Kolumne vom 24.10.2016 - Nr. 427


Daniel Sánchez Pardos

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Die sieben Türen

Die sieben Türen

Barcelona, 1874. Gabriel Camarasa wird beinahe von einer Straßenbahn überfahren, als ihm im letzten Moment ein junger Mann das Leben rettet: Antoni Gaudí. Schnell freunden sich die beiden an. Als Gabriels Vater unter Verdacht steht, seinen Geschäftspartner erstochen zu haben, begeben sich die jungen Männer zusammen mit Gabriels Freundin Fiona auf die Suche nach dem wahren Täter. Die führt sie zu Barcelonas geheimnisvollsten Orten: in das Lokal „Die sieben Türen“, in „Das Theater der Träume“ – und geradewegs in die Fänge einer skrupellosen Geheimgesellschaft …

„Die sieben Türen“ ist der vierte Roman des jungen Spaniers Daniel Sánchez Pardos. Ein fesselnder historischer Abenteuerkrimi, der einen in eine faszinierende Stadt in einer pulsierenden Zeit entführt! Daniel Sànchez Pardos lässt das historische Barcelona vor dem geistigen Auge entstehen. Er erschafft Bilder, die einem im Kopf bleiben. Man atmet die Stadt, man erlebt ganz nah, was dort passiert. In dieser Umgebung geben auch die gut gezeichneten Charaktere eine gute Figur ab. Den berühmten Architekten Antoni Gaudí kennenzulernen macht großen Spaß, wenn auch die Gespräche mit Gabriel manchmal etwas ermüdend sind. Treten Sie ein in „Die sieben Türen“ – Sie werden überrascht sein, was sie alles erwartet!

Piper, 539 Seiten; 16,00 Euro


Laurent Gounelle

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Der Tag, an dem ich lernte zu leben

Der Tag an dem ich lernte zu lebenJonathan lebt in San Francisco und muss sich eines Tages eingestehen, dass er in eine Sackgasse geraten ist: Seine Frau hat ihn verlassen, seine Karriere droht zu scheitern, und er leidet unter der Trennung von seiner kleinen Tochter. Als ihm dann auch noch in Aussicht gestellt wird, dass er möglicherweise nicht mehr viel Zeit zu leben hat, spürt Jonathan, dass er handeln muss – er verlässt die Stadt und zieht sich zurück in das Haus seiner Tante am Meer. Noch ahnt er nicht, dass dort der Schlüssel zu einem erfüllten und sinnvollen Leben für ihn verborgen liegt. Er muss sich dafür aber von seinen bisherigen Überzeugungen befreien und sein Herz auf ganz neue Weise für die Welt öffnen …

Der Franzose Laurent Gounelle hat mit „Der Tag, an dem ich lernte zu leben“ einen Roman geschrieben, der einem im Leben Mut machen soll, wenn man nicht mehr weiterweiß, wenn einem alles über den Kopf wächst, wenn das Schicksal sich von seiner schlechten Seite zeigt. Auch wenn das Buch seine guten Seiten hat, so ist es, im Ganzen betrachtet, doch eine recht träge Lektüre. Richtig Schwung kommt selten auf. Jonathan geht seinen Weg der Selbstfindung und man folgt ihm als Leser, aber ohne dabei so richtig dabei zu sein. Auch hebt Laurent Gounelle zu oft den Zeigefinger und wirkt dadurch sehr lehrerhaft.

Goldmann, 287 Seiten; 17,99 Euro


Jules Moulin

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Ally Hughes hat manchmal Sex

Ally Hughes hat manchmal Sex Das Leben ist nicht leicht für Single-Mutter Ally Hughes. Als Dozentin an der Uni bemüht sie sich, den hohen Ansprüchen ihres Chefs zu genügen, zu Hause denen ihrer Mutter. Für eine Beziehung hat sie einfach keine Zeit. Nicht mal für eine Affäre. Doch dann ist da plötzlich Jack, einer ihrer Studenten. Jung, viel zu jung, aber auch hartnäckig. Jack versucht mit allen Mitteln, Allys Herz für sich zu öffnen. Vergeblich. Zehn Jahre später ist Ally noch immer Single. Jack taucht wieder auf, diesmal allerdings als Begleiter ihrer mittlerweile erwachsenen Tochter …

„Ally Hughes hat manchmal Sex“ ist der erste Roman der Amerikanerin Jules Moulin. Der Buchtitel ist ein echter Hingucker. Aber es ist keine schlüpfrige Geschichte, weit gefehlt, sondern ein moderner und abwechslungsreicher Liebesroman. Witzig, spritzig, federleicht – ein Roman, der einfach nur gute Laune macht! Jules Moulin hat ein Talent für ausgefeilte Dialoge, auch wenn sie es manchmal etwas übertreibt. Die Geschichte von Ally und Jack wird abwechselnd in der Vergangenheit erzählt, als sie sich kennenlernten, und dann zehn Jahre später wiedersehen. Diese Erzählform bringt zusätzlich Spannung, und man ist gespannt, was nun wird. Gibt es ein Ally und Jack oder nicht.

