Kolumne vom 16.10.2017 - Nr.478


Péter Nádas

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Aufleuchtende Details

Aufleuchtende Details

Péter Nádas ergänzt sein gewaltiges Romanwerk durch seine Lebenserinnerungen, ein ebenso persönliches wie zeitgeschichtliches Dokument. Während Nádas' Mutter am 14. Oktober 1942 in Budapest mit der Straßenbahn zur Entbindung fährt, liquidiert ein Einsatzkommando das Getto in Mizocz, Anne Frank zeichnet das Gewicht jedes Familienmitglieds auf, Jan Karski übermittelt in den Pyrenäen der polnischen Exilregierung Nachrichten des Widerstands, und Viktor Klemperer erhält in Dresden kein Brot. Jedes Ereignis, so Nádas, wirkt auf alle anderen Ereignisse ein – ob in der Politik oder der privaten Lebensgeschichte. Deren weitgespannten Verflechtungen folgen Péter Nádas' Memoiren nicht chronologisch, sondern assoziativ, wie in seinen großen Romanen. Und durch jede einzelne Episode zieht sich die geheime Frage: Wie bin ich zu dem geworden, der ich bin, wenn jede persönliche Erinnerung, jede Prägung, untrennbar mit Geschichte verstrickt ist?

Ein literarisches, sprachgewaltiges Großereignis! „Aufleuchtende Details“, die Memoiren eines Erzählers, leuchten aus den literarischen Werken dieses Herbstes hell heraus. Auf fast 1.300 Seiten erzählt der ungarische Bestsellerautor Péter Nádas von seinem bewegten Leben. Und natürlich noch von viel, viel mehr. Sonst wäre es kein echter Nádas. Der Ungar Pèter Nádas gehört zu Europas großartigsten Literaten. Wer seine mächtigen Werke „Buch der Erinnerung“ (über 1.300 Seiten) und „Parallelgeschichten“ (über 1.700 Seiten) gelesen hat weiß warum. Bei „Aufleuchtende Details“ leuchten wahrlich alle Details auf eine literarisch kostbare Art!

Rowohlt, 1.278 Seiten; 39,95 Euro


Gisa Pauly

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Venezianische Liebe

Venezianische Liebe

Hochzeit in Venedig! Maria ist hingerissen, als ihre Tochter Amelie ihr die Vorbereitungen für das Fest überlassen will. Sie kann ja nicht ahnen, dass sie es nicht nur mit Gästelisten und Tischdekorationen zu tun bekommen wird, sondern vor allem mit ihrer Vergangenheit: Leander, der Mann, mit dem sie ein Geheimnis teilt, steht verkleidet auf dem Markusplatz und geigt! Vor zehn Jahren wurde er für tot erklärt, und jetzt verdient er sich als Straßenmusiker seinen Lebensunterhalt. Maria wirft die High Heels von sich und läuft ihm nach. Dumm nur, dass sie nicht die Einzige ist, die ihn erkannt hat. Schlimmer noch, dass es andere gibt, die ein fettes Hühnchen mit Leander zu rupfen haben …

Gisa Pauly ist mit ihren Bestsellerfolgen um ihre Heldin Mamma Carlotta vielleicht zu verwöhnt worden, denn nur so lässt sich dieser sehr schlechte Roman erklären. Nicht alles was Gisa Pauly schreibt muss auch gleich gut sein. Die Autorin hat sich mit diesem Roman ein faules Ei in ihre Vita gelegt. Der Roman steigert sich von mäßig langweilig zu richtig langweilig. Die Story wirkt zudem total unausgereift und die Charaktere sind mehr ein schlechter Witz, als witzig zu sein. „Venezianische Liebe“ ist ein Roman zum abgewöhnen, nicht um sich in ihn zu verlieben.

Pendo, 318 Seiten; 14,99 Euro


Robert Prosser

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Phantome

PhantomeAnisa flüchtet 1992 aus Sarajewo nach Wien. In den beginnenden ethnischen Säuberungen hat sie ihren Vater zurückgelassen – und wird ihn nie wiedersehen. Auch von ihrem Freund Jovan, einem bosnischen Serben, der zum Militärdienst eingezogen wurde, konnte sie sich nicht verabschieden. Jahrzehnte später reist Anisas Tochter Sara mit ihrem Freund auf den Spuren ihrer Mutter nach Bosnien-Herzegowina.

Der Tiroler Robert Prosser überzeugt mit seinem kurzen und harten Stil und mit einer aufwühlenden und spannenden Geschichte! Man erfährt den Horror des Krieges, wie Bosniaken, Serben und Kroaten damals zu bestialischen Kriegsschlächtern wurden, wie die Länder sich seither verändert haben, vor allem Bosnien wird im Roman behandelt, von woher Sara kommt. Der Roman spielt in zwei Zeitebenen. 2015, in dem Sara und ihr Freund, ein leidenschaftlicher Sprayer, ihre Heimat Bosnien zeigt, und er die Trauer und den Schmerz auch fast 25 Jahre nach dem Krieg kennenlernt. 1992 erfährt man von Anisas Flucht und ihrem neuen Leben in Österreich und von Jovans Einsatz im Krieg und seiner Fahnenflucht erfährt. „Phantome“ ist eine vielschichtige Geschichte, die einen immer zu begeistern weiß. Robert Prosser hat es geschafft, einen literarischen Sound zu kreieren, der lange nachhallt!

