Kolumne vom 05.11.2018 - Nr.534


Andreas Eschbach

daumen rauf

NSA

NSA

Weimar 1942: Die Programmiererin Helene arbeitet im Nationalen Sicherheits-Amt und entwickelt dort Programme, mit deren Hilfe alle Bürger des Reichs überwacht werden. Erst als die Liebe ihres Lebens Fahnenflucht begeht und untertauchen muss, regen sich Zweifel in ihr. Mit ihren Versuchen, ihm zu helfen, gerät sie nicht nur in Konflikt mit dem Regime, sondern wird auch in die Machtspiele ihres Vorgesetzten Lettke verwickelt, der die perfekte Überwachungstechnik des Staates für ganz eigene Zwecke benutzt und dabei zunehmend jede Grenze überschreitet ... Was wäre, wenn es im Dritten Reich schon Computer gegeben hätte, das Internet, E-Mails, Mobiltelefone und soziale Medien - und deren totale Überwachung?

Andreas Eschbach beweist mit „NSA“ erneut, dass er zu den visionärsten Spannungsautoren Deutschlands zählt! Seit Jahrzehnten schreibt er einen spannenden Bestseller nach dem anderen, mit Geschichten, die man so bisher noch nicht kannte. Das trifft auch auf sein neues Werk „NSA“ zu. Erschreckend, beängstigend, hochaktuell. Was wäre wenn die Nazis damals bereits die technischen Überwachungsmöglichkeiten von heute gehabt hätten? Sich das vorzustellen verursacht üble Bauschmerzen. „NSA“ mischt Fakten mit Fiktion perfekt und ist eine warnende Geschichte für die Gegenwart und Zukunft! Denn man sieht ja, dass es in Deutschland tatsächlich wieder genügend Menschen gibt, die einer Partei nachlaufen, ohne das diese Menschen wirklich wissen, was sie mit ihnen vorhat. Am Ende kommt es zu einer NSDAP 4.0 und vorbei ist es mit der Demokratie und der Freiheit.

Lübbe, 796 Seiten; 22,90 Euro


Tim Mälzer

daumen runter

Neue Heimat

Neue Heimat

Das neue Heimatkochbuch von Tim Mälzer ca. 100 Rezepte aus der guten, echten, nachhaltigen Heimatküche, begleitet von kurzen Texten. Dabei geht es nicht nur um Gerichte, die wir seit jeher als deutsch kennen, sondern auch um solche, die mittlerweile nicht mehr wegzudenken sind, wie Pasta, Burger, Döner. Deutschland 2018 schmeckt nicht nur traditionell deutsch, sondern auch italienisch, spanisch, türkisch - mancherorts auch schon ein wenig syrisch.

An Tim Mälzer scheiden sich die Geister, entweder man liebt oder man hasst ihn. Er kann äußerst charmant sein, aber er kann auch sehr von sich eingenommen sein und will alles mit dem erhobenen Zeigefinger bewerten. Das soll seine Eignung als Starkoch nicht beeinflussen, tut es aber trotzdem, denn man geht mit einem etwas anderem Gefühl an sein neues Kochbuch „Neue Heimat“ heran. Schon der Titel ist gewöhnungsbedürftig. Die Rezepte darin sind jetzt nichts, was einen total von der Herdplatte fegt. Es bleibt festzuhalten, dass, wenn nicht Tim Mälzer auf dem Buchcover stehen würde, von diesem Kochbuch sicherlich nur wenige Exemplare verkauft würden. Enthalten sind u. a. folgende Rezepte: Knödelauflauf, Kartoffelsalat, Königsberger Klopse, Linseneintopf, Bratwurst, Kürbisrisotto, Miso-Lachs, Schnitzel, Tafelspitz, Entenbrust, Linsenpasta. Für jemanden, der noch überhaupt kein Kochbuch besitzt, ist dieses vielleicht eine lohnende Investition, ansonsten eher nicht.

