Juli 2017

Kolumne vom 31.07.2017 - Nr. 467


Upton Sinclair

daumen rauf

Boston

Boston -  Upton Sinclair

Glamour, Jazz und endlose Partys: Das waren die Roaring Twenties. Allerdings ist das nur die halbe Wahrheit. Denn während die Happy Few feierten, wurden die Massen mittels brutaler Klassenjustiz niedergehalten. Am Beispiel der einflussreichen Ostküsten-Sippe Thornwell zeigt die Geschichte, wie das System staatlich sanktionierter Korruption funktionierte. Als Kulminationspunkt dient der Schauprozess gegen die zwei bekanntesten Justizopfer der amerikanischen Geschichte, Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti, die 1927 wegen Mordes hingerichtet wurden.

Manesse hat allen Literatur-Fans schon ein großes Fest bereitet, als sie Upton Sinclairs Jahrhundertwerk „Öl“ in einer Neuübersetzung 2015 veröffentlicht haben. Das Fest bekommt nun 2017 eine Fortsetzung mit dem zweiten Klassiker des Autors „Boston.“ Ein Roman, der vor 100 Jahren spielt, und man muss erkennen, so viel hat sich in diesen 100 Jahren für die Menschen in den USA nicht verändert. „Boston“ zeigt, dass der Kapitalismus auch schon zu Zeiten des 1. Weltkriegs und danach in Amerika herrschte, die-da-oben verdienten ihr Geld mit Aktien und Anleihen, die-da-unten ihr weniges Geld mit harter Arbeit in den Fabriken. Die Geschichte zeigt zu Anfang wie eine privilegierte 60-jährige nach dem Tod ihres ungeliebten Mannes ihr wohlhabendes Leben freiwillig gegen ein Arbeiterleben eintauscht um endlich die andere Seite kennenzulernen und selbst Geld verdienen zu müssen. Plötzlich lernt sie ein Leben und Mensche kennen, auf das sie und ihre Sippe bisher nur hinabgeschaut haben. Das ist der eine Teil von „Boston“. Der andere, der Hauptteil, dreht sich um die Justizopfer Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti, und was ihre Geschichte mit den Menschen und dem Land machte. „Boston“ ist ein ganz starkes Stück Literatur!

Manesse, 1.030 Seiten; 42,00 Euro


Katarzyna Bonda

daumen runter

Das Mädchen aus dem Norden

Das Mädchen aus dem NordenNach einem Aufenthalt im Ausland kehrt die Profilerin Sasza Załuska zurück in ihre Heimatstadt Danzig. Sie hat beruflich und privat viel durchgemacht. Eine verdeckte Ermittlung endete in einer Katastrophe. Verbrennungen und das Trauma einer Geiselnahme blieben zurück. Nun soll Schluss sein mit Verbrechen und unstetem Leben. Sasza erhofft sich ein ruhiges Dasein an der Seite ihrer kleinen Tochter. Doch dann erhält sie einen lukrativen Auftrag: Der Inhaber eines Musikclubs bittet sie, die Hintergründe von wiederholten Erpressungen und Morddrohungen aufzudecken. Für die Ermittlerin eine vermeintlich einfache Aufgabe. Kurz darauf gibt es einen Anschlag auf den Club, bei dem ein Mensch stirbt. Sasza Załuska beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen. Eine Entscheidung, die sie bald bereut.

Katarzyna Bonda zählt in unserem Nachbarland Polen zu den meistverkauften Autorinnen. Nun erscheint sie auch auf Deutsch, mit ihrem Thriller „Das Mädchen aus dem Norden“, dem erste Fall für Profilerin Sasza Załuska. Ein Thriller mit Höhen und Tiefen. Spannende Passagen wechseln sich mit sehr langweiligen ab. Daher ist man nie durchgängig gefesselt, was die Thrillerfreude trübt. Auch ist die Länge von über 650 Seiten zu viel für diese Story, 200 Seiten weniger und man hätte an der Grundstory nichts vermisst. Diese Kürzung hätte dem Buch gut getan, denn dann wäre man vielleicht durchgängig gefesselt gewesen. Trotz allem würde ich einem weiteren Thriller von Katarzyna Bonda eine Chance geben.

Heyne, 656 Seiten; 16,99 Euro


Kai Diekmann

daumen rauf

Helmut Kohl 1930 – 2017: Sein Leben in BILD

Helmut Kohl 1930 2017 Sein Leben in BILD Kaum ein Kanzler hat die Nachkriegsgeschichte der Deutschen so tiefgreifend geprägt wie Helmut Kohl. Und kaum eine Zeitung hat Kohl schon so früh und intensiv aus der Nähe beobachtet wie BILD. Dieses Buch - reich bebildert und opulent ausgestattet – dokumentiert, wie aus dem „Jungen Wilden“ aus der Pfalz ein europäischer Staatsmann wurde – mit allen Tragödien und Brüchen seiner Biographie, die dazu gehören. Nicht retrospektiv, nicht aus der Ferne. Sondern mit tagesaktuellen Artikeln der BILD-Reporter aus sechs Jahrzehnten. Helmut Kohl, betrachtet durch die Augen seiner Zeit.

Ein spektakuläres Buch über Helmut Kohl! Biographien dieser großen Persönlichkeit gibt es einige, hervorzuheben ist die sehr gut von Hans-Peter Schwarz „Helmut Kohl – Eine politische Biographie“. Aber so wie Herausgeber Kai Diekmann Helmut Kohl, sein Leben, seine Politik, sein Wirken in diesem Buch aufzeigt, das ist außergewöhnlich. Helmut Kohl und sein Leben in der BILD-Zeitung. Jede neue Schlagzeile, jedes neue Foto wirft ein neues Licht auf seine Arbeit und seine Person. Dieses Buch würdigt einen der ganz großen deutschen und europäischen Politiker und ist ein großartiges Stück Zeitgeschichte!

Piper, 320 Seiten; 20,00 Euro


Annie Proulx

daumen rauf

Aus hartem Holz

Aus hartem Holz

Neufrankreich, dem heutigen östlichen Kanada, 1693. Die zwei Franzosen René Sel und Charles Duquet sind Holzarbeiter und suchen ihr Glück auf dem neuen Kontinent. Ihre Lebenswege verlaufen sehr unterschiedlich. Beide arbeiteten hart, der eine heiratet eine Indianerin, der andere wird ein erfolgreicher Unternehmer, der geschäftliche Beziehungen bis nach Europa, China und Neuseeland unterhält. Die verschlungenen Wege der nachfolgenden Generationen dieser beiden Männer führen durch die großen Ereignisse, die auf dem Kontinent stattfinden. Aber es geht auch immer um die Bäume und den Schutz der Natur.

