Kolumne vom 08.10.2018 - Nr.529


Nicholas Sparks

daumen rauf

Wo wir uns finden

Wo wir uns finden

Die 36-jährige Hope Anderson steht vor schicksalhaften Entscheidungen. Sie ist seit mehreren Jahren mit ihrem Partner zusammen, weiß aber nicht, ob er wirklich die Liebe ihres Lebens ist. Zusätzlich wurde bei ihrem Vater gerade eine tödliche Krankheit diagnostiziert, was schwierige Fragen für ihre eigene Zukunft aufwirft. Kurz entschlossen nimmt sich Hope eine Woche frei und zieht sich in das idyllische Strandhaus der Familie zurück, um Klarheit in ihr Leben zu bringen. Doch dann trifft sie den sympathischen Abenteurer Tru, der alles durcheinanderwirbelt. Für beide ist es Liebe auf den ersten Blick, sie verbringen herrliche romantische Tage miteinander. Aber beide stehen unter dem Druck familiärer Verpflichtungen, die ihrer Beziehung entgegenstehen. Und so drohen Hope und Tru sich zu verlieren, bevor sie sich richtig gefunden haben.

„Wo wir uns finden“ ist eine ganz besondere Lovestory, da sie von der Grundgeschichte her auf einer wahren Begebenheit beruht. Oder etwa doch nicht? Lassen Sie sich überraschen. Auf jeden Fall spielt der Autor selbst darin eine tragende Rolle. „Wo wir uns finden“ ist eine Lovestory aus den 1990ern, die so, in unserer heutigen, technologisierten Welt, nicht mehr möglich wäre bzw. ganz anders verlaufen würde. Weltbestsellerautor Nicholas Sparks hat wieder etwas ganz Besonderes geschrieben. Die Seiten fliegen nur so dahin. Man lebt mit Hope und Tru, erlebt die Gefühle, lässt sich mitreißen von ihrer beiden Geschichten und Gefühle. „Wo wir uns finden“ zeigt, dass man immer an die große Liebe im Leben glauben sollte! Doch es zeigt auch, dass selbst die Liebe zwei verliebter Menschen manchmal nicht ausreichen kann, da das Leben andere Pläne hat.

Wo wir uns finden HörprobeAuch als Hörbuch erhältlich bei Random House Audio. Alexander Wussow lässt mit seiner weichen und sanften Stimme die Gefühlswelt des Nicholas Sparks prächtig aufleben. 19,99 Euro. Hörprobe

Heyne, 380 Seiten; 20,00 Euro


Lukas Rietzschel

daumen runter

Mit der Faust in die Welt schlagen

Mit der Faust in die Welt schlagen

Philipp und Tobias wachsen in der Provinz Sachsens auf. Im Sommer flirrt hier die Luft über den Betonplatten, im Winter bricht der Frost die Straßen auf. Der Hausbau der Eltern scheint der Aufbruch in ein neues Leben zu sein. Doch hinter den Bäumen liegen vergessen die industriellen Hinterlassenschaften der DDR, schimmert die Oberfläche der Tagebauseen, hinter der Gleichförmigkeit des Alltags schwelt die Angst vor dem Verlust der Heimat. Die Perspektivlosigkeit wird für Philipp und Tobias immer bedrohlicher. Als es zu Aufmärschen in Dresden kommt und auch ihr Heimatort Flüchtlinge aufnehmen soll, eskaliert die Situation. Während sich der eine Bruder in sich selbst zurückzieht, sucht der andere ein Ventil für seine Wut. Und findet es.

Ein – leider – aktueller Roman, der genau wegen dieser Aktualität zahlreiche lesenswerte Komponenten enthält. Lukas Rietzschel (Jahrgang 1994) schildert durchaus eindrucksvoll und bedrückend wie ein Dorf nach und nach dem Untergang entgegen geht. Das was das aus den Menschen, vor allem im Osten machen kann, sieht man ja nun täglich in den Nachrichten und bei den Wahlen. Das Thema hätte also riesengroßes Potenzial gehabt um daraus einen ganz großen Roman über das Deutschland nach 2015 zu machen. Gelungen ist dieses Unterfangen Lukas Rietzschel nicht. Zu wenig griffige Handlung, zu wenig Spannung, zu wenig, was die große Bühne des Themas geboten hätte. „Mit der Faust in die Welt schlagen“ bleibt so eher ein kleiner Roman zu dem Thema.

