann findet sie ein Tagebuch in der Handschrift ihrer Mutter. Sie beginnt zu lesen ...

„Dear Amy“, das Debüt der Britin Helen Callaghan, stürmte in ihrer Heimat die Bestsellerlisten. Und auch mich konnte diese Geschichte überzeugen. Zwar auch kein richtiger Psychothriller, genauso wie das auf ihre neues Buch „Lügen. Nichts als Lügen“ zutrifft, aber doch auf ihre Art gut. Auf dem Cover ihres neuen Buches steht zwar wieder Psychothriller, der Leser bekommt aber mehr ein Drama serviert als alles andere. Nicht ganz unspannend, aber weit weg von einem spannenden Psychothrill! Der Beginn lässt zwar noch einiges erwarten, doch dann verflacht die Handlung in Sachen Spannung sehr. Es geht vorrangig um Sophias Mutter Nina und ihrem Leben in einer Sekte. Die Rahmenbedingungen für diese Story waren eigentlich richtig gut. Man hätte ein Spannungshighlight daraus machen können, doch Helen Callaghan gelang das nicht.

Knaur, 435 Seiten; 14,99 Euro


Annette Hess

daumen rauf

Deutsches Haus

Deutsches HausFrankfurt 1963. Eva, gelernte Dolmetscherin und jüngste Tochter der Wirtsleute Bruhns, steht kurz vor ihrer Verlobung. Unvorhergesehen wird sie gebeten, bei einem Prozess die Zeugenaussagen zu übersetzen. Ihre Eltern sind, wie ihr zukünftiger Verlobter, dagegen: Es ist der erste Auschwitz-Prozess, der in der Stadt gerade vorbereitet wird. Eva, die noch nie etwas von diesem Ort gehört hat, folgt ihrem Gefühl und widersetzt sich ihrer Familie. Sie nimmt die Herausforderung an, ohne zu ahnen, dass dieser Jahrhundertprozess nicht nur das Land, sondern auch ihr eigenes Leben unwiderruflich verändern wird.

Annette Hess zeigt sich als Autorin verantwortlich für die Geschichten der großen Fernseherfolge von „Weisensee“ und „Ku’damm 56“ und „59“. Da war ich natürlich sehr gespannt auf ihren Debütroman. Und ich wurde nicht enttäuscht. „Deutsches Haus“ ist packend, filmisch erzählt und thematisch mit großer Strahlkraft, auch in unsere heutige Zeit hinein. Der Roman beginnt mit einer gewissen Leichtigkeit, bis dann das große und wichtige Thema Auschwitz die Geschichte und ihre Figuren verändert. Es zeigt, dass unsere Geschichte eine Verantwortung für unsere Zukunft ist. Aber es gibt heute tatsächlich wieder Millionen Menschen in Deutschland, denen das alles egal ist und die eine Partei wählen, die Ähnliches anstrebt wie die Nazis damals.

Ullstein, 367 Seiten; 20,00 Euro


Anne Holt

daumen rauf

In Staub und Asche

In Staub und AscheJonas Abrahamsen hat 12 Jahre für den Mord an seiner Frau verbüßt. Zu Unrecht, davon ist Kommissar Henrik Holme überzeugt. Noch während er mit Hanne Wilhelmsen in diesem Cold Case ermittelt, gibt es eine zweite Tote: Es ist eine prominente Rechtsradikale. Weder Henrik noch Hanne glauben an die Theorie vom Selbstmord - warum sollte eine Frau, die in ihren Kreisen als Heldin gefeiert wurde, ihrem Leben ein Ende setzen? Als Hanne eine Verbindung zu ihrem alten Fall entdeckt, ist es fast zu spät - denn Abrahamsen hat ein 3-jähriges Kind entführt und will endlich Rache nehmen.

 Der letzte Fall für die Erfolgsermittlerin Hanne Wilhelmsen. Während der Lektüre hat man ein weinendes und ein lachendes Auge. Man ist traurig, dass diese bestechende Krimireihe nun zu Ende geht, ist aber auch hocherfreut über den spannenden und aktuell brisanten Fall. „In Staub und Asche“ darf man als Anne-Holt-Fan keinesfalls verpassen!

Piper, 414 Seiten; 22,00 Euro


Dylan Jones

daumen rauf

David Bowie – Ein Leben

David Bowie Ein Leben

Dieses Buch ist anders als alle, die bisher über David Bowie erschienen sind: Dylan Jones führte Interviews mit über 180 Freunden, Rivalen, Lebenspartnern und Familienangehörigen, von denen viele noch nie über ihr Verhältnis zu Bowie gesprochen haben, und lässt sie in O-Tönen zu Wort kommen. Es berichten unter anderem: Paul McCartney, Bono, Madonna, Tony Visconti, Lady Gaga, Elton John, Iman, Angie Bowie, Iggy Pop, Damien Hirst und Bob Geldof.

„David Bowie – Ein Leben“ – Was für ein Buch! Autor Dylan Jones hat mit dieser Mammutbiographie wahrlich ein echtes Highlight für jeden David-Bowie-Fan geschaffen. Durch den besonderen Aufbau des Buches kommt nie Langeweile auf, man erfährt durch so viele unterschiedliche Personen ganz viel über die Person David Bowie. Jeder hat eine etwas andere Sicht auf David Bowie, und so kommt man selbst während der Lektüre dem Menschen und Künstler David Bowie auf besondere Weise ganz nahe.

Rowohlt, 816 Seiten; 36,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Thomas Klupp

Wie ich fälschte, log und Gutes tat

Wie ich fälschte log und Gutes tat cd

Weiden ist eine Vorzeigekleinstadt: Die Wirtschaft brummt, von den Lady-Lions gibt es Charity-Barbecues für Flüchtlinge, die Oberschule ruft eine Leistungsinitiative in den MINT-Fächern aus, die Tennisjugend gewinnt das Landesfinale, und mit dem neuen Schuljahr prangt von jeder Wand ein Antidrogenplakat der Champions. Benedikt Jäger und seine Kumpel Vince und Prechtl sind nicht nur mittendrauf zu sehen, sie stecken auch mittendrin in dieser schönen Welt, die alle Abgründe vertuscht: Die Nächte feiern sie exzessiv im „Butterhof“, wie sie ihre Schulleistungen am neuen Evaluierungssystem vorbei vor den erfolgsgierigen Eltern verbergen, ist hohe Fälscherkunst. Benedikt Jäger wird zum Notenfälscher vor dem Herrn, gegenüber seinen Eltern. Doch auf Benedikt warten noch mehr Teenagerprobleme …

Eine Geschichte von unglaublicher Leichtigkeit, Coolness und Wehmut! Als Leser fühlt man sich noch mal zurückversetzt in die eigene Schulzeit. Partys, Mädchen, Schulchaos, nicht weniger chaotische Eltern, und dann gibt es dazu ja noch die Probleme der Welt, die auch in Weiden Einzug halten. „Wie ich fälschte, log und Gutes tat“ ist ein wenig das Gegenstück zu „Fuck ju Göhte“, mehr schulische Realität, aber nicht unbedingt weniger Bissigkeit! Die junge Stimme des Louis Hofmann ist eine grandiose Besetzung für diese Lesung! So unverbraucht und frisch, so cool und locker leicht gelesen. Genauso wie die Story selbst. Hörprobe

Wie ich fälschte log und Gutes tat

 


Auch als Hardcover erhältlich bei Berlin Verlag, 20,00 Euro.

Osterwold Audio, 6 CDs, 399 Minuten; 20,00 Euro


Denglers-buchkritik.de