Kolumne vom 10.06.2019 - Nr.564


Javier Marias

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Berta Isla

Berta Isla

Tomás – halb Spanier, halb Engländer – ist ein Sprachentalent und verliebt in die junge Berta Isla. Sehr früh sind sich beide sicher, dass sie ein gemeinsames Leben wollen. Als er zum Studium nach Oxford geht, bleibt sie jedoch in Madrid zurück – nicht ahnend, dass Tomás dort einen schwerwiegenden Fehler begeht, der beide in eine verhängnisvolle Lage bringt. Um einer Haftstrafe zu entgehen, beginnt er, heimlich für den britischen Geheimdienst zu arbeiten. Schon bald nach seiner Rückkehr vermutet Berta, die inzwischen seine Ehefrau ist, dass Tomás ein Doppelleben führt. Als er dann zu Beginn des Falklandkrieges plötzlich spurlos verschwindet, beginnt sie endgültig zu hinterfragen, wen sie geheiratet hat.

Es gibt nicht viele Autoren auf der Welt, wo jeder neue Roman des Autors ein literarisches Großereignis ist. Javier Marias ist einer dieser wenigen Autoren! „Berta Isla“ ist eine Geschichte über die Liebe, über Beziehungen, über das große Glück, das zwei Menschen nicht haben dürfen. Ein Melodram allererster Güte! Man lernt beide Hauptfiguren, Isla und Tomás, auf intensive, auf mariassche Art kennen. Ihre Gedanken, ihre Gefühle, ihr Tun, alles wird greifbar für den Leser. Ein enorm spannendes und psychologisch ausgereiftes Beziehungsdrama, das im literarischen Glanz erstrahlt!

S. Fischer, 654 Seiten; 26,00 Euro


Mary Higgins Clark / Alafair Burke

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Mit deinem letzten Atemzug

Mit deinem letzten Atemzug

Die bombastische Met-Gala ist eigentlich der gesellschaftliche Höhepunkt des Jahres in Manhattan. Doch dann stürzt Virginia Wakeling, eine steinreiche Witwe und großzügige Mäzenin, vom Dach des Kunstmuseums. Schnell zeigt sich: Es war Mord. Und auch der Mörder scheint gleich festzustehen: Ivan, der über zwanzig Jahre jüngere Personal Trainer und Geliebte der Witwe. Doch die Polizei findet keine Beweise gegen ihn. Drei Jahre später soll Laurie Moran den Fall mit Hilfe ihrer TV-Sendung „Unter Verdacht“ endlich aufklären. Je näher sie das Umfeld der Verstorbenen kennenlernt, desto klarer wird ihr, dass es eine Vielzahl weiterer Verdächtiger gibt: Virginias erwachsene Kinder und Verwandte ebenso wie ihre angeblich allerengsten Freunde.

„Mit deinem letzten Atemzug“ ist der fünfte Band der Laurie-Morgan-Reihe. Die vier Bände zuvor konnten auch nicht durchweg überzeugen. Mal Spannung, mal Langeweile, ein paar zarte Wendungen hier und da. So und noch etwas schlechter gestaltet sich auch Band fünf. Richtig Spannung will nie aufkommen. Durch die eingängige Schreibweise kommt man zwar schnell voran, aber den Thrill erlebt man dabei eben nicht. Das Personal überzeugt auch nicht richtig. Das Buch bleibt im Mittelmaß hängen. Es steht wohl die einstige Ikone des Thrillers auf dem Cover, Mary Higgins Clark, aber geschrieben wurde das Buch wohl großteils von Alafair Burke. Die aber die Tochter des Bestsellerautors James Lee Burke ist.

Heyne, 367 Seiten; 19,99 Euro


Vincent Kliesch / Sebastian Fitzek

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Auris

AurisDie kleinste Abweichung im Klang einer Stimme genügt dem berühmten forensischen Phonetiker Matthias Hegel, um Wahrheit von Lüge zu unterscheiden. Zahlreiche Kriminelle konnten mit seiner Hilfe bereits überführt werden. Hat der Berliner Forensiker nun selbst gelogen? Allzu freimütig scheint sein Geständnis, eine Obdachlose in einem heftigen Streit ermordet zu haben. Die True-Crime-Podcasterin Jula Ansorge, darauf spezialisiert, unschuldig Verurteilte zu rehabilitieren, will unbedingt die Wahrheit herausfinden. Doch als sie zu tief in Hegels Fall gräbt, bringt sie nicht nur sich selbst in größte Gefahr.

Ein Thriller wie ein Donnerhall! Super spannend von Anfang an. Die vielen Andeutungen lassen einen nicht ruhen und die Seiten fliegen nur so dahin. Das Ende kommt viel zu schnell. So wie „Auris“ muss ein spannender Thriller aussehen. Vincent Kliesch hat aus der Idee von Bestsellerautor Sebastian Fitzek einen genialen Thriller gemacht! Das Thema um den forensischen Phonetiker Matthias Hegel ist auch ein sehr besonders. Nach „Auris“ ist man süchtig nach mehr. Hoffentlich setzt Vincent Kliesch die Reihe um Matthias Hegel und Julia Ansorge schnellstmöglich fort. Beide Figuren haben eine Menge Potenzial.