Ullstein, 328 Seiten; 18,00 Euro


Harry Bingham

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Fiona – Als ich tot war

Fiona Als ich tot war Fiona Griffiths ist eine Frau voller Probleme, aber auch eine sehr gute Polizistin. Als Neuling auf dem Revier hat sie es mit einem Abrechnungsbetrug bei einem Möbelhaus zu tun. Fiona folgt der Spur des Geldes und stößt auf Leichen. Denn es geht um sehr viel Geld. Nun hat Fiona gerade erst eine Ausbildung zur Undercover-Agentin absolviert. Als Putzfrau namens „Fiona Grey“ wird sie in ein betroffenes Unternehmen eingeschleust. Auch die Betrüger erkennen schnell ihre besondere Begabung, Fiona wird Teil ihres Plans – ein gefährliches Spiel. Denn die Grenzen zwischen ihren Persönlichkeiten verfließen zunehmend.

 

Ein vielschichtiger und überraschender Kriminalroman von einem Autor, von dem man noch viel hören wird! „Fiona – Als ich tot war“ überzeugt nicht nur mit großer Spannung sondern auch mit der Heldin, die unter einer psychischen Krankheit leidet. Fiona ist eine Ermittlerin, wie man sie so aus anderen Kriminalromanen nicht kennt. Das macht Harry Binghams Krimidebüt noch außergewöhnlicher.

Wunderlich, 509 Seiten; 19,95 Euro


Chaseo Rules

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Die Zahlenapotheke

Die Zahlenapotheke

In diesem Buch wird die alternative Methode für ein gesünderes Leben mithilfe von Zahlen vorgestellt. Entwickelt wurde sie in Korea und basiert auf Traditioneller Chinesischer Medizin sowie den neuesten Erkenntnissen der Neurowissenschaften. Es wurde untersucht, welche Areale im Hirn durch Aufsagen bestimmter Zahlen aktiviert werden. So entstanden Zahlenfolgen, die rhythmisch gesprochen das allgemeine Wohlbefinden des Anwenders verbessern können. Diese Methode fördert gesunden Schlaf, eine verbesserte Gedächtnisleistung und Konzentrationsfähigkeit bis hin zu einer gesünderen Haut.

Auch wenn es sich zu Anfang irgendwie verrückt anhört, Zahlenfolgen sprechen und dadurch ein ausgeglicheneres Leben haben, so hat es doch einen traditionellen und erforschten Hintergrund. „Die Zahlenapotheke“ ist ein verblüffendes und kluges Buch! Ein Buch, das einen mit überraschenden Erkenntnissen ein Stück mehr Lebensqualität schenken kann. In dem handlichen Buch erzählen auch Menschen von ihren Erfahrungen mit dem Zahlenlesen. Die sind nicht weniger überraschend, als das ganze Buch selbst.

Allegria, 251 Seiten; 10,00 Euro


Hörbuch der Woche

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Kai Meyer

Die Spur der Bücher

Die Spur der Bücher Audio

London – eine Stadt im Bann der Bücher. Mercy Amberdale ist in Buchläden und Antiquariaten aufgewachsen. Sie kennt den Zauber der Geschichten und besitzt das Talent der Bibliomantik. Für reiche Sammler besorgt sie die kostbarsten Titel, pirscht nachts durch die geheimen Bibliotheken des viktorianischen Englands. Doch dann folgt sie der Spur der Bücher zum Schauplatz eines rätselhaften Mordes: Ein Buchhändler ist inmitten seines Ladens verbrannt, ohne dass ein Stück Papier zu Schaden kam. Mercy gerät in ein Netz aus magischen Intrigen und dunklen Familiengeheimnissen, bis die Suche nach der Wahrheit sie zur Wurzel aller Bibliomantik führt.

„Die Spur der Bücher“ ist das Prequel der sensationellen „Die-Seiten-der-Welt“-Trilogie. Kai Meyer präsentiert darin wieder alles, was man schon aus seiner Trilogie kennt. Das Thema um die Bibliomantik baut er hier wunderbar aus. „Die Spur der Bücher“ – spannend, ideenreich und mit fantastischen Charakteren! Von denen gibt es viele in dem Hörbuch, aber einer hat sich bei mir besonders „festgefressen“, der Besserwisser. Das ist das Google von Kai Meyers fantastischer Bücherwelt. Simon Jäger, u .a. die deutsche Stimme von Hollywoodstar Matt Damon, ist einer der besten und meistbeschäftigten deutschen Hörbuchsprecher. Er kann Thriller genauso gut wie Fantasy. Das beweist er erneut mit dem neuen magischen Werk von Kai Meyer in dieser ungekürzten Lesung. Hörprobe:  

Die Spur der Bücher

 

Auch als Hardcover erhältlich bei FJB, 19,99 Euro.

Argon Hörbuch, 2 MP3 CDs, 646 Minuten; 19,99 Euro


Denglers-buchkritik.de