Die Pulitzerpreisträgerin meldet sich nach über zehn Jahren mit einem wuchtigen und vor literarischer Kraft strotzendem Werk wieder eindrucksvoll zurück! Annie Proulx, Autorin von Werken wie „Schiffsmeldungen“ oder „Brokeback Mountain“, erzählt in „Aus hartem Holz“ von 1693 bis in die Gegenwart von einer wunderbaren Landschaft, hart kämpfenden Menschen, Liebe und Krieg, Macht, Gier und viel Hoffnung auf ein gutes Leben.

Luchterhand, 894 Seiten; 26,00 Euro


Mark Riebling

daumen rauf

Die Spione des Papstes

Die Spione des Papstes

Das Schweigen des Vatikans zum millionenfachen Morden der Nazis ist und bleibt eine der großen Kontroversen unserer Zeit. Bis heute wird diskutiert, warum Papst Pius XII. öffentlich nicht deutlicher intervenierte. Der Autor arbeitet die Rolle des Vatikans im Widerstand gegen Hitler auf und fügt der historischen Wahrheitssuche neue, wichtige Facetten hinzu. Denn während Papst Pius noch Geburtstagskarten an Hitler schrieb, unterstützte er im Geheimen die Attentatspläne des deutschen militärischen Widerstands.

Der Amerikaner Mark Riebling ist unter anderem Dozent an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom und hat auch den Themenschwerpunkt Geheimdienste bei seiner weiteren Arbeit. Zwei gute Voraussetzungen für dieses Werk. Mit großer Vorfreude ging ich an dieses Buch heran. Der Vatikan im Kampf gegen Hitler, endlich mal ein Buch aus dieser Kategorie, denn sonst liest man ja fast nur, wie die Kirche vor Hitler in die Knie gegangen ist. „Die Spione des Papstes“ liest sich wie ein spannender Spionage-Thriller. Mark Riebling hat ein absolut beeindruckendes Werk verfasst!

Piper, 493 Seiten; 26,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Gail Honeyman

Ich, Eleanor Oliphant

Ich Eleanor Oliphant Audio

Eleanor Oliphant ist anders als andere Menschen. Eine Pizza bestellen, mit Freunden einen schönen Tag verbringen, einfach so in den Pub gehen? Für Eleanor undenkbar! Und das macht ihr Leben auf Dauer unerträglich einsam. Erst als sie sich verliebt, wagt sie sich zaghaft aus ihrem Schneckenhaus - und lernt dabei nicht nur die Welt, sondern auch sich selbst noch einmal neu kennen. Doch sie muss erkennen, dass einseitige Liebe nicht funktioniert und das eine gute Freundschaft viel mehr bedeuten kann.

Mit Eleanor Oliphant hat Gail Honeyman eine ganz starke Figur erschaffen! Was auch maßgeblich zu der starken Figur beiträgt ist die Interpretation der preisgekrönten Sprecherin Laura Maire. Ihrer feengleichen Stimme mischt sie hier die Unsicherheit der Eleanor Oliphant bei, aber auch die Klarheit, mit der Eleanor ihr Leben führt. Das Hörbuch wird durch Laura Maire zu einem Hörgenuss! „Ich, Eleanor Oliphant“ ist eine Geschichte über eine junge Frau mit einer sehr düsteren Vergangenheit. Das Leben hat sie zu der werden lassen, die sie heute ist, mit einer Narbe im Gesicht gezeichnet und noch unendlich viel mehr Narben auf ihrer Seele. Aber das Buch ist keinesfalls düster, es schenkt Hoffnung, es zeigt, wie positiv sich ein Leben verändern kann. Dazu braucht es nur einen Menschen, eine Liebe, oder in Eleanors Fall, einen wahnsinnig guten Freund.

Ich Eleanor Oliphant

 

Auch als Hardcover erhältlich bei Lübbe, 20,00 Euro.

Lübbe Audio, 6 CDs, 431 Minuten; 20,00 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 24.07.2017 - Nr. 466


Don Winslow

daumen rauf

Corruption

Corruption

Denny Malone ist ein hochdekorierter Detective bei der Manhattan North Special Taskforce, der gefeierten Elitetruppe des NYPD. Malone und seine Truppe haben einen Freibrief, um gegen Gangs, Drogen und Waffen zu kämpfen. Denny Malone hat immer getan, was getan werden musste, um zu dienen und zu schützen, und jeden Tag und jede Nacht der achtzehn Jahre in diesem Job an vorderster Front verbracht. In einer Stadt die auf Ehrgeiz und Korruption gebaut ist, macht jeder sich die Finger schmutzig – auch Malone. Doch dann wird er erwischt. Was hat er nun noch für Möglichkeit? Auspacken und alle seine Leute verraten? Oder tut sich noch etwas ganz anderes auf?

Don Winslows Thriller sind alles Hochkaräter des Genres! Das trifft auch auf seinen neuen Bestseller „Corruption“ zu. Der Thriller beschreibt was man nicht gerne hört, die Korruption bei der Polizei. Die Elitetruppe des NYPD, allen voran Denny Malone, und nicht nur diese Truppe, nehmen sich, was ihnen nicht gehört, vor allem Geld. Damit tun sie manchmal auch Gutes, begehen aber trotzdem regelmäßig Straftaten. Was nützt es, wenn man ein guter Polizist ist, wenn man auf der anderen Seite korrupt ist? Dieser Gewissensfrage geht Don Winslow u. a. in diesem Buch auf den Grund. „Corruption“ ist knallhart, schonungslos, schmutzig, hinterhältig und brandaktuell! Don Winslow zeigt wieder sein ganzes Können!

Corruption Audio

Auch als Hörbuch erhältlich bei Lübbe Audio. Dietmar Wunder, u.a die deutsche Stimme von 007 Daniel Craig, gibt dem Thriller Kraft und Glanz. 19,99 Euro.

