Kolumne vom 21.11.2016 - Nr. 431


Peter Prange

daumen rauf

Unsere wunderbaren Jahre

Unsere wunderbaren Jahre

Es ist der 20. Juni 1948. Das neue Geld ist da – die D-Mark. 40 DM „Kopfgeld“ gibt es für jeden. Für die drei so verschiedenen Schwestern Ruth, Ulla und Gundel, Töchter des geachteten Fabrikanten Wolf in Altena. Für Tommy, den charmanten Improvisateur, für den ehrgeizigen Jung-Kaufmann Benno, für Bernd, dem Sicherheit das Wichtigste ist. Was werden die sechs Freunde mit ihrem Geld beginnen? Welche Träume und Hoffnungen wollen sie damit verwirklichen? Schicksalhaft sind sie alle verbunden - vom Wirtschaftswunder über die Geschäfte zwischen den beiden deutschen Staaten bis zum Begrüßungsgeld nach dem Mauerfall. Sechs Freunde und ihre Familien machen ihren Weg, erleben über drei Generationen die Bundesrepublik der D-Mark – und den Beginn der neuen, europäischen Währung.

Peter Prange ist einer der größten deutschen Geschichtenerzähler! Mit „Unsere wunderbaren Jahre“ beweist er das aufs Neue. Ein farbenprächtiger Gesellschaftsroman der Extraklasse! Er zeigt uns über fünfzig Jahre lang, wie sich Deutschland nach dem Krieg wieder zu einem tollen Land entwickelt hat. Dafür hat er sechs aussagekräftige Charaktere erschaffen: Ruth, Ulla, Gundel, Tommy, Benno und Bernd. Jede und jeder mit einer eigenen Geschichte, einem ganz eigenen Leben und trotzdem sie alle miteinander verbunden. Man liebt, leidet und freut sich mit den Figuren. Und das fast 1.000 Seiten lang. Peter Prange ist einer der wenigen Autoren in Deutschland, der seit zwei Jahrzehnten fantastische und großartige Geschichten erzählt. Mit „Unsere wunderbaren Jahre“ fügt er ein neues Werk von beispielloser Brillanz hinzu.

Auch als Hörbuch erhältlich bei Argon Hörbuch. Der beliebte Schauspieler Helmut Zierl, der nur sehr selten als Hörbuchsprecher in Erscheinung tritt, liest diesen großen Roman in großartiger Weise. Er übertreibt nicht, er schmeichelt den Figuren mit seiner Stimme. 24,95 Euro.

Scherz, 975 Seiten; 22,99 Euro


Gerhard Falkner

daumen runter

Apollokalypse

ApollokalypseGeorg Autenrieth ist eine zwielichtige Gestalt, immer wieder taucht er auf in Berlin, der Mann aus Westdeutschland, hält Kontakt mit der Szene, durchsucht die Stadt und zelebriert Laster, Lebensgier und Liebeskunst. Wohin aber verschwindet er dann? Wer ist der »Glasmann«? Und welche Rolle spielen seine Verbindungen zur RAF? „Apollokalypse“ soll ein Epochenroman über die 80er und 90er Jahre sein, eine apollokalyptische Zeit, in der das Apollinische mit dem Dionysischen verschmolz im Tiegel einer aufregenden Stadt.

Ich war sehr gespannt auf diesen Roman! Er stand auf der Longlist des Deutschen Buchpreises und wurde vom Feuilleton begeistert gefeiert. Doch dieses Buch beweist erneut, wie weit sich gewisse Vertreter der Branche vom Leser entfremdet haben. Denn der Großteil der Leser findet dieses Buch eine Katastrophe. „Apollokalypse“ ist eine literarische Apokalypse für den Leser! Gerhard Falkner schreibt ein paar schöne Sätze, durchaus, aber er ist definitiv kein Autor, der eine spannende Geschichte erzählen kann. Da muss Gerhard Falkner noch sehr viel lernen. Doch der Leser möchte ein spannende Geschichte erzählt bekommen, egal in welchem Genre, damit er mitfiebern kann und dran bleiben will an der Lektüre. Das fehlt bei diesem Buch vollkommen. Es als Roman zu bezeichnen ist auch schon sehr kühn. Es ist eine Aneinaderreihung von einzelnen Texten, wo man sich als Leser einfach fragt: Was soll das?

Auch als Hörbuch erhältlich bei Osterwold Audio. Der versierte Schauspieler und Hörbuchsprecher Wolfram Koch betont die schönen Seiten des Textes gut, aber gegen die Katastrophe als Ganzes ist er machtlos. 22,00 Euro.

Berlin Verlag, 428 Seiten; 22,00 Euro


Jon Krakauer

daumen rauf

Die Schande von Missoula

Die Schande von Missoula Die meisten Vergewaltiger kannten ihre Opfer vorher, wodurch die Strafverfolgung und die gerichtliche Suche nach der Wahrheit oft komplex und undurchsichtig ist und die vergewaltigten Frauen ein zweites Mal traumatisiert werden. In seinem neuen Buch beschäftigt sich Jon Krakauer mit Vergewaltigungsfällen in der amerikanischen Universitätsstadt Missoula. Minutiös und doch einfühlsam skizziert er die Ereignisse, die eine ganze Gesellschaft an der Frage nach Recht und Unrecht, Wahrheit und Lüge verzweifeln lassen, er spricht mit den Beschuldigten und den Opfern und schildert packend, wie schmerzhaft die Suche nach Gerechtigkeit und Sühne bei Gericht sein kann.

