Kolumne vom 08.05.2017 - Nr. 455


Maja Lunde

daumen rauf

Die Geschichte der Bienen

Die Geschichte der Bienen Cover

England, 1852: Der Biologe und Samenhändler William sieht sich als Forscher gescheitert, das Geschäft liegt brach. Doch dann kommt er auf eine Idee, die alles verändern könnte – die Idee für einen völlig neuartigen Bienenstock. Ohio, USA, 2007: Der Imker George arbeitet hart für seinen Traum. Der Hof soll größer werden, sein Sohn Tom eines Tages übernehmen. Tom aber träumt vom Journalismus. Bis eines Tages das Unglaubliche geschieht: Die Bienen verschwinden. China, 2098: Die Arbeiterin Tao bestäubt von Hand Bäume, denn Bienen gibt es längst nicht mehr. Mehr als alles andere wünscht sie sich ein besseres Leben für ihren Sohn Wei-Wen. Doch dann steht plötzlich alles auf dem Spiel: das Leben ihres Kindes und die Zukunft der Menschheit.

Tosender Applaus für diesen Roman! Geniale Idee und bravouröse Umsetzung. Ein aktueller und fesselnder Roman, der der Gesellschaft auf subtile Weise den Spiegel vorhält. Was kann passieren, wenn man weiter so macht, wie bisher. Das alles in Bezug auf die Bienen gesehen und wie ungeheuer wichtig sie für unser Ökosystem sind. Sterben die Bienen so weiter wird auch die Menschheit irgendwann aufhören zu wachsen. „Die Geschichte der Bienen“ ist eine Geschichte über die Bienen, aber eben noch so viel mehr, es ist eine durch und durch menschliche Geschichte. Der Roman zeigt, wie es begann, dass die Menschen die Bienen „zähmen“ konnten, und wie sie nach dem 2. Weltkrieg immer weniger wurden und es dann fiktional 2007 zum großen Kollaps kam. 2098 ist dann alles anders. Hier muss per Hand alles bestäubt werden, weil es keine Bienen mehr gibt. Maja Lunde hält sich jeweils nicht zu lange bei einer der drei Erzählstränge auf, so dass nie Langeweile aufkommt, man die Seiten nur so wegliest, und schon wieder bei der nächsten Geschichte ist. 500 Seiten lange, fesselnde Lektüre!

Die Geschichte der Bienen Audio

Auch als Hörbuch erhältlich bei der Hörverlag. Drei Zeitebenen verlangen auch drei Sprecher, diese sind: Bibiana Beglau Markus Fennert und Thomas M. Meinhardt. So dramatisch und abwechslungsreich das Buch ist, so ist auch das Hörbuch. 19,99 Euro.

btb, 512 Seiten; 20,00 Euro


Heinz Strunk

daumen runter

Jürgen

Heinz Strunk   JuergenJürgen Dose lebt in Harburg. Er hat es auch sonst nicht immer leicht gehabt im Leben; sein Job im Parkhaus verlangt ihm viel ab, und damit fängt es erst an. Trotzdem ist für Jürgen das Glas immer halbvoll, doch er ist ein ganz armer Willi, nur weiß er das nicht. Abgesehen von seiner bettlägerigen Mutter und Schwester Petra vom Pflegedienst, hat er nur regelmäßigen Kontakt zu seinem alten Freund Bernd Würmer, der im Rollstuhl sitzt und sich ununterbrochen mit ihm zankt. Beide müssen so einiges im Leben entbehren, am schmerzlichsten die Liebe einer Frau. Und da das ja kein Zustand ist, beschließen sie, was zu tun.



Kennt man einen Strunk, kennt man alle Strunks. Das trifft so ungefähr auch auf den neuen Roman von Bestsellerautor Heinz Strunk zu. „Jürgen“ hat wenig Innovatives, wenig Spannung, wenig Humor, wenig Erfrischendes, wenig einnehmendes Personal, wenig von allem also. Jürgen Dose und sein Leben geht einem als Leser aber bald auf die Nerven. Was die Sache mit dem Buch nicht besser macht. Die Idee zum Buch ist keinesfalls neu, aber trotzdem hätte man daraus ein sehr humorvolles Lesevergnügen machen können. Heinz Strunk ist das mit „Jürgen“ nicht gelungen.

Rowohlt, 253 Seiten; 19,95 Euro


Remy Eyssen

daumen rauf

Gefährlicher Lavendel

Gefaehrlicher Lavendel Frühling in Le Lavandou. Rechtsmediziner Dr. Leon Ritter fühlt sich längst als echter Südfranzose und verbringt gemeinsam mit Isabelle Zeit auf seinem Weinberg. Doch die Idylle wird getrübt, als Leon zwei brutal zugerichtete Leichen obduzieren muss. Staatsanwaltschaft und Kommissarin haben schnell einen Verdächtigen zur Hand, doch Leon ist skeptisch und beginnt selbst zu ermitteln. Doch es dauert, bis er wirklich eine echte Spur hat, und die Polizei tappt immer noch im Dunkeln. Währenddessen muss er auch in seinem Privatleben noch eine Gefahr abwehren. Leon kommt dann aber einer jahrzehntealten Geschichte auf die Spur …

 

Nach „Tödlicher Lavendel“ und „Schwarzer Lavendel“ ist „Gefährlicher Lavendel“ wieder ein atmosphärischer und spannungsgeladener Provence-Krimi zum mit der Zunge schnalzen! Die einzelnen Charaktere haben sich schon nach dem ersten Roman bei einem festgebissen, aber Remy Eyssen hat sie mit jedem Roman spannend weiterentwickelt. So machen die Figuren alleine genauso viel Spannung aus wie die eigentlichen Fälle. Hauptsächlich natürlich Leon, aber auch seine Liebe und stellvertretende Polizeichefin Isabelle und deren kratzbürstige Tochter Lilou und der mürrische Polizeichef Zerna. Großartig. Remy Eyssen, bitte weiter so!