Droemer, 541 Seiten; 22,99 Euro


Pauliina Susi

daumen runter

Das Fenster

Das FensterLeia Laine (35) soll Leiterin einer Helsinkier Beratungsstelle für sexsüchtige Männer werden. Nach einem Talkshowauftritt geht ein hasserfüllter Shitstorm auf sie nieder, sie bekommt Drohungen per SMS, kurz darauf werden ihre Konten gesperrt. Doch von wem? Der abgedrehte Hacker „Land-0“, der größten Spaß daran hat, virtuelle Grenzen zu überschreiten, hat es auf sie abgesehen. Doch nicht nur er. Leia ahnt nicht, dass es letztlich um ein hochbrisantes Skype-Video geht, auf dem der Justizminister zu sehen ist und das sie selbst im Besitz haben soll – bis es fast zu spät ist: Ihre 16-jährige Tochter Vivii gerät ins Fadenkreuz der Verfolger …

Die Finnin Pauliina Susi hat mit „Das Fenster“ den Finnischen Krimipreis 2016 gewonnen. „Das Fenster“ – ein hoch interessanter Thriller! Der aber leider mit zu viel Vorschusslorbeeren angepriesen wurde. Denn wer „Das Fenster“ mit den außergewöhnlichen Thrillern von „Gone-Girl“-Bestsellerautorin Gillian Flynn vergleicht, der darf sich nicht wundern, wenn man während der Lektüre diese Wow-Erlebnisse aus „Gone Girl“ & Co. sucht, sie aber nicht findet. „Das Fenster“ ist in einzelnen Teilen einfach viel zu lang und zu behäbig erzählt, da geht die ganze Spannung verloren, die zuvor in Teilen gut aufgebaut wurde. Das Thema des Thrillers ist daher hoch interessant, aber die Umsetzung nur Mittelmäßig.

dtv, 528 Seiten; 16,90 Euro


Lisa Gardner

daumen rauf

Die Überlebende

Die Überlebende 472 Tage lang lernte sie, wie viel ein Mensch ertragen kann: Flora Dane, College-Studentin, am hellichten Tag gekidnappt. Wie durch ein Wunder überlebte sie. Und entkam ihrem Peiniger. Sieben Jahre ist das nun her - doch vergessen kann Flora nicht. Die Wände ihres Zimmers sind voller Fotos: Mädchen, die weniger Glück hatten als sie. Mädchen, die jetzt tot sind. Flora schwört, sie niemals im Stich zu lassen. Und dann ist wieder eine junge Frau verschwunden. Kurz darauf wird Detective D.D. Warren an den Tatort eines grausigen Verbrechens gerufen: Ein Mann - verbrannt. Eine junge Frau - nackt und gefesselt. Flora Dane.

„Die Überlende“ ist der sechste Fall für Detective D. D. Warren. Zuletzt erschienen „Der Tag, an dem du stirbst“ und „Schmerz“. Die amerikanische Weltbestsellerautorin Lisa Gardner hat mit ihrer D.-D.-Warren-Reihe ein echtes Highlight im Thriller-Universum erschaffen. Schon die fünf Fälle zuvor sind absolut empfehlenswert. Ihr neuer Thriller nimmt sich da nicht aus: Unberechenbar, wendungsreich, mit starken Figuren und einer klugen und spannenden Story. „Die Überlende“ packt einen von der ersten Seite an und lässt einen über 500 Seiten lang nicht mehr los! Lisa Gardner zeigt erneut, warum sie schon weit über ein Jahrzehnt weltweit zu den besten weiblichen Thriller-Autorinnen zählt!

Rowohlt, 541 Seiten; 9,99 Euro


David Bodanis

daumen rauf

Einsteins Irrtum

Einsteins Irrtum

Albert Einstein war eines der größten Genies des 20. Jahrhunderts, er formulierte die Gleichung E=mc², die den Zusammenhang von Masse und Energie definierte, und entwickelte bahnbrechende Gedanken zu Raum und Zeit. So sagte er voraus, dass das Universum expandiert. Und doch stand der von der ganzen Welt gefeierte Wissenschaftler am Ende seines Lebens unter seinen Kollegen ziemlich alleine da. Der Autor schildert die Geschichte von Einsteins größtem Irrtum, der letztlich dazu führte, dass er sich mit den aufregenden Erkenntnissen seiner Nachfolger zur Quantenmechanik nicht mehr anzufreunden vermochte und die Idee der Unschärferelation verwarf.

Wie konnte es dazu kommen, dass am Ende dieses großartige Jahrhundertgenie in der Isolation endete? Keiner mehr groß etwas mit ihm zu tun haben wollte, er nur noch bemitleidenswerter alter Mann wahrgenommen wurde? Dieses Buch geht diesen Fragen und noch viel mehr auf den Grund. Wer bisher noch kein Einstein-Buch gelesen hat, wird dieses Buch mit großem Erstaunen lesen. Der, der Einsteins Geschichte schon kennt, bietet auch „Einsteins Irrtum“ immer noch neue Details.

DVA, 335 Seiten; 19,99 Euro


Rachel Kushner

daumen rauf

Telex aus Kuba

Telex aus Kuba

Everly Lederer und K.C. Stites, zwei Jugendliche, scheinen füreinander bestimmt zu sein: sie die Tochter des Chefs einer amerikanischen Nickelmine und er der Sohn eines leitenden Angestellten der United Fruit Company. Aus den Brüchen zwischen dem, was sie voller Faszination und Erschrecken wahrnehmen, tritt allmählich die Geschichte eines ebenso wagemutigen wie bisweilen absurden Freiheitskrieges zutage. Verwickelt in ihn sind, auch ein französischer Agent mit SS-Vergangenheit, eine kubanische Tänzerin mit erotischem Hang zur Macht, zahlreiche karrierebewusste Saubermänner und ihre dekadenten Gattinnen, Dschungelkämpfer und schmutzige Geschäftemacher.

Rachel Kushner hat 2015 mit ihrem Roman „Flammenwerfer“ für Aufsehen gesorgt. Ein Roman, der mich begeistert hat. Nun folgt ihr „Telex aus Kuba“, ihr eigentlicher Debütroman, der bereits 2008 in den USA erschienen ist. Nicht ganz so gut wie „Flammenwerfer“, aber immer noch eine Geschichte, die man mit Genuss liest. Rachel Kushner entführt einen in eine sehr interessante Zeit und lässt das Kuba zu Zeiten der Revolution mit seinen prägenden Darstellern und den ganz einfachen Leuten bildgewaltig auferstehen.