Mosaik, 303 Seiten; 20,00 Euro


Andreas Martin Widmann

daumen rauf

Messias

MessiasPaul Helmer pendelt zwischen zwei Welten. Die eine: das Geschäft der Werbung in London. Die andere: ein deutscher Vorort am Taunus mit Frau und einer erwachsenen Tochter, Judith, die in Schwierigkeiten steckt. Schwierigkeiten, die mit Geld, vielleicht aber auch mit einer größeren Schuld zu tun haben, vor der sie am Ende des Sommers aus einer dänischen Kommune zurück ins Haus der Eltern geflohen ist. Eine Sehnsucht treibt alle in der Familie um. Auf verschiedenen Wegen suchen sie Erlösung: Paul Helmer in der vagen Hoffnung auf seinen unsichtbaren Auftraggeber Faisal, einen Mann von phantastischem Reichtum und ebensolcher Unberechenbarkeit. Helmers Frau Inge mit Hilfe eines Heilers, der immerhin etwas von Menschen versteht. Judith, die Tochter, scheint schon jenseits der Gemeinschaft zu stehen.

Ein Roman über das Leben, die Familie, die Arbeit, und was das alles mit uns macht. Die Leben der so unterschiedlichen Eheleute Paul und Inge Helmer fließen literarisch spielerisch dahin. Andreas Martin Widmann schafft es, scheinbar einfache Dinge des Alltags spannend zu gestalten und zu erzählen. Aus Pauls Arbeit in London wird eine Art Wettkampfveranstaltung, aus Inges Zeit-um-die-Ohren-schlagen zu Hause ein psychisches Labyrinth. Die selbstverliebte 23-jährige Tochter Judith ist im Leben von Mutter Inge wie ein Schatten, obwohl sie sich wünschte, Judith wäre weitaus mehr als das. Doch Judith nutzt ihre Mutter aus. Und am Ende erfährt Paul über seine Tochter etwas, dass er nur schwer begreifen kann. „Messias“ ist eine erleuchtende literarische Erfahrung! Eine Geschichte nicht ohne Nebenwirkungen.

Rowohlt, 439 Seiten; 23,00 Euro


Ursula K. Le Guin

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Erdsee

ErdseeAuf einem Eiland der Inselwelt Erdsee lebt der junge Ged. Von allen nur Sperber gerufen, führt er ein einfaches Leben als Sohn eines Bronzeschmieds. Erst als brutale Räuberhorden sein Dorf überfallen, entdeckt er, dass er über geheimnisvolle, übernatürliche Fähigkeiten verfügt. Es gelingt Ged mit Hilfe der Magie, die Banditen abzuwehren, und fortan ist nichts mehr, wie es war. Sperber wird Lehrling an der berühmten Zauberschule von Rok und stellt dort seine Fähigkeiten unter Beweis: Er beschwört die Mächte der Schatten und schafft eine Verbindung zum Totenreich. Dabei erfährt er, dass ein Riss durch dieses Reich geht, der die Welt der Lebenden zu verschlingen droht. Gemeinsam mit der wiedergeborenen Hohepriesterin Tenar und Tehanu, der Tochter der Drachen, stellt sich Ged einem scheinbar aussichtslosen Kampf um die Rettung von Erdsee.

Die „Erdsee“-Saga von Ursula K. Le Guin (1929 – 2018) gehört zu den großen Fantasy-Klassikern! Und diesem mehrbändigen Klassiker hat sich Tor nun angenommen und daraus ein wuchtiges und schönes Gesamtwerk geschaffen. Doch diese Ausgabe bietet noch mehr, denn es handelt sich um die illustrierte Gesamtausgabe. Prächtige Zeichnungen in Farbe und Schwarzweiß zieren die spannende und ereignisreiche Geschichte. Auch wenn es noch ein bisschen hin ist bis Weihnachten, mit diesem Buch werden Sie Fantasy-Fans eine große Freude machen. Also schon mal auf dem Geschenkzettel notieren.