Mit der Faust in die Welt schlagen mp3Auch als Hörbuch erhältlich bei Random House Audio. Der junge Christoph Letkowski ist eine gut gewählte Stimme für diese Geschichte. Eine authentische Lesung! 20,00 Euro. Hörprobe

Ullstein, 317 Seiten; 20,00 Euro


Elizabeth Jane Howard

daumen rauf

Die Jahre der Leichtigkeit

Die Jahre der LeichtigkeitDie Cazalets. Eine großbürgerliche Familie im England der späten Dreißigerjahre – unruhige Zeiten. Aus dem Familiensitz Home Place in der malerischen Grafschaft Sussex wird unerwartet ein Zufluchtsort für mehrere Generationen. Zusammen mit ihren Familien kehren die Cazalet- Brüder Hugh, Edward und Rupert wie jeden Sommer in das Haus ihrer Kindheit im Herzen von Sussex zurück. Vor ihnen liegen herrlich lange Ferienwochen. Doch die unbekümmerte Stimmung ist trügerisch: Der Zweite Weltkrieg wirft seine Schatten voraus, und auch innerhalb der Familie schwelen Konflikte.

Die Engländerin Elizabeth Jane Howard (1923 – 2014) hat mit der Cazalets-Saga eine absolut umwerfende Geschichte erschaffen! Sie erzählt so einfach Dinge wie Einkaufen, bei Tisch sitzen, sich mit den Kindern oder den Tieren beschäftigen, kochen, in Urlaub fahren oder gar nur das Aufstehen mit so viel Charme, und ja, mit so viel Leichtigkeit, dass es nur so eine Freude ist. Bei einer anderen Autorin würde man vielleicht vor Langeweile gähnen, bei Elizabeth Jane Howard freut man sich auf jede neue Zeile. Genau so verhälft es sich, wenn es an den regen Austausch der Figuren geht. Ihre Charaktere haben alle ihre ganz eigene Stimme. Mal lieb, mal störrisch, man ernst, mal traurig, mal weise, mal weniger gescheit. Es macht große Freude den Charakteren und den Dialogen zu folgen. „Die Jahre der Leichtigkeit“ ist der erste Band der Saga um die Familie Cazalet, in dem, wie es der Titel schon sagt, noch die Leichtigkeit das Geschehen bestimmt, auch wenn die ersten Vorboten des nahenden Krieges schon zu spüren sind. Der zweite Band „Die Zeit des Wartens“ folgt schon im November 2018.

dtv, 573 Seiten; 16,90 Euro


Dante Alighieri

daumen rauf

Die göttliche Komödie

Die göttliche KomödieDie „Divina Commedia“ ist der Klassiker der italienischen Literatur schlechthin und zugleich ihr grandioser Auftakt. Dante Alighieris Jenseitsreise mit de berühmten drei Stationen „Inferno“, „Purgatorio“ und „Paradiso“ ist eine überwältigende Gesamtschau der Weltgeschichte, die zwischen den Epochen steht und die Renaissance in ihrem kommenden Glanz bereits erahnen lässt.

 

 

Über eines DER Werke der Weltliteratur schlechthin muss man nicht mehr viele Worte verlieren. Gehört haben wahrscheinlich schon fast alle davon, gelesen wohl weitaus weniger. Das sollte sich nun ändern. Mit der wunderschönen Neuausgabe von Manesse mit 48 Illustrationen von Gustave Doré und reich kommentierte von Ida und Walther von Wartburg erschließen sich Dantes Werk und Welt hier in ihrer ganzen Fülle. Wer Weltliteratur gelesen haben will, der sollte „Die göttliche Komödie“ unbedingt hinzufügen.

