Kolumne vom 25.09.2017 - Nr.475


Anthony Ryan

daumen rauf

Das Erwachen des Feuers

Das Erwachen des Feuers

Im riesigen Gebiet von Mandinorien gilt Drachenblut als das wertvollste Gut. Rote, grüne, blaue und schwarze Drachen werden gejagt, um an ihr Blut zu kommen. Das daraus gewonnene Elixier verleiht den wenigen Gesegneten übernatürliche Kräfte. Doch kaum jemand kennt die Wahrheit: Die Drachen werden immer weniger und schwächer. Sollten sie aussterben, wäre ein Krieg Mandinoriens mit dem benachbarten Corvantinischen Kaiserreich unausweichlich. Alle Hoffnung des Drachenblut-Syndikats beruht auf einem Gerücht, nach dem es eine weitere Drachenart gibt, die weitaus mächtiger ist als alle anderen. Claydon Torcreek, ein Dieb und unregistrierter Blutgesegneter, wird von der obersten Herrschergilde in das wilde, unerforschte Inland geschickt, um einem Geschöpf nachzuspüren, das er selbst für reine Legende hält: dem weißen Drachen.

Der Schotte Anthony Ryan hatte mit seiner „Rabenschatten“-Trilogie einen großen Erfolg. Hochgelobte Fantasy. Nun liegt der neue Fantasy-Roman von Anthony Ryan vor „Das Erwachen des Feuers.“ Dem Drachen-Thema wurden in der Fantasy schon viele Romane gewidmet, doch noch nie so, wie es Bestsellerautor Anthony Ryan in „Das Erwachen des Feuers“ tut. Überraschend kreativ, ungewöhnlich ereignisreich, verblüffend spannend. Herausragende und kluge Fantasy, die zugleich noch Agentenroman und Piratenabenteuer ist. Erzählt wird die Geschichte anhand der drei Hauptfiguren Lizanne, Clay und Hilemore. Durch diese drei bekommt man einen großen Blick auf die erschaffene Welt und ihre Seilschaften. „Das Erwachen des Feuers“ ist der viel versprechende Beginn einer neuen Trilogie. Der zweite Band wird schon sehnlichst erwartet.

Das Erwachen des Feuers mp3

Auch als Hörbuch erhältlich bei Random House Audio. Detlef Bierstedt, die deutsche Stimme von u. a. George Clooney, liest wie immer prächtig und kraftvoll! 24,99 Euro . Hörprobe randomhouse.de

 

Klett-Cotta, 723 Seiten; 25,00 Euro


Rob Boffard

daumen runter

Enforcer

Enforcer

Nach einer globalen Katastrophe haben die wenigen Überlebenden auf der Raumstation Außenerde Zuflucht gefunden. Doch nun droht die Raumstation zur tödlichen Falle für ihre Bewohner zu werden: Ein unbekanntes Virus breitet sich mit rasender Geschwindigkeit aus und fordert ein Todesopfer nach dem anderen. Wenn es Riley Hale – Ex-Tracer und jetzt im Enforcer-Team der Raumstation – nicht gelingt, rechtzeitig ein Gegenmittel zu finden, sind die letzten Menschen im Universum zum Tode verurteilt ...

Der Südafrikaner Rob Boffard setzt seinen vielversprechenden Space-Thriller „Tracer“ mit „Enforcer“ fort. Der erste Band hatte schon seine Schwächen, aber am Ende war er doch noch überzeugend. Das gelingt Rob Boffard mit „Enforcer“ nicht. Dabei hört sich die Story so gut an, aber der Autor nutzt das von ihm geschaffene Setting nicht. Er tritt mit der Geschichte zu oft auf der Stelle. Schreibt zu ausführlich, wo es nicht sein muss, lässt zu viele Actionsequenzen aufeinander folgen, das alles wird nicht getragen, sondern nur begleitet von langweiligen Figuren. Ich hatte auf eine Art Alien-Variante gehofft. Enge Raumstation, kein Entkommen, stark gezeichnete Figuren, beklemmende Spannung. Doch von alldem findet sich in „Enforcer“ nichts.

