Aktuelle Kolumne vom 21.08.2017 - Nr.470


Jo Spain

daumen rauf

Tu Buße und stirb

Tu Buße und stirb

An einem eiskalten Dezembermorgen wird in einem Park in Dublin die Leiche einer Nonne gefunden. Die Inszenierung des Tatorts deutet auf einen Ritualmörder hin, doch Inspector Tom Reynolds ahnt, dass das Opfer nicht zufällig ausgewählt wurde. Die Spur führt in ein einsam gelegenes Kloster. Als sich dort rätselhafte Ereignisse häufen, durchdringt ein beängstigender Verdacht das alte Gemäuer: Der Mörder befindet sich im Kloster - und was ihn antreibt, ist Rache für ein nie gesühntes Verbrechen.

Eine neue, bemerkenswerte Krimistimme aus Irland! Jo Spain, Journalistin und Beraterin des Irischen Parlaments, hat mit ihrem Debütkrimi „Tu Buße und stirb“ gleich voll ins Schwarze getroffen. Ein bedrückender, düsterer, aktueller und sehr spannender Kriminalroman! Und zugleich der erste Fall für den gut Fünfzigjährigen Detective Inspector Tom Reynolds. Ein normaler Ermittler ohne Hang zum Alkohol oder Depression, glücklich verheiratet und mit einer nicht ganz einfachen Tochter gesegnet. Jo Spain hat mit der Figur des Tom Reynolds und auch mit den gut dargestellten Nebenfiguren einen guten Grundstein für hoffentlich viele weitere Romane gelegt. Ihnen allen bei den Ermittlungen und auch im Privatleben zu folgen ist äußerst fesselnd.

Bastei Lübbe, 540 Seiten; 10,00 Euro


Martin Schult

daumen runter

Dem Kroisleitner sein Vater

Dem Kroisleitner sein VaterDem Kroisleitner Karl sein Vater ist tot. 104 war der alte Kroisleitner, aber noch topfit, das lag an der guten Luft oder am Marillenschnaps. Schon bald ermittelt die Kriminalpolizei aus der nahen Bezirkshauptstadt, was der wortkarge Wanderer mit der schlechten Ausrüstung damit zu tun hat. Ebenjener mit dem Namen Frassek, seines Zeichens Polizeiobermeister aus Berlin, hatte sich doch nur in der Steiermark von seinem letzten, gelinde gesagt unglücklich verlaufenen, Fall erholen wollen - und von seiner pubertierenden Tochter. Inmitten von Lügen, Intrigen und Dorfklatsch wird Frassek unversehens vom Tatverdächtigen zum Ermittler.

Der Titel hat mich neugierig gemacht „Dem Kroisleitner Karl sein Vater“. Ein so verrückter Titel für einen Kriminalroman, mal sehen was dahinter steckt. Man merkt schnell, bei weitem nicht das, was man sich erhofft hat. Von einem ausgefallenen, witzigen und spannenden Kriminalroman a la Rita Falk oder Jörg Maurer ist Martin Schult meilenweit entfernt. Die Story holt einen nie so richtig ab. Dazu noch zu viel Personal, und das auch noch viel zu unausgegoren, die Hauptfigur überzeugt auch nicht so recht, und die Spannung bleibt im Tal hängen und kommt einfach nicht auf den Berg hoch. Von Hochspannung kann bei diesem Krimi also keine Rede sein.

Ullstein, 333 Seiten; 18,00 Euro


Mark Roberts

daumen rauf

Totenengel

Totenengel Eine Winternacht in Liverpool. Auf der Straße bricht eine ältere Frau zusammen, wirre Sätze von Blut und Mord stammelnd. Detective Eve Clay wird zu ihrem Haus geschickt und findet dort eine groteske Inszenierung vor: Der Vater der Frau, ein emeritierter Kunstprofessor, wurde ermordet, sein nackter Körper an Ketten aufgehängt, sein Torso von einem Speer durchbohrt. Er war zu Lebzeiten eine Koryphäe auf dem Gebiet der sakralen Kunst und hat sich mit seiner Forschung nicht nur Freunde gemacht. Doch stecken hinter dem Mord tatsächlich religiöse Fanatiker?

Mark Roberts setzt seine Reihe um die forsche Liverpooler Ermittlerin Eve Clay nach dem starken ersten Fall (Totenprediger) mit „Totenengel“ in gleicher Qualität fort. Mark Roberts hat mit Eve Clay eine vielschichtige Ermittlerin mit einer düsteren Kindheit erschaffen, die den Leser voll für sich einnimmt. In „Totenengel“ jagt Mark Roberts den Leser durch 108 Kapitel. Spannend, hart und authentisch. Anders als Jo Spain in „Tu Buße und stirb“, die ihren Fokus auf den Figuren hat, geht es bei Mark Roberts’ Thriller primär um die zügige Ermittlungsarbeit. So nimmt man an der Ermittlungsarbeit praktisch im Minutentakt teil. Da kommt man als Leser auch manchmal außer Atem! Und man ist glücklich darüber. Mark Roberts, bitte erzählen Sie auch den dritten Thriller um Eve Clay in gleichem Tempo. Mark Roberts’ Stil ist eine Ausnahmeerscheinung im Thrillergenre!