Piper, 302 Seiten; 15,00 Euro


Carel van Schaik / Kai Michel

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Das Tagebuch der Menschheit

Das Tagebuch der MenschheitGott wirft Adam und Eva aus dem Paradies, die Arche Noah übersteht die Sintflut und Jesus von Nazareth erweckt Tote zum Leben – die faszinierenden Geschichten der Bibel sind fester Bestandteil unserer Kultur. Und doch stecken sie voller Rätsel und Widersprüche, die auch jahrhundertelange theologische Kontroversen nicht lösen konnten. Die Autoren legen nun erstmals eine verborgene Seite der Bibel frei. Sie lesen die Heilige Schrift nicht als Wort Gottes, sondern als Tagebuch der Menschheit, das verblüffende Einblicke in die kulturelle Evolution des Homo sapiens bietet. Und plötzlich beginnen die alten Geschichten in neuem Licht zu funkeln.

Also solch einen Blick haben Sie garantiert noch nie auf die Bibel geworfen – einen aus der evolutionsbiologischen Seite. Carel van Schaik und Kai Michel erzählen mit „Das Tagebuch der Menschheit“ eine ganz andere Seite der Bibel. So wie sie die Geschichten daraus betrachten, und in den Kontext mit dem, was mit der Menschheit alles geschehen ist, setzen, wird aus der „verstaubten“ Bibel ein nagelneues Werk, das man nach der Lektüre dieses Buches mit ganz anderen Augen liest.

Rowohlt, 569 Seiten; 24,95 Euro


Hugh Howey

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Silo – Die komplette Saga

Silo  Die komplette Saga

Die Erde ist unbewohnbar geworden. Seit Generationen leben die Menschen in unterirdischen Silos. Als Sheriff Holston sich nach dem Tod seiner Frau entschließt, zum ersten Mal das Silo zu verlassen, setzt er eine dramatische Kette von Ereignissen in Gang, die das Schicksal der Menschheit endgültig besiegeln könnten ...

 


Der Engländer Hugh Howey hat mit seiner „Silo“-Saga eine der überragendsten Science-Fiction-Trilogien des letzten Jahrzehnts geschrieben! Die „Silo“-Saga besteht aus drei Romanen, „Silo“, „Level“, und „Exit“, die als Einzelbände erschienen sind und nun in einem Buch vorliegen. 1.400 Seiten, die es in sich haben! Wenn Sie beginnen, „Silo“ zu lesen, werden Sie schon nach wenigen Seiten nicht mehr aufhören können. Nicht zu unrecht wird die „Silo“-Saga bereits heute als Kult-Klassiker des Genres gefeiert.

Piper, 1403 Seiten; 25,00 Euro


Hörbuch der Woche

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Andrew Michael Hurley

Loney

LoneyThe Loney - ein verregneter, unwirtlicher Landstrich an der nordenglischen Küste. In der Karwoche des Jahres 1976 pilgert eine brüchige kleine Glaubensgemeinschaft aus London dorthin, um in der Wallfahrtskirche der heiligen Anna für ein Wunder zu beten: möge Hanny, äußerlich schon fast ein Mann, doch von kindlichem Gemüt, von seiner Krankheit erlöst werden. Dreißig Jahre später legt ein Erdrutsch bei The Loney die Leiche eines Babys frei. In Hannys jüngerem Bruder Tonto weckt dies Erinnerungen an jene Reise, die er all die Jahre tief in seinem Inneren verborgen hatte. Doch jetzt drängt die Vergangenheit mit Macht an die Oberfläche und droht, ihm den Boden unter den Füßen wegzureißen.

Eine düstere, bedrückende und unheilvolle Geschichte über den Glauben und einem ganz speziellen Blick auf die Welt. „Loney“ ist keine einfache Lektüre, die Geschichte wartet eher mit zahlreichen kleinen Geschichten in der großen auf. So ganz schlau wird man aus „Loney“ nicht, auch fehlt ein durchgehender Spannungsbogen. Was die Geschichte trotzdem hörenswert macht, ist die Sprache des Engländers Andrew Michael Hurley und seine entworfenen Figuren, aber vor allem die Lesung von Steffen Groth, denn die ist richtig stark. Er bügelt mit seinem Vortrag manch Schwachstelle des Textes aus, weil man ihm gerne zuhört, wie er diesen interpretiert.

Auch als Hardcover erhältlich bei Ullstein, 22,00 Euro.

Hörbuch Hamburg, 7 CDs, 525 Minuten; 21,99 Euro


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