Bestsellerautor Jon Krakauer hat eine erschütternde Reportage geschrieben, die er auf unnachahmliche Weise spannend schildert. „Die Schande von Missoula“ ist ein erschütternder und schockierender Tatsachen-Thriller! Nach dem Buch muss man zu der Erkenntnis kommen, dass Vergewaltigungen an Frauen vor allem in Universitätsstädten in den USA an der Tagesordnung stehen. Das macht einen fassungslos, aber wundern darf es einen nicht. Wie man am Wahlkampf vom neuen US-Präsidenten Donald Trump gesehen hat, ist das Land durch alle Schichten hindurch verroht. Dieses Buch zeigt, wohin es führen kann, wenn man keine Achtung vor anderen hat, und Frauen nur als „Sexding“ ansieht.

Piper, 480 Seiten; 26,00 Euro


René Goscinny / Jean-Jacques Sempé

daumen rauf

Das große Buch vom kleinen Nick

Das große Buch vom kleinen Nick

50 Geschichten von Nick und seinen Freunden und allem, was in ihrer Welt wichtig ist: Schule, Fußball, Baumhäuser bauen, Raufereien auf dem Schulhof, die Lehrer ärgern, Lesen (das ist eine Krankheit!) und selbst so was Schwieriges wie Mädchen. Geschrieben von Asterix-Autor Goscinny und illustriert von Sempé.

 

Ein echt prima aufregendes und erheiterndes Buch! Goscinny und Sempé machen aus „Das große Buch vom kleinen Nick“ einen Kinofilm zum lesen. Was Nick, seine Familie und seine Freunde alles erleben, das bringt einen fast auf jeder Seite zum lachen. Die Geschichten des kleinen Nick zu lesen machen immer wieder Spaß – egal ob mit 10 Jahren oder mit 60 Jahren.

Diogenes, 366 Seiten; 30,00 Euro


Donal Ryan

daumen rauf

Die Gesichter der Wahrheit

Die Gesichter der Wahrheit

Nachdem die große Finanzblase geplatzt ist, kommen in einem kleinen Städtchen in Irland gefährliche Spannungen ans Licht. Pokey Burke, vormals Chef der örtlichen Baufirma, die für Arbeit und Wohlstand sorgte, hat sich feige aus dem Staub gemacht und die Menschen seiner Heimatstadt mit unbezahlten Gehältern, unfertigen Häusern und ohne soziale Absicherung im Stich gelassen. 21 Bewohner des Ortes haben ihre Meinung dazu und die lassen sie raus.

 „Die Gesichter der Wahrheit“ ist klug aufgebaut und erzeugt dadurch Spannung. Das alltägliche Drama wird verstärkt durch die Finanzkrise, die Irland mit am härtesten in Europa getroffen hat. Donal Ryan trifft es in seinem Roman immer auf den Punkt. Durch die Kürze des Romans, bei der hohen Dichte an Charakteren, darf man nicht zu viel Intensität erwarten, aber Donal Ryan verfängt sich nicht in Nebensächlichkeiten sondern treibt die Geschichte zügig voran. Als Leser ist man sofort eingebunden in den Strudel, der sich entwickelt.

Diogenes, 243 Seiten; 22,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Andrea Sawatzki

Ihr seid natürlich eingeladen

Ihr seid natürlich eingeladenDer älteste Sohn von der leidgeprüften Heldin Gundula hat sich verliebt und kündigt unvermutet eine Hochzeit an. Doch niemand kennt seine zukünftige Frau. Nur eins ist klar: Gefeiert wird im Garten seiner Eltern, die sich um Gelassenheit und Weltoffenheit bemühen. Tatsächlich aber sind sie schockiert, denn ihre Schwiegertochter ist Afroamerikanerin, hört auf den Namen Candy und stammt aus Detroit. Da wird dann vor allem Gerald gefordert sein, der behauptet, sattelfest im Englischen zu sein. Ein tragischer Irrtum, der nicht der letzte ist, dem seine Frau Gundula aufsitzt: Aus dem kleinen Kreis der Gäste wird schnell ein größerer, zu dem auch die unerwarteten Mitreisenden der Schwiegertochter gehören.

Eine Geschichte, die mich wirklich köstlich unterhalten hat! Das liegt vor allem am Hörbuch und der Lesung von der Autorin selbst. Andrea Sawatzki hat es drauf, auch mehrere Stimmen zu „sprechen“. Sie gibt Frau, Mann, Kindern, Verwandten und allen anderen fast jedem seine ganz eigene Stimme. Vor allem Rose ist ein echter Brüller. Das Hörbuch macht so richtig Freude. Doch natürlich ist die Geschichte auch prima erzählt. Das verrückte Familienleben ist oft gar nicht so verrückt, wie man es auf den ersten Blick vermutet. Andrea Sawatzki treibt die Realität nur ein wenig auf die Spitze und macht die Geschichte so „erschreckend“ lebensnah. Bei „Natürlich seid ihr eingeladen“ kann man ein Dauerschmunzeln kaum vermeiden.

Auch als Paperback erhältlich bei Piper, 16,99 Euro.

Osterwold Audio, 5 CDs, 375 Minuten; 19,99 Euro


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