Rowohlt, 460 Seiten; 19,95 Euro


Hörbuch der Woche

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Sabine Bode

Das Mädchen im Strom

Das Mädchen im Strom Audio

Sie ist das hübscheste, frechste und mutigste Mädchen an den Stränden des Rheins – und sie ist Jüdin. Die Geschichte der Gudrun Samuel ist die Geschichte einer ganzen Generation junger Frauen, die die Naziherrschaft und der Krieg zur Flucht gezwungen haben. Als die Nazis an die Macht kommen und die junge Jüdin Gudrun Samuel sich entscheidet, mit gefälschten Papieren Deutschland zu verlassen, wird sie gefasst und kommt in Gestapo-Haft. Ihr gelingt dann doch noch die Flucht, aber sie ist nun nicht mehr das Mainzer Mädchen Gudrun, sondern die Flüchtende Judy: in der transsibirischen Eisenbahn und im Judenghetto von Shanghai. Sie überlebt den Krieg, doch die Odyssee geht weiter.

Sabine Bode ist Bestsellerautorin von Sachbüchern wie „Die vergesse Generation“ oder „Kriegsenkel“. Da hat sie sich mit dem Thema des 2. Weltkriegs schon intensiv auseinandergesetzt. Nun ihr erster Roman „Das Mädchen im Strom“. Der Titel passt schon mal ganz gut, da Gudrun wahrlich immer im Strom der Ereignisse mitschwimmt. Die Geschichte ist spannend und voller interessanter historischer Details! Was man aber leider merkt ist, das Sabine Bode Sachbuchautorin ist und keine Romanautorin. So wirken ihre Figuren etwas gefühlsleer und die Dialoge oft hölzern. Trotzdem vermittelt der Roman einen spannenden Einblick in eine dunkle Zeit. Die bekannte und attraktive Schauspielerin Claudia Michelsen liest klar und ohne Schnörkel. Sie gibt Gudrun eine unverwechselbare Stimme und unterstreicht ihren Charakter mit ihrer Darbietung.

Das Mädchen im Strom

 

Auch als Hardcover erhältlich bei Klett-Cotta, 20,00 Euro.

Random House Audio, 6 CDs, 473 Minuten; 19,99 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 17.07.2017 - Nr. 465


Barbara Wood

daumen rauf

Wohin dein Traum dich führt

Wohin dein Traum dich führt Wood

Als die schöne New Yorker Erbin Elizabeth Van Linden im Sommer 1920 bei der Schiffspassage in die Heimat auf Nigel, Baron Stullwood trifft, ist sie von ihm fasziniert: Man hat ihn zwar enterbt, aber er brennt vor Energie und Zuversicht. Er will aus eigener Kraft ein Imperium erschaffen. Elizabeth verliebt sich in ihn und seinen Traum von riesigen Palmenplantagen in der kalifornischen Wüste. Die wilde Landschaft begeistert und berührt sie zutiefst. Doch in Palm Springs, auf das gerade der Glanz von Hollywood und seinen Filmstars fällt, erlebt Elizabeth auch die dunkle Seite von Nigels Ehrgeiz und seiner Gier nach Geld und Einfluss. Kann sie wirklich ganz allein gegen die mögliche Zerstörung der fragilen Natur kämpfen – und sich gegen Nigel stellen? Wer wird ihr dabei helfen?

Ein echter Wood! „Wohin dein Traum dich führt“ enthält alles, was man von einem Barbara-Wood-Roman erwartet. Eine mitreißende Geschichte mit lebensnahen Charakteren. Spannend, dramatisch, in einer wunderbaren Zeit spielend. Wenn man gute Unterhaltung schätzt, ist auf Barbara Wood immer Verlass! Elizabeth ist sehr gut dargestellt. Man kann mit ihr fühlen, leben, leiden, lieben. Aber auch mit den anderen Frauen im Buch vermittelt Barbara Wood anschaulich, wie das Frauenbild der damaligen Zeit war. Nigel, der Schöne mit der dunklen und profitorientierten Seite ist Barbara Wood auch gut gelungen. „Wohin dein Traum dich führt“ ist 600 Seiten dick – eindeutig zu wenig, die Geschichte ist so wunderbar, es hätten auch gerne 900 Seiten sein dürfen.

Krüger, 607 Seiten; 22,99 Euro


Michael Kardos

daumen runter

Bevor du mich findest

Bevor du mich findestMelanie war noch nie auf einer Party, ist noch nie geflogen, hat noch nie das Meer gesehen. Als sie drei Jahre alt war, ermordete ihr Vater ihre Mutter und wurde bis heute nicht gefasst. Seitdem lebt sie im Zeugenschutzprogramm, von der Außenwelt isoliert und immer in der Angst, dass er sie aufspürt. Doch sie will so nicht mehr leben. Um endlich frei zu sein, fasst sie einen gefährlichen Entschluss: Wenn ihr Vater sie nicht findet, dann muss sie ihn eben zuerst finden.



Der Amerikaner Michael Kardos hat kreatives Schreiben studiert. Bei dem vorliegenden Thriller „Bevor du mich findest“ fragt man sich, was der Autor während des Studiums gelernt hat. Warum? Dieser Thriller, dessen Story sich so gut angehört hat, der vor Spannung zu strotzen schien, hält leider nur am Anfang und am Ende, was man von ihm erwartet. Die mehr als dreihundert Seiten dazwischen zeigen, dass man auch mit einen Studium in kreativem Schreiben kein guter und kreativer Autor wird. Michael Kardos muss noch sehr viel lernen, um ein wirklich guter Thrillerautor zu werden. Vor allem muss er als Thrillerautor lernen, seitenweise Spannung zu produzieren und nicht einen Berg von Langeweile.

Bastei Lübbe, 398 Seiten; 10,00 Euro


Titus Müller

daumen rauf

Der Tag X

Der Tag X Titus Müller Das Leben der Gymnasiastin Nelly Findeisen wird mit jedem Tag komplizierter. Ihren Vater sieht sie nicht mehr, ihre Mutter wird ihr immer fremder. Im Frühjahr 1953 wird sie auch noch aus der Schule geworfen. Trost könnte sie bei dem jungen Uhrmacher Wolf Uhlitz finden, der sich in sie verliebt hat. Er will ihr helfen, entwendet staatliche Dokumente und landet im Gefängnis. Was Wolf nur vage ahnt: Die junge Nelly steht in einer geheimnisvollen Verbindung mit einem russischen Spion namens Ilja, der sie mit Nachrichten über ihren verschleppten Vater versorgt und den Austausch von Briefen mit ihm vermittelt. Wie Wolf träumt auch Ilja von einem Leben mit Nelly – aber als sich in Berlin und Halle die Unzufriedenheit mit dem Regime in Massendemonstrationen entlädt, hängt ihrer aller Leben an seidenen Fäden.

