Kolumne vom 08.04.2019 - Nr.555


John Grisham

daumen rauf

Das Bekenntnis

Bekenntnis.2

Oktober 1946 in Clanton, Mississippi. Pete Banning ist einer der angesehensten Bürger der Stadt. Der hochdekorierte Kriegsveteran hat es als Oberhaupt einer alt eingesessenen Familie mit dem Anbau von Baumwolle zu Reichtum gebracht. Er ist ein aktives Mitglied der Kirche, ein loyaler Freund, ein guter Vater, ein verlässlicher Nachbar. Doch eines Morgens begeht Pete Banning einen Mord. Er fährt zur Kirche und erschießt den Pfarrer. Die Gemeinde ist erschüttert, und es gibt nur eine einzige Frage: Warum? Pete Banning aber schweigt. Und auch als ihm die Todesstrafe droht, bricht er sein Schweigen nicht. Ein Aufsehen erregender Prozess beginnt, an dessen Ende in Clanton nichts mehr ist, wie es zuvor war.

John Grisham zieht einen gleich mit der ersten Seite und mit einem Satz mitten ins: „Es war Zeit für den Mord“. Wie soll man da nicht weiterlesen wollen? Doch das ist wahrlich nur der Anfang einer großen Geschichte um Recht und Gerechtigkeit, um Sinn und Sinnlosigkeit der Todesstrafe, um Wahrheit und Lüge, um Familie und Liebe. Eine Geschichte, die mich berührt und mitgerissen hat! John Grisham versteht es von Anfang an die Spannung hochzuhalten, vergisst dabei nie die Entwicklung seiner Charaktere und den geschichtlichen Hintergrund. Die Geschichte ist in drei Hauptkapitel unterteilt. Der erste Teil enthält den Mord, die Gerichtsverhandlung und das, was folgt. Der zweite Pete Bannings Zeit im Zweiten Weltkrieg. Der dritte, was danach alles folgt und der noch für einige Überraschungen sorgt. „Das Bekenntnis“ hat alles, was man von einem echten Grisham erwartet, und doch ist der Roman anders als viele andere Grisham-Geschichten und enthält noch so viel mehr, mit dem man gar nicht rechnet.

Bekenntnis


Auch als Hörbuch erhältlich bei Random House Audio. Es gibt nur einen, der John Grishams Geschichten begnadet gut lesen kann: Charles Brauer! 24,00 Euro. Hörprobe

Heyne, 591 Seiten; 24,00 Euro


Nicolas Maleski

daumen runter

Ein unerwarteter Brief

Ein unerwarteter Brief

Franck lebt mit seiner Familie in ländlicher Idylle. Während seine Frau Gisèle als Tierärztin das Geld verdient, ist er seinen drei Töchtern ein liebevoller Vater, kümmert sich um den Haushalt, und herrscht als Hobbygärtner über ein wahres Pflanzenparadies. Er liebt seine Frau, der Sex ist gut, das Leben ist schön - bis zu dem Tag, als ein anonymer Brief ins Haus flattert: Gisèle betrüge ihn mit einem Arbeitskollegen. Franck bewahrt zunächst Ruhe. Aber er sieht Gisèle neuerdings mit anderen Augen. Mit ungeahnten Folgen für ihre Ehe ...

Eine Geschichte, die vor dem Leser erblüht! Farbenfroh, stürmisch, dramatisch. So dachte ich es mir nach der Beschreibung zumindest. Ein ganz großes Manko des Romans des französischen Debütanten Nicolas Maleski ist die Hauptfigur Franck. Hobbygärtner, da kann eigentlich nichts falsch sein, doch an Franck ist vieles falsch. Er ist ein großer Unsympath, was das Lesen des Romans nicht einfacher macht. Die Entwicklung der Geschichte ist auch eine ganz andere, als ich mir das vorgestellt habe. Schöne Beschreibung, schönes Buchcover, ungenügender Roman.

Lübbe, 317 Seiten; 18,00 Euro


Kent Haruf

daumen rauf

Abendrot

AbendrotHolt, eine Kleinstadt im Herzen Colorados. Zwei alte Viehzüchter müssen den Wegzug ihrer Ziehtochter verkraften. Ein Ehepaar kämpft in seinem verwahrlosten Trailer um ein Stückchen Würde und um seine Kinder. Ein elfjähriger Junge kümmert sich rührend um seinen kranken Großvater. So hart das Schicksal auch zuschlägt – die Menschen in Holt sind entschlossen, dem Leben einen Sinn abzutrotzen. Und begegnen einander dabei neu.

Kent Haruf (1943 – 2014) ist in Colorado geboren und alle seine sechs Romane spielen in der fiktiven Kleinstadt Holt in Colorado. Darunter sind auch die Romane „Unsere Seelen bei Nacht“ und „Lied der Weite“. Beide Romane begeisterten viele Leser. Nun ist der dritte Roman aus Holt erschienen. „Abendrot“ (die Originalausgabe erschien 2004) ist nicht weniger einnehmend als die beiden Vorgänger. Eine Geschichte, die einen ans Herz geht! Das liegt vor allem an den sehr gut beschriebenen Figuren. Ganz normale Menschen mit ganz normalen Problemen des Alltags und des Lebens. Das ist doch langweilig. Keineswegs! Kent Haruf macht daraus ein Gemälde des normalen Lebens. So bitterschön wie das Abendrot.

