Kolumne vom 28.11.2016 - Nr. 432


Sebastian Fitzek

daumen rauf

Das Paket

Das Paket

Seit die junge Psychiaterin Emma Stein in einem Hotelzimmer vergewaltigt wurde, verlässt sie das Haus nicht mehr. Sie war das dritte Opfer eines Psychopathen, den die Presse den „Friseur“ nennt – weil er den misshandelten Frauen die Haare vom Kopf schert, bevor er sie ermordet. Emma, die als Einzige mit dem Leben davonkam, fürchtet, der „Friseur“ könnte sie erneut heimsuchen, um seine grauenhafte Tat zu vollenden. In ihrer Paranoia glaubt sie in jedem Mann ihren Peiniger wiederzuerkennen, dabei hat sie den Täter nie zu Gesicht bekommen. Nur in ihrem kleinen Haus am Rande des Berliner Grunewalds fühlt sie sich noch sicher – bis der Postbote sie eines Tages bittet, ein Paket für ihren Nachbarn anzunehmen.

Genialer Psychothriller = Sebastian Fitzek! Der deutsche Thriller-Megastar hat einen neuen Bestseller geschrieben. Zwischen Wahnsinn und Wahrheit nimmt einen Sebastian Fitzek mit auf einen Psychotrip der besonderen Art. „Das Paket“ hält einen in Atem! Er braucht etwas Anlaufzeit, das ist ungewöhnlich für einen Fitzek-Thriller, aber ab der Hälfte des Buches geht es Schlag auf Schlag. Da fliegen die Seiten nur so weg und es wird einem eine „Wahrheit“ nach der anderen präsentiert, bis man selbst schon ganz schwammig im Kopf ist. Das ist die hohe Thriller-Kunst! Da Sebastian Fitzek die Messlatte durch seine Werke sehr hochgelegt hat, muss man diesmal konstatieren, dass „Das Paket“ nicht das beste Werk des Autors ist, doch immer noch genial. Das sagt eigentlich alles.

Auch als Hörbuch erhältlich bei Lübbe Audio. Simon Jäger liest gewohnt gut und weiß die Spannung zu betonen. 19,99 Euro.

Droemer, 335 Seiten; 19,99 Euro


Wolfgang Burger

daumen runter

Schlaf, Engelchen, schlaf

Schlaf Engelchen schlafProfessor Henecka bittet um Hilfe, da er – ein unbescholtener Bürger – mit Drohmails überschüttet wird. Bei seiner Recherche stößt Kripochef Gerlach jedoch bald auf einen alten Fall, in den Henecka verwickelt war. Die beste Freundin seiner Tochter ist nach einer Geburtstagsfeier nie zu Hause angekommen, obwohl die beiden Familien nicht weit voneinander entfernt wohnten. Im nahe gelegenen Wald fand die Polizei nur einen Schuh des Mädchens – von Lisa fehlt bis heute jede Spur. Als Gerlach dann auch noch feststellt, dass Heneckas Frau ebenfalls spurlos verschwand, ist er sich sicher, dass der Professor nicht ganz so unschuldig ist, wie er behauptet ...

Mit dem dreizehnten Band der Reihe um Kripochef Alexander Gerlach geht es wieder etwas bergauf. Nach dem letzten Krimi „Drei Tage im Mai“, der sehr schwach war, ist „Schlaf, Engelchen, schlaf“ auf jeden Fall eine Steigerung. Die Geschichte hat ihre spannenden Momente und das über die komplette Geschichte hinweg, aber Wolfgang Burger kommt auch immer wieder vom Weg ab und verzettelt sich in Nebensächlichkeiten. Das bremst die eigentlich gute Story dann immer wieder aus. Das Personal hat ihre gewohnten Höhen und Tiefen. Da wäre aber auch noch mehr drin gewesen. Zum einschlafen ist „Schlaf, Engelchen, schlaf“ aber garantiert nicht.

Piper, 412 Seiten; 15,00 Euro


Simon Sebag Montefiore

daumen rauf

Die Romanows

Die Romanows Wie kein anderes Adelsgeschlecht sind die Romanows der Inbegriff von schillerndem Prunk, Macht, Dekadenz und Grausamkeit. Über 300 Jahre dominierten sie das russische Reich, mehr als 20 Zaren und Zarinnen gingen aus dem Geschlecht hervor, allesamt getrieben von unbändigem Machthunger und rücksichtslosem Willen zu herrschen – einige dem Wahnsinn näher als dem Genie. Eine unglaubliche Familie, in der Rivalität, Giftmorde und sexuelle Exzesse regelrecht auf der Tagesordnung standen. Es werden die Schicksale und politischen Verwicklungen nachgezeichnet. Weder zuvor noch danach gab es ein so gewaltiges Reich, in dem sich Glanz und Grausamkeit auf so unheilvolle Weise verbündeten.

Ein unglaubliches Meisterwerk, das weit über das normale Sachbuch hinausgeht! Bei den Romanows ging es nicht zimperlich zu. Mord stand hier schon fast auf der Tagesordnung. Jeder jeden, sozusagen. Und die Tötungsmethoden reichten vom Gift, bis über das Vierteilen eines Menschen, wenn er noch lebte, bis zum Auspeitschen, bis es das Fleisch vom Körper zog. Männer und Frauen gaben sich da fast nichts. Ein blutiger Thriller heutzutage ist da gar nichts dagegen! Es wurde aber auch regiert, geliebt, gekämpft und dies auch auf allen Ebenen und Arten wie man sich es nur vorstellen konnte. Durch die Geschichte der Romanows erfährt man zudem viel über Russland und warum die Menschen auch oft heute noch so sind, wie sie damals waren. Die russische Geschichte ist eine ganz eigene und hat alle geprägt. „Die Romanows“ ist ein historischer Thriller, der auf oft schier unglaublichen Tatsachen beruht!