Heyne, 487 Seiten; 14,99 Euro


Françoise Sagan

daumen rauf

Bonjour Tristesse

Bonjour TristesseCécile ist ein launischer Teenager, scharfsinnig, egoistisch, manipulativ – und dazu verdammt, den Sommer mit ihrem eitlen Vater und seiner jungen, etwas einfältigen Geliebten Elsa in einem Haus an der Côte d’Azur zu verbringen. Zunächst jedoch gelingt es Cécile, die Erwachsenen gegeneinander auszuspielen und den Aufenthalt nach ihrem Geschmack zu gestalten: in herrlicher Leichtigkeit und Freizügigkeit. Bis plötzlich die kluge Anne auftaucht, eine Freundin ihrer verstorbenen Mutter, und die sommerliche Idylle mit erzieherischer Strenge zu zerstören droht. Als der Vater Elsa verlässt und Anne heiraten will, schmiedet Cécile einen Plan – mit tragischen Konsequenzen.

Der Ullstein Verlag schenkt den Literaturfans einen französischen Klassiker in einer Neuübersetzung und schickem Hardcover – den Weltbestseller „Bonjour Tristesse“ von Françoise Sagan, die 19 Jahre alt war, als dieser Roman 1954 das erste Mal erschienen ist. Gestorben ist die Französin am 24. September 2004. „Bonjour Tristesse“ ist eine Geschichte, die auch heute nichts von ihrer Klasse und ihrem Reiz verloren hat! Françoise Sagans klare und kurze Sprache ist eine Freude für den Leser. Unwichtiges gibt es bei Sagan nicht, sie konzentriert sich auf das Wesentliche. Die pointierten Dialoge tun ihr übriges. Es geht um die Liebe und was sie mit sich bringt, Treue, Untreue, Leiden, um eine teuflische Intrige, um den Genuss der Jugend, um das was man im Leben verpasst hat. Mit Cécile ist Françoise Sagan ein unvergesslicher Charakter gelungen.

Ullstein, 166 Seiten; 18,00 Euro


Ulla Hahn

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Wir werden erwartet

Wir werden erwartet Hilla Palm, das Mädchen aus einfachem Hause, hat nach langem Suchen endlich ihre Heimat gefunden: in der Literatur und Hugo, dem Mann, der Hilla mit all ihren bitteren Erfahrungen annimmt. Zusammen entdecken sie die Liebe und erleben die 68er Jahre, in denen alles möglich scheint. Doch dann durchkreuzt das Schicksal ihre Pläne, und verzweifelt sucht Hilla Halt bei Menschen, die für eine friedvollere, gerechtere Welt kämpfen. Die marxistische Weltanschauung wird ihr zum neuen Zuhause. Beherzt folgt sie ihren Überzeugungen und muss am Ende doch schmerzlich erkennen, dass Freiheit ohne die Freiheit des Wortes nicht möglich ist.

Ulla Hahn, die Großmeisterin der deutschen Literatur, hat wieder ein beachtliches Werk mit ihrer unvergesslichen Frauenfigur verfasst, die ihres Alter Egos Hilla Palm. Von „Wir werden erwartet“ darf der Leser sehr viel erwarten. Die Geschichte reicht vom prägenden Jahr 1968 bis hinein in den Deutschen Herbst. Eine für Deutschland sehr aufwühlende Zeit. „Wir werden erwartet“ ist nach „Das verborgene Wort“, „Aufbruch“ und „Spiel auf Zeit“ der Abschluss von Ulla Hahns Tetralogie. Es erwartet einen eine dramatische und spannende Geschichte in poetischer Sprache. Mit diesen vier autobiographisch geprägten Romanen hat sich Ulla Hahn in der deutschen Literatur unsterblich gemacht.