Diogenes, 414 Seiten; 24,00 Euro


Michael Tsokos

daumen rauf

Abgeschlagen

Abgeschlagen

Rechtsmediziner Paul Herzfeld ist irritiert, als sich sein Vorgesetzter, Prof. Schneider, bei der Obduktion einer zerstückelten Frauenleiche überraschend schnell auf eine Machete als Tatwaffe festlegt. Tatsächlich taucht kurz darauf das blutverschmierte Mordwerkzeug in einer Kieler Parkanlage auf: eine kunstvoll verzierte Machete. Von den Medien wird Schneider sofort als rechtsmedizinisches Genie gefeiert, sein Aufstieg zum Direktor der Kieler Rechtsmedizin scheint reine Formsache. Doch dann gesteht der Hausmeister des Instituts Herzfeld, dass er die Machete schon einmal gesehen hat und dass die tote Frau für ihn keine Unbekannte ist …

Michael Tsokos True-Crime-Thriller „Abgeschnitten“, den er zusammen mit Deutschlands Thrillerstar Sebastian Fitzek verfasst hat, findet in der Vorgeschichte „Abgeschlagen“ einen packenden Nachfolger. Diesmal zusammen mit Journalist Wolf-Ulrich Schüler lässt Michael Tsokos das wahre Grauen wieder auf seine Leserinnen und Leser los. Mehr Michael Tsokos, mehr Paul Herzfeld, und das bitte schnell!

Knaur, 411 Seiten; 14,99 Euro


Volker Hagedorn

daumen rauf

Der Klang von Paris

Der Klang von Paris

Berlioz, Rossini, Meyerbeer, Wagner, Chopin, Offenbach, Pauline Viardot – diese und viele andere Künstler leben, lieben, leiden in der musikalischen Hauptstadt des 19. Jahrhunderts und schreiben mit an der Partitur einer Metropole zwischen Revolution und Elektrizität, Eisenbahn und Kaiserreich. Man erlebt den Aufbruch in die Moderne, Napoleons Tod bis hin zum Zweiten Kaiserreich, wenn Rossini sich fotografieren lässt, Berlioz die Miete nicht zahlen kann, Meyerbeer Hollywood vorwegnimmt und Chopin im Zug fährt, wenn Balzac, Flaubert, Baudelaire die Oper besuchen und Offenbach die Zensur austrickst.

„Der Klang von Paris“ klingt auf jeder Seite auf ganz besondere Weise! Volker Hagedorn ist mutig und schreibt nicht nur trockene Fakten, sondern mischt diese mit lebendiger Fiktion. So bekommt dieses Buch seinen ganz besonderen Klang! Es ist in sechs Hauptkapitel unterteilt: „Ein junger Mann aus der Provinz (1821 – 1830)“, 18.000 Tote und etwas Salonmusik (1831 – 1836)“, „Unendlich viel für mein ganzes Leben (1839 – 1841)“, „Chopin, Barrikaden und ein Prophet (1846 – 1849)“, „Auf der größten Baustelle der Welt (1855 – 1859)“ und „Tannhäuser und die Kaiserdämmerung (1860 – 1867)“.

Rowohlt, 410 Seiten; 25,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Stephen King

Friedhof der Kuscheltiere

Friedhof der Kuscheltiere

Die junge Familie Creed freut sich auf ihr neues Zuhause. Das weiße Haus ist von einem großen Garten umgeben, hinter dem sich unendlich weite Wälder erstrecken, alles ist wunderschön und idyllisch. Eines Tages wird jedoch der Kater der Creeds von einem Tanklaster überfahren und Louis Creed begräbt ihn auf einem Tierfriedhof im Wald. Und tatsächlich scheint zu stimmen, was man sich Unheimliches von dem alten Friedhof erzählt, denn schon bald kehrt der Kater zurück – etwas aggressiver, doch offensichtlich sehr lebendig. Über welche Kräfte verfügt der alte Friedhof? Und wird eine derartig wunderbare Erweckung auch bei einem Menschen möglich sein?

Endlich gibt es die ungekürzte Lesung von „Friedhof der Kuscheltiere“ auf CD, mit dem gruseligen Cover der anstehenden Neuverfilmung. Diese ist seit 04.04. in den deutschen Kinos zu sehen. „Friedhof der Kuscheltiere“ ist mit „Es“ eines der ganz großen Highlights aus Stephen Kings fantastischem Gesamtwerk! Und der Roman beruht in Zügen auch auf einer ganz persönlich erlebten Geschichte des Starautors. Daher wird alles noch schauriger und gruseliger. „Friedhof der Kuscheltiere“ ist ein Horrorroman, der mit so wenig beschriebenem Horror auskommt. Es spielt sich sehr viel auf der psychologischen Ebene ab. Und auf das Warten des Unausweichlichen, das erst ganz zum Schluss kommt und auch nur sehr wenig Platz in der Geschichte einnimmt. Ein genialer Roman muss auch einen dementsprechenden Sprecher haben. David Nathan, die deutsche Stimme von Hollywoodstar Johnny Deep, ist einer der besten deutschen, männlichen Hörbuchsprecher. Und der Stammvorleser von Stephen Kings Meisterwerken. Daher ist auch dieses Hörbuch ein ganz besonderer Genuss! Hörprobe 10 Min.

Random House Audio, 2 MP3 CDs, 1.012 Minuten; 12,99 Euro


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