Titus Müller gehört zu den besten und kreativsten Romanautoren Deutschlands! Mit seinen durchweg fesselnden Werken „Tanz unter Sternen“, „Nachtauge“ und „Berlin, Feuerland“ hat er auf diesen Olymp geschrieben. Sein neuer Roman „Der Tag X“ reiht sich hier nahtlos ein und bestätigt meine Aussage. Wieder erzählt er eine deutsche Geschichte aus der Vergangenheit, diesmal um den Aufstand vom 17. Juni 1953. Er bettet die historischen Fakten wunderbar in seine fiktive Geschichte um die Nelly Findeisen ein. Erweitert das Ganze noch mit vielen weiteren spannenden Strängen. Titus Müllers Figuren leben förmlich vor den Augen des Lesers auf. Man reist mit ihnen in die Vergangenheit und wird Teil der historischen Ereignisse.

Blessing, 400 Seiten; 19,99 Euro


James Islington

daumen rauf

Das Erbe der Seher

Das Erbe der Seher

In Feuer und Blut endete vor 20 Jahren die Herrschaft der Auguren, mächtige Magier mit seherischen Fähigkeiten. Jene, die ihnen dienten – die Begabten – wurden nur verschont, weil sie sich dem rigiden neuen Gesetz unterworfen haben, das ihre Macht beschränkt. Der junge Begabte Davian und seine Freunde wachsen in einer Welt auf, die sie verachtet und strengstens überwacht. Doch als Davian herausfindet, dass er über die bei Todesstrafe verbotene Magie der Seher verfügt, setzt er eine Kette von Ereignissen in Gang, die alles für immer verändern werden.

„Das Erbe der Seher“ ist der erste Teil der „Licanius“-Trilogie. Der Australier James Islington hat mit der „Licanius“-Trilogie eine wuchtige, komplexe und magische Fantasy-Saga erschaffen, die man nur schwer aus der Hand legen kann! Das kann man schon nach „Das Erde der Seher“ sagen, dem ersten Teil der Trilogie. James Islington hat große Meister der Fantasy als Vorbilder, wie Raymond E. Feist, Robert Jordan, Brandon Sanderson und Patrick Rothfuss, das merkt man seiner Saga, seiner Welt und seinen Figuren an.

Knaur, 783 Seiten; 16,99 Euro


Rebecca Hunt

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Everland

Everland

Die Insel Everland wird von zwei Antarktisexpeditionen erforscht, zwischen denen hundert Jahre liegen. Doch die Einsamkeit, die harten Wetterbedingungen und die feindseligen Kräfte der Natur sind heute wie damals bestimmend, und bei beiden Expeditionen zeigt sich: Die Antarktis enthüllt den wahren Charakter der Menschen, die sich ihr aussetzen.

 


Die Engländerin Rebecca Hunt konnte schon mit ihrem ersten Roman „Mr. Chartwell“ begeistern. Nun wendete sie sich in ihrem zweiten Roman einem ganz anderen Genre zu, und begeistert auch hier. „Everland“ verspricht eiskalte Hochspannung. Ein fesselnder arktischer Abenteuer-Thriller, der einen mit gleich zwei Geschichten vollkommen in den Bann zieht! Die Geschichten werden abwechselnd erzählt und spielen in den Jahren 1913 und 2012.

Luchterhand, 412 Seiten; 22,00 Euro


Hörbuch der Woche

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Stephan Orth

Couchsurfing in Russland

Couchsurfing in Russland MP3

Was ist Propaganda, was ist echt? Über keinen Teil der Erde ist die Informationslage verwirrender als über Russland. Da hilft nur: hinfahren und sich sein eigenes Bild machen. Zehn Wochen lang sucht Stephan Orth zwischen Moskau und Wladiwostok nach kleinen und großen Wahrheiten. Und entdeckt auf seiner Reise von Couch zu Couch ein Land, in dem sich hinter einer schroffen Fassade unendliche Herzlichkeit verbirgt.

Stephan Orth hat uns mit seinem Bestseller „Couchsurfing im Iran“ schon ein faszinierendes Land und seine Menschen näher gebracht. Er hat das Unbekannte lebendig gemacht. Das gelingt ihm nun auch mit seinem neuen Buch „Couchsurfing in Russland“. Wir lernen dieses spektakuläre Riesenreich mit seinen Menschen durch seine alltäglichen Couchsurfing-Erlebnisse kennen. Er zeigt uns, wie vielfältig und schön Russland ist und welch tolle Menschen dort leben. Der „böse Russe“ kommt darin praktisch nicht vor. Und man versteht am Ende tatsächlich etwas, warum Russland mit normaler westlicher Politik nur sehr schwer zu regieren wäre. Vielleicht verändern die vielen jungen Russinnen und Russen etwas. Aber nur vielleicht. Theater-Schauspieler Shenja Lacher verleiht dem Hörbuch Klasse und den stillen Humor, der ihm innewohnt. Man möchte das Hörbuch gleich noch mal hören, wenn man selbst auf den Weg nach Russland ist um dort Couchsurfing zu praktizieren. Und Herr Orth, reisen Sie bitte noch in vielen Ländern von Couch zu Couch. Wie wäre es mit Indien, Japan, afrikanischen Ländern oder auch ein Land, das uns unbekannter ist, als wir glaubten: die USA. Ein nächstes Couch-Buch wird sehnlichst erwartet!

Couchsurfing in Russland Cover

 

Auch als Paperback erhältlich bei Malik, 16,99 Euro.

