Aktuelle


Anna Burns

daumen rauf

Milchmann

Milchmann

Eine junge Frau zieht ungewollt die Aufmerksamkeit eines mächtigen und erschreckend älteren Mannes auf sich, Milchmann. Es ist das Letzte, was sie will. Hier, in dieser namenlosen Stadt, erweckt man besser niemandes Interesse. Und so versucht sie, alle in ihrem Umfeld über ihre Begegnungen mit dem Mann im Unklaren zu lassen. Doch Milchmann ist hartnäckig. Und als der Mann ihrer älteren Schwester herausfindet, in welcher Klemme sie steckt, fangen die Leute an zu reden. Plötzlich gilt sie als „interessant“ – etwas, das sie immer vermeiden wollte. Hier ist es gefährlich, interessant zu sein.

Anna Burns Stil ist wie eine Rose – wunderschön, literarisch duftend, aber auch kratzbürstig und stachelig! Die Schönheit von Anna Burns Sprache ist ein literarischer Hingucker, man riecht und schmeckt was sie schreibt, man sieht es groß vor sich, man fühltes, ist gefesselt von so viel Klarheit, Witz und kreativer Sprachgewandtheit. Konzentrieren muss man sich bei der Lektüre allerding schon, denn in diesem Buch gibt es unter anderem keine Namen. Dafür gibt es den Vielleicht-Freund, Schwager Eins, Zwei und Drei, Schwester Eins, Zwei und Drei, Älteste Freundin, Lehrerin, Chefkoch und noch einige mehr und natürlich den Milchmann. „Milchmann“ wurde mit wichtigen literarischen Preisen ausgezeichnet: Man Booker Prize 2018 (Fiction), National Book Critics Circle Award 2018 (Fiction) und dem Orwell Prize 2019.

Tropen, 450 Seiten; 25,00 Euro


Dirk Kurbjuweit

daumen runter

Haarmann

Haarmann

Im Hannover der 1920er-Jahre verschwinden Jungs, einer nach dem anderen, spurlos. Steckt ein bestialischer Massenmörder dahinter? Für Robert Lahnstein, Ermittler im Fall Haarmann, wird aus den Gerüchten bald Gewissheit: Das Deutschland der Zwischenkriegszeit, hat es mit einem Psychopathen zu tun. Lahnstein, der alles dafür gäbe, dass der Albtraum aufhört, weiß bald nicht mehr, was ihm mehr zu schaffen macht: das Schicksal der Vermissten; das Katz-und-Maus-Spiel mit dem mutmaßlichen Täter; die dubiosen Machenschaften seiner Kollegen bei der Polizei; oder eine Gesellschaft, die nicht mehr daran glaubt, dass die junge Weimarer Republik sie vor dem Verbrechen schützen kann.

Was passiert, wenn ein eher literarischer Romanautor, einst „Zeit“- und „Spiegel“-Reporter, einen Kriminalroman schreibt? Ein relativ unspannendes und unspektakuläres Werk! Dirk Kurbjuweit wollte auch auf den Zug des 19020er-Trends aufspringen, der derzeit auf dem deutschen Buchmarkt herrscht. Es gibt viele guten AutorenInnen, die sehr gute Romane verfasst haben, die in dieser Zeit spielen. Dirk Kurbjuweits „Haarmann“ gehört definitiv nicht dazu! Und dabei war die Ausgangsposition doch so eine gute. Man nehme einen historisch echten Fall eines Serienmörders und mache daraus eine spannende Geschichte. So schwer wäre das als versierter Autor eigentlich nicht, doch Dirk Kurbjuweit scheitert praktisch auf ganzer Linie! Ein verquerer Schreibstil und ein Krimi ohne Spannung, der sich für vieles interessiert, aber nicht dem Leser ein fesselndes Leservergnügen zu bieten.

Penguin, 318 Seiten; 22,00 Euro


Alix Ohlin

daumen rauf

Robin und Lark

Robin und LarkRobin und Lark, zwei Schwestern, wie sie unterschiedlicher kaum sein können: die ältere klug, fleißig und still, die jüngere wild, impulsiv und eine begnadete Pianistin. Doch die ungleichen Mädchen verbindet ein starkes Band, nicht zuletzt entstanden durch die Nachlässigkeit der Mutter. Als Lark Montreal verlässt, um in den USA aufs College zu gehen, verlieren sie jedoch beinahe vollständig den Kontakt - bis Robin eines Tages urplötzlich vor Larks Tür steht. Gemeinsam ziehen sie nach New York, wo Lark studiert und Robin das berühmte Musikkonservatorium Juilliard besucht. Sie wohnen zusammen, sind sich so nah wie lange nicht mehr. Bis wieder eine Schwester die andere verlässt: Robin verschwindet plötzlich von einer Konzertreise in Schweden. Fünf Jahre sehen sich die Schwestern nicht wieder.

Eine besondere Geschichte über zwei besondere Schwestern! Das die Schwestern zu etwas ganz Besonderem werden, liegt am flüssigen Stil der Autorin. Sie lässt gar nicht zu, dass einem langweilig wird und verleiht beiden Schwestern eine Tiefe, die beachtlich ist ohne dabei ausschweifend zu werden. Man geht ihren mal schwierigeren, mal einfacheren, aber immer anziehenden Weg mit. Man erlebt sie als junge Mädchen bis hin zur reifen Frau. Vor allem das Verhältnis zu ihrer Mutter Marianne, der ihre beiden Töchter meist vollkommen egal waren, prägt das Leben der beiden. Die Kanadierin Alix Ohlin erzählt mit viel Elan und man gewinnt schnell Sympathie für Robin und Lark. Die beiden Schwestern wachsen einem ans Herz.