S. Fischer, 1028 Seiten; 35,00 Euro


Otto Penzler, Herausgeber

daumen rauf

Eine Leiche zum Advent

Eine Leiche zum Advent

Verdächtige Weihnachtsmänner, skrupellose Nikoläuse, tödliche Weihnachtsbraten und Leichen unter Mistelzweigen - vergessen Sie den Einkaufsstress, achten Sie nicht auf das ungewohnte Geräusch in Ihrem Kamin, auf den eigenartigen Nachgeschmack Ihres Glühweins, auf die seltsame rote Flüssigkeit, die aus den Strümpfen am Kaminsims tropft. Ignorieren Sie das schwere Keuchen direkt hinter Ihnen - lesen Sie Weihnachten mit Sherlock Holmes, Nero Wolfe, Inspector Banks, Inspector Morse, Pater Brown, Ellery Queen und vielen anderen.


Ein Krimi-Lesebuch der Extraklasse! Alleine optisch ist das Buch schon ein absoluter Hingucker – in Leinen gebunden und mit einem heiß-kalten Cover. Was das Äußere andeutet wird im Inneren voll erfüllt. Es erwarten einen spannende Weihnachtskrimis von Peter Robinson, Mary Higgins Clark, Ed McBain, Sara Paretsky, Isaac Asimov, Rex Stout, G. K. Chesterton, Edgar Wallace, Arthur Conan Doyle, Andrew Klavan, Colin Dexter, um nur ein paar der Autoren zu nennen, deren Geschichten in diesem dicken Superschmöker enthalten sind.

Lübbe, 705 Seiten; 25,00 Euro


Sharon Guskin

daumen rauf

Noah will nach Hause

Noah will nach Hause

Die alleinerziehende Janie ist ratlos. Ihr vierjähriger Sohn Noah hat Albträume und erzählt von grausigen Dingen. Immer wieder jammert er, dass er zu seiner Mama will. Aber ist er das nicht? Nachdem die verzweifelte Mutter verschiedene Ärzte konsultiert hat, stößt sie beim Stöbern im Internet auf die Seite von Jerome Anderson, einem Psychologieprofessor, der das Phänomen der Wiedergeburt erforscht. In ihrer Not nimmt sie Kontakt zu ihm auf. Kann er Noah helfen? Und so machen sie sich mit nur wenigen Anhaltspunkten detektivisch auf die Suche nach dem Ort, dem Haus, der Familie, der Mutter, nach der Noah sich so sehr sehnt – und werden fündig.

Ein Roman, der einen mit einer Flutwelle von Gefühlen überkommt! Man liest und denkt, man weiß, wo die Geschichte hinführt, aber Sharon Guskin überrascht einen immer wieder aufs Neue. Nach und nach versteht man die vielen hymnischen Besprechungen, die über „Noah will nach Hause“ geschrieben wurden. Ein ganz besonderes Leseerlebnis, das man so schnell nicht mehr vergessen wird!

Auch als Hörbuch erhältlich bei Hörbuch Hamburg. Ulrike Hübschmann veredelt den Text mit ihrer charismatischen Stimme. 20,00 Euro.

Allegria, 428 Seiten; 18,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

David Safier

Traumprinz

TraumprinzWelche Frau würde sich nicht gerne den perfekten Mann malen? Die verträumte Comiczeichnerin Nellie hat schlimmen Liebeskummer, als ihr zufällig eine alte tibetische Lederkladde in die Hände fällt. In die zeichnet Nellie ihren Traumprinzen: stark und edel. Als sie am nächsten Morgen aufwacht, hat der Prinz das Zeichenblatt verlassen und steht leibhaftig vor ihr. Mit Schwert und Kettenhemd. Gemeinsam mit dem ungestümen Prinzen namens Retro macht Nellie sich in Berlin auf die Suche nach dem Geheimnis der magischen Kladde. Denn alles, was man in sie hineinzeichnet, erwacht zum Leben. Dabei erlebt das ungleiche Paar jede Menge Abenteuer.

David Safiers „Traumprinz“ ist eine rasante und liebenswerte Liebes-Comic-Action-Fantasy-Komödie, die vor positiv verrückten Ideen nur so strotzt! Mit Nellie kann man sich als Hörer identifizieren, bis zu einem gewissen Grad, denn Nellie, die charakterlich tatsächlich etwas von dem im Hörbuch oft erwähnten Donald Duck hat, hat auch das Talent, einem gehörig auf die Nerven zu gehen. Das schmälert das Vergnügen etwas. Auch gehört „Traumprinz“ nicht zu den besten Komödien, die David Safier geschrieben hat. Trotzdem ist der Spaßfaktor nicht zu klein. Das gleiche gilt für die Lesung. Nana Spier sprudelt wie gewohnt nur so vor Elan und Energie. Manchmal meint man, sie hat zehn Red Bull hintereinander getrunken, um diese Sprecher-Performance abzuliefern.

Auch als Hardcover erhältlich bei Kindler, 19,95 Euro

Argon Hörbuch, 6 CDs, 462 Minuten; 19,95 Euro


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