DVA, 634 Seiten; 28,00 Euro


Andreas Winkelmann

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Housesitter

Housesitter

Stell dir vor, du kommst mit deiner Freundin aus dem Urlaub in dein Haus zurück. Du merkst sofort, dass irgendetwas anders ist: Die Möbel sind verrückt. In der Küche stehen benutzte Töpfe. Die Handtücher riechen fremd. Dann spürst du einen jähen Schmerz - und es wird Nacht um dich. Stell dir vor, du wachst erst nach Tagen im Krankenhaus auf. Deine Freundin ist verschwunden - entführt. Denn da draußen ist jemand, der sich nach einem warmen Heim sehnt. Nach einer liebenden Frau. Nach deinem Leben. Und er ist zu allem entschlossen …

Andreas Winkelmann ist einer der Stars der deutschen Thriller-Szene! Mit frischen Plots bringt er immer wieder Schwung in die deutsche Thriller-Landschaft. So auch mit seinem neuen Buch „Housesitter“. Alleine der Gedanke an das Szenario macht einem schon Angst. Beim Lesen verstärkt sich dieses Gefühl dann noch. Andreas Winkelmann legt viel Wert auf seine Figuren, verliert dabei manchmal etwas die Spannung aus den Augen, aber das schmälert den Gesamteindruck nur ein bisschen. „Housesitter“ wird Ihnen Angst machen – egal wo Sie es lesen!

Wunderlich, 491 Seiten; 14,99 Euro


Hörbuch der Woche

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Thomas Mann und Familie

Der Kreis des Zauberers

Der Kreis des Zauberers

Thomas Mann, von seiner Familie auch „Zauberer“ genannt, wurde als Romancier und NS-Gegner der berühmteste deutsche Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Hier kommt die Familie selbst zu Wort, die mit ihren Reden, Vorträgen und Gesprächen Zeitgeschichte geschrieben haben. Zu den in der Edition versammelten Dokumenten gehören u. a. unbekannte Reden, Radiobeiträge und Interviews Thomas Manns, Katias gesprochene Memoiren, Klaus’ Vortrag über André Gide, Erikas kabarettistische Improvisationen, Monikas Impressionen aus Capri, ein Fragment aus Michaels Vortrag über Erik Satie und ein Rundfunkbeitrag Elisabeth Manns.

Eine hochwertige und vielseitige Hörbuchedition der Familie Mann. Es reicht von Thomas Manns Reden im Radio während des Krieges, bis zu seinen überbordend schwärmerischen Reden über Goethe und auch Schiller, zu Interviews über seine Werke und sein Wirken, seine Ansichten zu den Deutschen und der Kultur, Beiträge im Radio auf Englisch und Französisch und noch einigen mehr. Erika Mann kommt mit Reportage zu den Nürnberger Prozessen zu Wort, mit leider grotesk schlechten Sketchen, mit Interviews über ihre Arbeit als Journalistin und über die Fragen über ihren Vater, über den Mythos der Zwanzigerjahre, Begegnungen mit ihrem Vater zum 80. Geburtstag, dann mit dem Gedenken an ihren Vater, ihre Ansichten zu Europa nach der Emigration, über die „Pfeffermühle“ und die Jahre des Exils, in einem Gespräch mit u. a Marcel Reich-Ranicki, und noch vieles mehr von ihr. Golo Mann kommt mit heiteren Erinnerungen an Thomas Mann einen großen Track, Klaus Mann hat nur wenige kleine Tracks. Dazu gibt es noch ein begleitendes dickes Booklet und eine DVD mit 40 Minuten Laufzeit mit Interessantem zur Familie. Ein Rundumpaket der Manns, das sich kein Fan entgehen lasse sollte! 

Hörprobe randomhouse.de

Der Hörverlag, 17 CDs, 1.276 Minuten; 99,00 Euro


Denglers-buchkritik.de