Ullstein, 493 Seiten; 9,99 Euro


Sebastian Fitzek

daumen rauf

Achtnacht

Achtnacht

Stellen Sie sich vor, es gibt eine Todeslotterie. Sie können den Namen eines verhassten Menschen in einen Lostopf werfen. In der „AchtNacht“, am 8. 8. jedes Jahres, wird aus allen Vorschlägen ein Name gezogen. Der Auserwählte ist eine AchtNacht lang geächtet, vogelfrei. Jeder in Deutschland darf ihn straffrei töten - und wird mit einem Kopfgeld von zehn Millionen Euro belohnt. Das ist kein Gedankenspiel. Sondern bitterer Ernst. Es ist ein massenpsychologisches Experiment, das aus dem Ruder lief. Und Ihr Name wurde gezogen!

 

Bestseller-Autor Sebastian Fitzek mal ganz anders! Er ist Fan von den Hollywood-Horror-Blockbustern „The Purge“. Er verweist ja auch darauf gleich auf der ersten Seite. „Achtnacht“ ist das deutsche „The Purge“! Sebastian Fitzek schreibt aber dann doch eine etwas andere Geschichte, die mit der Spannung der Filme nicht ganz mithalten kann. Trotzdem: Ein Thriller, der dem Leser vieles bietet und schockierend gut unterhält!

Knaur, 408 Seiten; 12,99 Euro


Jörg Maurer

daumen rauf

Im Grab schaust du nach oben

Im Grab schaust du nach oben

Böllerschüsse und Blaskapelle am Friedhof des idyllisch gelegenen Kurorts: Eine schöne Beerdigung, sagen alle, die danach ins Wirtshaus gehen. Nur schade, dass Kommissar Jennerwein gleich wieder weg musste, aber wegen dieses G7-Gipfels im Kurort sind alle Ordnungskräfte im Sondereinsatz. Dabei verliert gerade ein Mörder zwischen Polizeiabsperrungen und Anti-Gipfel-Demonstranten sein Opfer aus den Augen, ein schicksalhafter Schuss fällt, und das Bestatterehepaar a. D. Grasegger findet Verdächtiges auf dem Friedhof. Bei seinen Ermittlungen entdeckt Kommissar Jennerwein, dass nichts von Dauer ist – nicht einmal die Totenruhe…


Jörg Maurer bleibt seiner Linie treu – in den Bergen brennt der Alpenkrimi ein wahres Feuerwerk ab! Alleine der Titel sorgt schon für den ersten Lacher: „Im Grab schaust du nach oben“. Und im Buch setzt sich das leise Schmunzeln immerzu fort. Jörg Maurer hat um den negativen Hype des G7-Gipfels auf Schloss Elmau einen spannenden Krimi geschrieben, der der Jennerwein-Reihe ein neues Highlight hinzufügt.

Scherz, 409 Seiten; 14,99 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Lucas Grimm

Nach dem Schmerz

Nach dem Schmerz AudioHannah Gold, gefeierte Cellistin, wurde vor 25 Jahren gefoltert und kann seither keinen Schmerz mehr empfinden. Die damals Siebenjährige wurde vor den Augen ihres Vaters, einem Staatssekretär im Wirtschaftsministerium der DDR gequält, um geheime Informationen aus ihm herauszupressen. Er schwieg - aber schwieg er mit Absicht, um den Preis ihres Lebens? Hannah hat ihren Vater nie wieder gesehen, bis er eines Abends plötzlich in einem ihrer Konzerte sitzt. Von da an wird sie in einen Strudel aus alten und neuen Machenschaften hineingezogen. Wird verfolgt, angegriffen, gejagt. Es gibt keinen sicheren Ort mehr für sie. Sie muss hinter das Geheimnis ihres Vaters kommen.

Ein spannungsgeladener Politthriller mit starken Figuren und einer Story, die es in sich hat! Die Story ist weit ab vom normalen Thriller-Mainstream und auch die Heldin Hannah Gold ist außergewöhnlich. Bei „Nach dem Schmerz“ wird es einem nie langweilig. Das liegt einerseits daran, dass es bei der Story Schlag auf Schlag geht und anderseits an dem sehr gut aufgelegten Sprecher. Uve Teschner liest sehr lebendig und zeigt hier sein volles Können. Er kann problemlos einzelnen Charakteren eine andere Stimme verleihen.

Nach dem Schmerz Cover

 


Auch als Paperpack erhältlich bei Piper, 16,99 Euro.

Osterwold Audio, 2 MP3 CDs, 517 Minuten; 19,99 Euro


Denglers-buchkritik.de