Manesse, 1.200 Seiten; 36,00 Euro


Lew Tolstoi

daumen rauf

Für alle Tage – Ein Lebensbuch

Für alle Tage Ein Lebensbuch

Lew Tolstoi hat große Gedanken und Einsichten, „den Verstand stärkende und das Herz erfüllende“ Erkenntnisse nach Themen sortiert den 365 Tagen des Jahres zugeordnet, um sich jeden Tag aus dieser Quelle seines Denkens und Handelns zu vergewissern. In diesen Zitaten und Reflexionen kommen seine Grundüberzeugungen zum Ausdruck: Gewaltlosigkeit, Ablehnung des Krieges und des Kriegsdienstes, Achtung und Respekt auch vor den Tieren, Bedürfnislosigkeit und die Nützlichkeit der Landarbeit, Ablehnung des Eigentums und bedingungslose Nächstenliebe, Ablehnung der kirchlichen Institutionen – um nur einige der wichtigsten Punkte zu nennen.

Der wunderschönen Ausgabe von „Der göttlichen Komödie“ sollten Sie auch noch diese nicht weniger schöne Prachtausgabe von Lew Tolstois „Für alle Tage“ hinzufügen. Auch hier schenkt der Verlag, C. H. Beck, dem Leser ein prächtig gestaltetes Buch. Lew Tolstoi hat hier wahrlich ein „Lebensbuch“ verfasst. Die hier versammelten Zitate und Kurzgeschichten sind so weise und intelligent, so hinterfragend und vorausblickend, so ehrlich und von Herzen kommend. Dieses Buch ist ein mächtig großer Schatz für Ihr Bücherregal! Es handelt sich um die nun frisch erschienene 4. Auflage, nachdem die letzte von 2011 länger vergriffen war. Für die interessierten Leser von Weltliteratur ist „Für alle Tage“ ein großes Glück.

C. H. Beck, 760 Seiten; 58,00 Euro


Hörbuch der Woche

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Sofia Lundberg

Das rote Adressbuch

Das rote Adressbuch

Doris wächst in einfachen Verhältnissen im Stockholm der Zwanzigerjahre auf. Als sie zehn Jahre alt wird, macht ihr Vater ihr ein besonderes Geschenk: ein rotes Adressbuch, in dem sie all die Menschen verewigen soll, die ihr etwas bedeuten. Jahrzehnte später hütet Doris das kleine Buch noch immer wie einen Schatz. Und eines Tages beschließt sie, anhand der Einträge ihre Geschichte niederzuschreiben. So reist sie zurück in ihr bewegtes Leben, quer über Ozeane und Kontinente, vom mondänen Paris der Dreißigerjahre nach New York und England – zurück nach Schweden und zu dem Mann, den sie einst verlor, aber nie vergessen konnte.

Eine wunderschön erzählte Geschichte über das Leben, die Liebe, das Älterwerden und das Sterben! Anhand dieser Geschichte wird einem das Leben so richtig bewusst. Doris hat in ihrem Leben so viel erlebt, Schönes wie Tragisches, sie war eine Schönheit, doch im Alter ist diese Erinnerung daran nur noch eine Episode in ihrem Leben. Die Schönheit ist vergänglich, die Liebe kann vergehen oder nie wiedergefunden werden, und das Leben läuft von Beginn an dem Tod entgegen. Um das alles als Leser genau so alles miterleben zu können, erzählt Sofia Lundberg abwechselnd von der alten und der jungen Doris. Hier nur noch ein dahinvegetieren, jede Bewegung ein einziger Schmerz, und dort das pralle Leben voller aufregender Ereignisse und Schönheit. Wunderbar werden die alte und die junge Doris gelesen von Beate Himmelstoß und Susanne Schroeder. Hörprobe

Das rote Adressbuch

 

Auch als Hardcover erhältlich bei Goldmann, 20,00 Euro.

Der Hörverlag, 6 CDs, 442 Minuten; 20,00 Euro


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