Droemer, 352 Seiten; 12,99 Euro


Jörg Maurer

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Am Tatort bleibt man ungern liegen

Am Tatort bleibt man ungern liegen

Alina Rusche liegt tot in ihrem Garten. Kommissar Jennerwein ist überzeugt, dass es kein Unfall, sondern Mord war. Doch warum musste die Putzfrau sterben? Hatte sie bei ihrer Arbeit Dinge erfahren, die gefährlich waren? Als der Direktor der KurBank zugibt, dass Alina für ihn geputzt hat, führt die Spur direkt in den legendär sicheren Schließfachraum. Hier ruhen versteckt und verriegelt genügend Geheimnisse, für die sich ein Mord lohnt. Der gesamte Kurort gerät in Aufregung, denn Jennerwein ermittelt in alle Richtungen. Das einzige, was er dabei nicht erahnt, ist der nächste Tatort.

Nach dem schwächeren letzten Fall präsentiert sich Jörg Maurer wieder in guter Form! „Am Tatort bleibt man ungern liegen“ bietet eine wunderschöne Kulisse, gut aufgelegtes Personal und einen verzwickten Fall! Und Jennerwein und Hölleisen geben sich die Ehre! Denn Jennerwein agiert in diesem zwölften Band eher im Hintergrund. Ein spannender und zugleich köstlich amüsanter Krimi, der mit überraschenden Wendungen aufwarten kann!

Scherz, 373 Seiten; 16,99 Euro


Andy Seliverstoff

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Liebe kennt keine Größe

Liebe kennt keine Größe

Großer Hund, kleiner Mensch: Diese Kombination hat es dem Fotografen Andy Seliverstoff angetan. Seine Bilder zeigen die faszinierende Vertrautheit zwischen Kindern und ihren Tieren. So können Hunde für Kinder tolle Spielkameraden sein - auch wenn sie manchmal fast doppelt so groß sind. Eine deutsche Dogge hebt die Pfote, als wolle sie einem kleinen Mädchen den Kopf tätscheln, ein ungarischer Hirtenhund tollt ausgelassen im Schnee herum und eine Gruppe Leonberger macht es sich am Strand bequem …

„Liebe kennt keine Größe“ ist ein Buch zum verlieben! Wer einen großen Hund und Kinder hat, für den ist dieses Buch soundso unverzichtbar. Aber auch alle anderen werden staunen, wie sanft so große Hunde mit so kleinen Menschen sein können. Tolle Fotos, schöne Texte, ein Bildband zum immer wieder durchblättern.

Lübbe, 128 Seiten; 15,00 Euro


Hörbuch der Woche

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Stefan Ahnhem

10 Stunden tot

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Helsingborg ist nicht mehr der idyllische Ort an der schwedischen Küste, der er mal war. Während eine Reihe von Morden die Stadt erschüttert, kämpft Kommissar Fabian Risk gegen sein ganz persönliches Leid: Seine Familie droht an seiner Arbeit als Mordermittler zu zerbrechen. Aber sein Job ist sein Leben. Er kann nicht anders und nimmt sich der Aufklärung der Morde an, doch er findet keine Spur. Risk und seine Kollegen ahnen nicht, dass der Täter seine Opfer durch ein Würfelspiel rein zufällig auswählt, genau wie die Mordwaffe und den Tatort. So lassen sich keinerlei Verbindungen zu ihm herstellen. Wird dieser Fall ungelöst bleiben?

Nach „Und morgen du“, „Herzsammler“ und „Minus 18°“ ist „10 Stunden tot“ der vierte Krimi aus der Reihe um den schwedischen Ermittler Fabian Risk. „10 Stunden tot“ ist ein düsterer Kriminalroman mit einigen Überraschungen, einer stark gezeichneten Hauptfigur und mit einem ganz fiesen Cliffhanger! Die zahlreichen Nebenhandlungen der Reihe werden auch in diesem Roman fortgesetzt. Manchmal etwas zu viel, da entstehen einige Längen, aber das trübt das Gesamtbild nicht dramatisch. Dabei ist Fabian Risks Privatleben nicht weniger spannend als seine Ermittlungsarbeit. Über manche Schwächen der Geschichte hilft einer ganz besonders hinweg: David Nathan! Er adelt jedes Hörbuch. Seine Stimme ist grandios! Hörprobe 7:55 Min.

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Auch als Paperback erhältlich bei Ullstein, 14,99 Euro

 

Hörbuch Hamburg, 2 MP3 CDs, 840 Minuten; 18,00 Euro


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