Bastei Lübbe, 382 Seiten; 15,00 Euro


Jennifer Ackerman

daumen rauf

Die Genies der Lüfte

Die Genies der Lüfte

Sie überqueren Kontinente, ohne nach dem Weg zu fragen. Sie erinnern sich an die Vergangenheit und planen für die Zukunft. Sie beherrschen die Grundprinzipien der Physik. Vögel sind erstaunlich intelligente Wesen. Wie zahlreiche neue Studien zeigen, stehen die kognitiven Fähigkeiten vieler Arten denen von Primaten in nichts nach. Und nicht nur ihre technische Kompetenz ist größer als lange angenommen, sie verfügen auch über eine beeindruckende soziale Intelligenz. Sie täuschen und manipulieren, sie machen Geschenke und trösten einander. Und das alles mit einem Gehirn kleiner als eine Walnuss.

Man hört sie, man sieht sie, man ist begeistert, vielleicht auch mal genervt, man bewundert sie, man schätzt sie, doch was weiß man von ihnen wirklich, von den Vögeln? Die amerikanische Vogelbeobachterin Jennifer Ackerman schreibt ganz erstaunliche und wundersame Dinge über die Vögel. Nach der Lektüre dieses Buches werden Sie die Vögel mit ganz anderen Augen sehen. „Die Genies der Lüfte“ werden auch Sie zum staunen bringen!

Rowohlt, 448 Seiten; 24,95 Euro


Nina Willner

daumen rauf

Vierzig Herbste

Vierzig Herbste

Berlin 1984: Nina Willner, Tochter der aus Ostdeutschland in die USA geflohenen Hanna, wird als Agentin des US-Geheimdienstes in Ostberlin eingeschleust. Dort ist sie den militärischen Geheimnissen der Sowjets auf der Spur, aber die Geschichte ihrer Mutter lässt sie nicht los. Denn hinter der Mauer leben ihre Großmutter, ihre Tante und auch ihre Cousine. Werden sie jemals als Familie vereint sein?

 

 

Ein spannendes, berührendes und beeindruckendes Buch! Nina WIllner erzählt in ihrem persönlichen Buch anschaulich von der Nachkriegszeit, von der DDR, von Spionagetätigkeiten und starken Frauen in einer nicht ganz einfachen Zeit. Die interessanten Einblicke zu den Themen lassen einen dieses Buch nur schwer wieder aus der Hand legen.

Propyläen, 428 Seiten; 25,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Jason Dark

Geisterjäger John Sinclair Folge 61 bis 65 (Tonstudio Braun)

Sieben Siegel der Magie Folge 61 Alleine in der Drachenhöhle Folge 62Macht und MythosDie grausamen RitterDie Drachensaat

Das Buch war uralt. Aber sein Inhalt war heute noch genauso gefährlich wie vor Jahrhunderten. Sieben Siegel barg es. Sechs waren der unermesslichen Macht der Hölle gewidmet. Das siebte berichtete von einem Gegenstand, der diese Macht zerstören konnte. (Sieben Siegel der Magie Folge 61). Suko lag stöhnend am Boden. Aber es war nicht die Übermacht der Gegner, die ihn bezwungen hatte, sondern ein heimtückischer Schlag aus dem Hinterhalt. Triumphierend beugte sich der erste Werwolf über ihn, den Rachen zum tödlichen Biß weit aufgerissen. (Alleine in der Drachenhöhle Folge 62). Aus der Schnittwunde quoll Blut, es lief über Suko's Hand und tropfte auf das Bild am Boden. Es ging um eine Drachenbeschwörung. Kara nahm sie vor, um John Sinclair zu retten, der sich in diesem Augenblick in Todesgefahr befand ... (Macht und Mythos Folge 63). Sie hätten längst vermodert sein müssen, doch sie lebten. Und eines Tages erhoben sie sich aus ihren Sarkophagen. Was sie vor 1000 Jahren begonnen hatten, wollten sie in der Gegenwart fortsetzten: Mord, Totschlag, Plünderung. Sie kamen wie der Sturmwind über das gepeinigte Land, und sie kannten keine Gnade. Sieben eisen klirrende Gestalten „Die grausamen Ritter“ (Folge 64). Shao zitterte vor Angst. Das kleine, stockdunkle Verlies bereitete ihr schwere Beklemmung. Die Luft war verbraucht. Das China-Girl atmete hastig. Sie musste hier raus, und das so schnell wie möglich. Denn lange hielt sie nicht mehr durch. (Die Drachensaat Folge 65).

Bevor Lübbe Audio John Sinclair zum modernen Hörspielkult machte, machte das vor Jahrzehnten bereits das bekannte Tonstudio Braun. Damals auf der lieb gewonnen Kassette. Lübbe Audio bringt seit einiger Zeit diese Klassiker nun auf CD heraus. Wenn man die Hörspiele heute hört schwingt da ein großer Hauch Nostalgie mit. Auch sind manche Szenen unfreiwillig komisch und die Geräuschkulisse lädt oft eher zum schmunzeln als zum gruseln ein, aber man muss einfach die Zeit sehen, in der die Hörspiele produziert wurden. Und unter diese Betrachtungsweise sind sie klasse. Die John-Sinclair-Kassettenklassiker auf CD zu hören macht großen Spaß! Bei den Folgen 61 bis 63 handelt es sich um eine Geschichte, genauso wie bei den Folgen 64 und 65.

Lübbe Audio, je 1 CD, je ca. 58 Minuten; je 7,99 Euro


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