C. H. Beck, 333 Seiten; 23,00 Euro


Frank Kodiak

daumen rauf

Das Fundstück

Das Fundstück

Kommissar Olav Thorn ahnt nichts Gutes, als er zu einem bizarren Fund an den Bremer Busbahnhof gerufen wird: Im Gepäckraum eines Reisebusses aus Dortmund ist ein Koffer zurückgeblieben - mit grauenvollem Inhalt. Noch bevor die Ermittlungen in Bremen richtig in Gang kommen, erreicht den Kommissar eine Nachricht aus Berlin: Auch am dortigen Busbahnhof ist ein Koffer mit Leichenteilen aufgetaucht. Thorn und seine Berliner Kollegin Leonie Grün tragen fieberhaft Puzzlestück für Puzzlestück zusammen, doch der Killer ist ihnen immer einen Schritt voraus. Und er ist noch lange nicht am Ende seiner Reise angelangt.

Frank Kodiak ist das Pseudonym des deutschen Bestsellerautors Andreas Winkelmann. Nach „Stirb zuerst“ und „Nummer 25“ folgt nun der dritte Thriller „Das Fundstück“. Wer Frank Kodiak liest, weiß was er bekommt: Einen fesselnden Thriller, der einem keine Ruhe gönnt! Auch die Ermittler Olav Thorn und Leonie Grün können überzeugen. „Das Fundstück“ – ein blutiges Killerszenario erster Güte!

Knaur, 349 Seiten; 9,99 Euro


Christoph Ribbat

daumen rauf

Die Atemlehrerin

Die Atemlehrerin

Eine Dame mit leichtem deutschem Akzent unterrichtet Achtsamkeit in New York City: wie man bewusst atmet, den Körper erspürt und den Stress der Großstadt überlebt. Ihr Studio ist ein Geheimtipp für Sängerinnen, Tänzerinnen und verkrampfte Büromenschen. Ihre Schülerinnen meinen, sie sei ganz und gar entspannt. Aber ihre eigene, schmerzhafte Vergangenheit hält sie vor ihnen geheim.

Die Atemlehrerin erzählt die Geschichte der Carola Joseph. Die Gymnastiklehrerin, 1901 geboren, lebt, arbeitet, forscht in Berlin, heiratet, heißt nun Carola Spitz, und verlässt die Stadt erst, als es fast schon zu spät ist. Sie wird zu einem jüdischen Flüchtling unter Zehntausenden, etabliert sich als „Carola Speads“ in Manhattan und lehrt, als sie 98 Jahre alt ist, noch immer in ihrem Studio am Central Park. Eine spannende, entspannte und mitreißende Geschichte! Das Leben der Carola Spitz atmet den Hauch der Geschichte. Die Hauptthemen sind: „Das Studio der Körperlichen Umerziehung“, „Wandervogel“, „Mehr als ein Guru“, „Die Liste der jüdischen Gymnastiklehrerinnen“ und „Blumen von Charlotte“.

Suhrkamp, 191 Seiten; 22,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Chris Colfer

Land of Stories 3 – Eine düstere Warnung

Land of Stories 3 Eine düstere Warnung

Connor Bailey glaubt, dass seine Abenteuer im magischen Land hinter ihm liegen. Doch dann entdeckt er einen mysteriösen Hinweis, den die Brüder Grimm hinterlassen haben. Mit Hilfe seiner Klassenkameradin Bree und der schrillen Mutter Gans begibt sich Connor auf eine große Mission quer durch Europa, um einen zweihundert Jahre alten Code zu knacken. Währenddessen absolviert Alex ihre Ausbildung zur nächsten Guten Fee. Doch all ihre Zauberei-Versuche gehen schief. Wird sie jemals dem Rat der Feen vorsitzen können?

Das dritte große Abenteuer aus dem magischen Land – und was für eins! Chris Colfer sprudelt nur so vor schillernden Ideen. „Land of Stories“ – Märchen megacool erzählt! Connor Bailey in Berlin und im magischen Land zu erleben, herrlich, Napoleons Armee im magischen Land einziehen zu sehen, beängstigend, Rotkäppchen durch einen dilettantischen Wahlkampf ihren Thron verlieren zu sehen, bemitleidenswert, Alex sich als gute Fee beweisen zu sehen, zum Schmunzeln, und das sind nur ein paar Ereignisse in diesem dritten Band. Und am Schluss erwartet einen ein ganz, ganz fieser Cliffhanger! Wie schon die beiden Bände zuvor wird auch dieser von Rufus Beck gelesen. Der geniale Rufus Beck ist ein Ein-Mann-Kino! Dieses Hörbuch daher ein großes Erlebnis. Hörprobe 3:20 Min.

Land of Stories 3 Buch Eine düstere Warnung

Auch als Hardcover erhältlich bei Sauerländer, 18,00 Euro.

Argon Hörbuch, 2 MP3 CDs, 562 Minuten; 19,95 Euro


Denglers-buchkritik.de