Der Hörverlag, 1 MP3 CD, 453 Minuten; 19,99 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 10.07.2017 - Nr. 464


Jennifer Haigh

daumen rauf

Licht und Glut

Licht und Glut

Bakerton im ländlichen Pennsylvania hat schon bessere Zeiten gesehen. Die einst blühende Region ist durch den Niedergang von Kohle und Stahl schwer gezeichnet. Ist es da Segen oder Fluch, dass ein Energiekonzern den verarmten Landbesitzern plötzlich das große Geld verspricht? Naivität und Gier, Hysterie und blinder Aktivismus, Ehekrisen und unverhoffte neue Allianzen – der Erdgas-Boom bringt die kleine eingeschworene Gemeinschaft aus den Fugen.

Nach dem Klassiker „Öl“ von Upton Sinclair von 1927 ist „Licht & Glut“ von Jennifer Haigh gut 90 Jahre später ein würdiger Nachfolger, wenn es um das Thema Ausbeutung von Rohstoffen in den USA geht und was das mit den Menschen dort macht. Es zeigt auf der einen Seite die Interessen der Energiemultis, die nur so viel Pachtverträge wie möglich haben wollen, um überall ihr Fracking durchführen zu können, und auf der anderen Seite die Landeigentümer, die schnelles Geld verdienen wollen, und dabei übers Ohr gehauen werden, oder eben nicht unterzeichnen wollen und so den Zorn der Nachbarn auf sich ziehen. Oder auch ihre Lebensgrundlage verlieren, weil kein Mensch Milch von einem Farmer will, bei dem auf dem Nachbargelände gefrackt wird. Ganz abgesehen davon, was Fracking mit dem Grundwasser macht. Feuer aus dem Wasserhahn ist da nur die Spitze des Eisbergs. Ein brandaktueller Gesellschaftsroman, der einem das immer fremder werdende Amerika menschlich sehr nahe bringt!

Droemer, 476 Seiten; 22,99 Euro


Erik Storey

daumen runter

Karges Land

Karges LandKurz nachdem Clyde Barr aus dem Gefängnis entlassen worden ist, bekommt er einen Anruf von seiner Schwester Jen. Sie bittet ihn um Hilfe, sie aus den Klauen eines Drogenbosses zu retten. Er weiß weder wo sie ist, noch wie viel Zeit er hat. Clyde kehrt zurück in seine Heimat Colorado. Dort beginnt eine Jagd gegen die Zeit und ein Kampf gegen einen der mächtigsten Verbrecher in diesem Teil der USA. Und nur die Bardame Allie und ein paar alte Freunde stehen Clyde Barr zur Seite, der auch noch mit ein paar Feinden aus seiner Vergangenheit abzurechnen hat ...

„Karges Land“ ist das erste Buch des Amerikaners Erik Storey. Vor dem Schreiben hat er auf einer Ranch und als Hundeschlittenführer, Jäger, Barkeeper und Schlosser gearbeitet. Ein Mann mit vielen Talenten, Schreiben gehört auch dazu, auch wenn ihm hier noch die nötige Balance fehlt. Das Buch hat eine durchaus gute Story, auch wenn diese nicht neu ist, zahlreiche spannende Momente, brutale Action, ausschweifende Landschaftsbeschreibungen. Aber darin liegt auch das Problem, Erik Storey weiß nicht, wo er zu viel und wo er zu wenig schreibt und beschreibt. So kommt der Thriller immer wieder aus dem Tritt. „Karges Land“ – karger Thriller.

Piper, 320 Seiten; 15,00 Euro


Dora Heldt

daumen rauf

Wir sind die Guten

Wir sind die Guten Ein Jahr ist vergangen, seit das Ermittlerteam um Karl Sönnigsen der Polizei von Westerland erfolgreich gezeigt hat, wie man einen Serientäter stellt. Jetzt bekommt Karls Bekannte Helga einen Anruf von einer Freundin: Deren Mieterin Sabine ist spurlos verschwunden. Die Polizei von Westerland indes ermittelt im Fall eines unbekannten Toten am Fuß der roten Klippen, und so kann Karls Truppe in aller Ruhe auf die Suche nach Sabine gehen. Die Ermittlungen nehmen ihren turbulenten Lauf, als herauskommt, dass beide Fälle miteinander zu tun haben.

Dora Heldt bietet Krimiunterhaltung allererster Güte! Nach „Böse Leute“ bietet auch ihr zweiter Krimi „Wir sind die Guten“ alles was man von Dora Heldt kennt. Ganz vorne an stehen natürlich ihre liebreizenden und schrulligen Charaktere, die man schnell ins Herz schließt. Mit ihnen den Alltag zu erleben und auf Verbrecherjagd zu gehen macht großen Spaß. Dora Heldt bringt die Stärken aus ihren Unterhaltungsromanen in die Geschichte ein und verbindet diese mit einem spannenden, humorvollen und lebensnahen Kriminalfall. Genau mein Fall!

dtv, 507 Seiten; 15,90 Euro


Hisham Matar

daumen rauf

Die Rückkehr

Die Rueckkehr

Hisham Matar wuchs als Kind in Libyen auf, doch die Diktatur unter Gaddafi hat seine Familie früh zerstört. Er selbst lebt seit langem in England, sein Vater wurde in das berüchtigtste Gefängnis von Libyen verschleppt. In dem kurzen Zeitfenster nach Gaddafis Sturz und vor dem neuen Bürgerkrieg kehrt Hisham Matar in seine Heimat zurück, um endlich vor Ort nach seinem Vater zu suchen. Sein Buch ist ein bewegendes Dokument.

In Hisham Matars „Die Rückkehr“ lernt der Leser ein Land, seine Geschichte und seine Leute kennen, ein Land, das man nur von Schreckensmeldungen aus den Nachrichten kennt. Doch die Menschen und das Land haben auch etwas anderes zu erzählen, als nur den Horror, den wir im Westen aus Libyen erfahren. Das Land steckt aber voller Gefahren, daran gibt es nichts zu zweifeln. Vorwiegend ist „Die Rückkehr“ aber die Suche von einem Sohn nach seinem verlorenen Vater. Der libysche Schriftsteller Hisham Matar arbeitet in seinem bisher persönlichsten Buch die Geschichte seiner Familie, die Geschichte seines Vaters auf. Spannend, intensiv, zeitgeschichtlich sehr interessant.