Tor, 1.103 Seiten; 58,00 Euro


Nassim Nicholas Taleb

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Skin in the Game – Das Risiko und sein Preis

Skin in the Game Das Risiko und sein Preis

Stehen wir für die Risiken ein, die wir verursachen? Zu viele der Menschen, die auf der Welt Macht und Einfluss haben, so der Autor, müssen nicht wirklich den Kopf hinhalten für das, was sie tun und veranlassen. Intellektuelle, Journalisten, Bürokraten, Banker, ihnen vor allem wirft er vor, kein „Skin in the Game“ zu haben. Weil sie den Preis nicht bezahlen müssen, wenn sie irren, fällen sie schlechte Entscheidungen. Der Autor zeigt anhand vieler Beispiele, wie „Skin in the Game“, ein fundamentales Konzept des Risikomanagements, auf alle Bereiche unseres Lebens übertragen werden kann.

Nassim Nicholas Taleb hat mich schon mit „Der schwarze Schwan“ und „Antifragilität“ beeindruckt, sein neues Buch „Skin in the Game“ reiht sich hier nun ein. Erhellend, erfrischend, sarkastisch, streitbar, aber durchdacht. Folgende Hauptkapitel sind u. a. enthalten: „Der plattgemachte Antaios“, „Warum jeder seine eigene Schildkröte essen sollte: Gleichheit in Ungewissheit“, „Der Intoleranteste gewinnt: Die Vorherrschaft der eigensinnigen Minderheit“, „Wie man ganz legal eine Person besitzen kann“, „Die Haut anderer in ihrem Spiel“, „Intellektueller als Idiot“, „Vergiftet werden nur die Reichen: die Vorlieben der anderen“, „Die Fakten sind wahr, die News sind gefälscht“, „Tugend als Ware“, „Sie wissen nicht, wovon sie reden: wenn sie von Religion reden“.

Penguin, 381 Seiten; 26,00 Euro


Hörbuch der Woche

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Romy Fölck

Bluthaus

Bluthaus mp3

Nach ihrem letzten Fall erholt sich Frida Paulsen in der Elbmarsch, als sie der Hilferuf ihrer alten Freundin Jo erreicht. Vergangene Nacht fand diese in der Marsch die Leiche einer Frau und ist nun überzeugt, dass man sie des Mordes verdächtigt. Kurz darauf verschwindet Jo spurlos. Besorgt begibt sich Frida auf die Suche nach ihrer Freundin. Die Spur führt auf die Halbinsel Holnis zu einem einsam gelegenen Haus, das die Inselbewohner nur das Bluthus nennen. Vor vielen Jahren wurde dort eine Familie grausam hingerichtet - den Täter hat man nie gefunden.

Romy Fölck hat mit „Totenweg“, ihrem ersten Krimi um das ungleiche Ermittlerduo Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn, einen gefeierten Bestseller gelandet. Nun folgt der zweite Fall für das Duo, „Bluthaus“. Obwohl Bjarne Haverkorn in dieser Geschichte etwas mehr Raum bekommt als seine junge Kollegin. Auch Haverkorns Privatleben lässt Romy Fölck präsent einfließen. Hier stehen nicht weniger schwere Entscheidungen an als in seinem Beruf. „Bluthaus“ ist geschickt aufgebaut, weiß mit Tiefe und prägenden Figuren zu überzeugen, und die Spannung, mit einigen Überraschungen, kommt nicht zu kurz. Der bekannte Charakterdarsteller Michael Mendl verleiht der Geschichte einen extra Kick! Mit seiner knorrigen Stimme passt er gut zur Stimmung der Geschichte und auch zur eigentlichen Hauptfigur des Romans Bjarne Haverkorn. Hörprobe

Bluthaus

 

Auch als Hardcover erhältlich bei Lübbe, 20,00 Euro.

Lübbe Audio, 6 CDs, 401 Minuten; 20,00 Euro


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