Luchterhand, 288 Seiten; 20,00 Euro


Ann-Kathrin Eckardt

daumen rauf

Flucht und Segen

Flucht und Segen

Ein Jahr nach den Willkommensszenen und dem Merkel’schen Glaubensbekenntnis „Wir schaffen das“ stellt sich die Frage, wie wir das alltägliche Zusammenleben mit den Flüchtlingen bewerkstelligen können. Wie die unterschiedlichsten Mentalitäten mit der unseren zu vereinen sind und wie die vielen Menschen nicht nur ein Leben in Frieden und Freiheit bei uns finden, sondern auch ein Obdach und Arbeit. Die Autorin, Ann-Kathrin Eckardt, Redakteurin bei der Süddeutschen Zeitung, zieht hier eine ehrliche Bilanz.


Flüchtling. Ein Begriff, der so viel in einem vereint. Bei dem einen löst er Gefühle der Hilfsbereitschaft aus, beim anderen den Horror, dass Deutschland untergeht. Ann-Kathrin Eckardt hat geholfen, haucht dem Begriff Flüchtling Leben ein. Zeigt Geschichten auf, die hinter dem Begriff Flüchtling stehen. Und sie erzählt von ihrer Zeit als Helferin, die einem viel geben kann, einem nach und nach aber auch immer mehr abverlangt. Es gibt positive und frustrierende Erlebnisse. Integration in Deutschland. Das liest sich auch so einfach, doch hinter diesen drei Worten steckt ein hochhaushoher Turm, den man erstmal bewältigen muss.

Pantheon, 238 Seiten; 14,99 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Rath & Rai

Bullenbrüder

Bullenbrueder

Holger Brinks ist Kommissar bei der Mordkommission. Sein Bruder Charlie schlägt sich als Privatschnüffler durchs Leben. Der eine ein korrekter Beamter mit Familie, der andere ein ausgebuffter Hallodri mit Bindungsproblemen. Als Charlie mal wieder von einer Beinahe-Traumfrau vor die Tür gesetzt wird, bittet er seinen Bruder um Obdach – und landet auf der Luftmatratze in Holgers Gartenlaube. Der Kommissar steht beruflich unter Druck: Der engste Vertraute des Berliner Unterwelt-Bosses Bobby Schütz wurde tot im Aufzug eines Berliner Luxushotels gefunden - mit einem Koffer Kokain. Pikanterweise hat auch Charlie Verbindungen zu Schütz und seinem Clan ...

Ein verrückt-guter Krimi, der mit einer spannenden Story, gut gezeichneten Figuren und einigem an Humor aufwarten kann! Was aus dieser echt guten Story etwas Außergewöhnliches macht, ist der Sprecher des Hörbuchs. Christoph Maria Herbst macht mit seiner Interpretation aus der Geschichte einen Kinofilm für die Ohren, der gleich mit zahlreichen Rollen besetzt ist. Christoph Maria Herbst schlägt mit seiner Stimme Purzelbäume. Das Hörbuch ist ein Fest der Unterhaltung! Und bei der Rolle des Bobby Schütz spricht er praktisch 1 zu 1 wie Martin Semmelrogge mit seiner unverkennbaren Knautschstimme. Das schafft wohl außer dem Semmelrogge selbst nur der Herbst.

Bullenbrueder Buch

 

Auch als Hardcover erhältlich bei Wunderlich, 19,95 Euro.

Argon Hörbuch, 6 CDs, 470 Minuten; 19,95 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 03.07.2017 - Nr. 463


Philip Norman

daumen rauf

Paul McCartney

Paul McCartney

Fünf Grammys, elf Mal als Solokünstler in den deutschen Album-Top Ten und Autor von über eintausend Songs – Paul McCartneys Karriere ist in jeder Hinsicht von Superlativen geprägt. Nun schreibt der renommierte Rock-Biograf Philip Norman seine Geschichte auf – erstmals mit McCartneys Einverständnis und unter Einbezug von Freunden und Familie. So entsteht ein Portrait von Pauls oftmals nicht ganz einfachen Beziehung zu John Lennon, der tragischen Zeit nach der Auflösung der Beatles und des Kampfs zurück in den Pop-Olymp mit den Wings, der fast dazu geführt hätte, dass McCartney in Afrika ermordet worden wäre.

Eine umfassende, wuchtige und spannend erzählte Biografie über eine der größten Pop-Legenden der Musikgeschichte! Man erfährt von der aufwühlenden, aber doch auch glücklichen, wenn auch armen, Kindheit; vom Einzug des Rock ’n’ Roll und was das mit Paul machte; wie nach und nach die Beatles entstanden, aus den Jungs, die doch so unterschiedlich waren; wie schwer es war, einen Fuß in die Tür zu bekommen, praktisch keiner traute den Beatles zu Anfang etwas zu; dann der riesengroße, monumentale Erfolg mit dieser verrückten Zeit; die Trennung und die zahlreichen Schicksalsschläge; doch Paul ließ sich nicht unterkriegen, kam zurück, mit vielen weiteren Hits; die privaten Niederschläge, die Paul viel Substanz und Geld kosteten; und noch so viel mehr. Die, die Paul McCartney lieben, werden das Buch gleich noch mal lesen wollen!

Piper, 973 Seiten; 32,00 Euro


Simon Toyne

daumen runter

Solomon Creed – Die Suche

Solomon Creed Die SucheIn der Wüste von Arizona läuft ein Mann über die einzig vorhandene Straße - ein Albino, der einen Anzug, aber keine Schuhe trägt. Er weiß weder, wer er ist, noch, woher er kommt. Sein einziger Anhaltspunkt ist ein Buch in seiner Jackentasche, das einem Solomon Creed gewidmet ist. Heißt er so? Vermutlich. Der Name kommt ihm bekannt vor. Als er sich umdreht, entdeckt er in der Ferne ein brennendes Flugzeugwrack. War er in dem Flugzeug? Vielleicht. Solomon Creed wird es herausfinden - und auch, wer die Männer sind, die ihn jagen und töten wollen.

Der Brite Simon Toyne hat bereits mehrere Bestseller geschrieben, darunter auch „Sanctus“, und seine Bücher erscheinen in über 50 Ländern. Simon Toyne versteht also, wie man einen guten Thriller schreibt. Eigentlich. Denn bei seiner Solomon-Creed-Reihe hat er sich etwas verhoben. Der vorliegende Band „Die Suche“ ist der Beginn der Reihe. Ein Mann ohne Gedächtnis verbunden mit reichlich Action, da denkt man gleich an Jason Bourne. Aber an Robert Ludlums Helden kommt Solomon Creed nicht heran. Die Figur ist in Zügen gut konstruiert, aber sie hat auch reichlich Schwächen, bei denen man als Leser nur verwundert den Kopf schüttelt. Die Story von „Die Suche“ schwankt zwischen sehr, sehr langweilig, zu etwas Action bis hin zu verwirrenden Beschreibungen hin und her.

Bastei Lübbe, 570 Seiten; 10,90 Euro


Peter F. Hamilton

daumen rauf

Seelengesänge

Seelengesänge Die uralte Bedrohung ist von Lalonde entkommen und hat den Frieden der Konföderation zerstört. Jene, die sich ihr unterwarfen, haben gottähnliche Kräfte erlangt, doch wandeln sie nun auf den Pfaden des Bösen. Auf allen Planeten wird gegen die Höllenkräfte gekämpft. Währenddessen setzt Dr. Alkad Mzu alles daran, die von ihr entwickelte Superwaffe zu reaktivieren. Joshua Calvert muss sie finden, bevor die Apokalypse ausbricht.

Nach „Die unbekannte Macht“ und „Fehlfunktion“ ist „Seelengesänge“ der dritte Band des Armageddon-Zyklus, einem Science-Fiction-Klassiker. Geschrieben hat Peter F. Hamilton die Bände 1996. Der Brite Peter F. Hamilton gehört wie der Amerikaner Larry Niven zu den ganze Großen in der Science-Fiction-Literatur! Der Armageddon-Zyklus gehört zu den Science-Fiction-Klassikern, die man als Fan des Genres gelesen haben muss! Peter F. Hamiltons Ideenreichtum ist absolut grenzenlos. Wie schon in den Bänden zuvor passiert auch in „Seelengesänge“ so viel Spannendes und Spektakuläres, dass man gar nicht glauben will, dass das Buch satte 940 Seiten umfasst. Es hätten aber auch gerne 1.940 Seiten sein dürfen.

Piper, 940 Seiten; 12,99 Euro


John Katzenbach

daumen rauf

Die Grausamen

Die Grausamen

In einer Herbstnacht verschwindet die 13-jährige Tessa Gibson spurlos – der Fall wird nie aufgeklärt. Zwanzig Jahre später werden zwei abgehalfterte Ermittler auf den Fall angesetzt. Gabriel („Gabe") ist Alkoholiker, traumatisiert von einer Familientragödie. Marta, eine ehemalige Drogenfahnderin, hat bei der Verfolgung eines Dealers versehentlich ihren Partner erschossen. Die beiden stoßen auf eine bislang unentdeckte Spur: Kurz nach Tessas Verschwinden ereigneten sich vier brutale Morde an jungen Männern, und offenbar besteht eine Verbindung zwischen diesen Verbrechen.

Ein echter Katzenbach – Spannung auf höchstem Niveau! In „Die Grausamen“ lässt Bestsellerautor John Katzenbach, der für seine Psychothriller bekannt ist, sein erstes Ermittlerduo einen verzwickten Fall lösen. Gabe und Marta haben das Zeug dazu, auch in weiteren Thrillern überzeugen zu können. In „Die Grausamen“ haben sie das. Den Fall, den sie lösen müssen, fordert ihnen einiges ab, dem Leser auch, da er schnell gefesselt ist und das Buch so schnell nicht wieder weglegen kann.

Droemer, 570 Seiten; 16,99 Euro


Toni Morrison

daumen rauf

Gott, hilf dem Kind

Gott hilf dem Kind

Lula Ann ist ein so tiefschwarzes Baby, dass ihre Mutter Sweetness bei der Geburt fast zu Tode erschrickt und der Vater die junge Familie auf der Stelle verlässt, weil er nicht glauben kann, dass dieses Kind von ihm ist. Sweetness erzieht Lula Ann zu Gehorsam und Unterwürfigkeit, nur nicht auffallen, aus Angst vor rassistischen Angriffen. Doch die heranwachsende Tochter sträubt sich gegen die verordnete Angepasstheit. Sie ändert ihren Namen, in Bride, kleidet sich in provokant strahlendes Weiß, macht Karriere bei einer Kosmetikfirma, verliebt sich in einen geheimnisvollen Mann und befreit sich auf ihre Weise von der Vergangenheit.

Schwarz und Weiß – der ewige Kampf, die ewige Ausgrenzung im Land der – ehemals – unbegrenzten Möglichkeiten. „Gott, hilf dem Kind“ thematisiert dass es Schwarz, etwas weniger Schwarz und helles Schwarz gibt, und dass es selbst da schon andere Auffassungen gibt. Doch was bedeutete die Hautfarbe eigentlich? Kann man sich nicht einfach davon freimachen? Einfach nur Mensch sein, mit dem Wissen und dem Können das man hat, mit der Liebe die man gibt. Nobelpreisträgerin Toni Morrisson zeigt anhand von einzelnen Frauenschicksalen, wie gespalten einzelne und am Ende das ganze Land in dieser Frage ist.

Rowohlt, 204 Seiten; 19,95 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Jason Dark

Geisterjäger John Sinclair Folge 113 – 116

Mandraka der SchwarzblutvampirDie Eismeer HexePlanet der MagierDie Totenmaske aus Atlantis

 

 

 

 

 

Er trinkt das Blut seiner Opfer. Und doch ist er kein klassischer Vampir. Vielleicht nicht einmal ein Dämon. Er stammt von einer anderen Welt, aus einer anderen Zeit. Er ist Mandraka, der Schwarzblutvampir! (Mandraka, der Schwarzblutvampir, Folge 113).

Mandraka war wieder da. Nach dem Untergang von Atlantis hatte er sich auf den Planeten der Magier geflüchtet. Doch wie sollten wir ihn besiegen? Angeblich lebte in den nördlichen Rocky Mountains ein Wesen, das uns weiterhelfen konnte. Rakina, die Eismeer-Hexe! Doch es sollte eine Reise ohne Wiederkehr werden (Die Eismeer-Hexe, Folge 114).

 John Sinclair und Suko sind auf dem Planeten der Magier verschollen -und so sucht Bill Conolly im Auftrag von Scotland Yard den einzigen Menschen auf, der das Tor zu dieser fremden Welt aufstoßen könnte: den Mathematiker und Magier Professor Chandler... und gerät damit in tödliche Gefahr (Planet der Magier, Folge 115).

John und Suko sind immer noch auf dem Planeten der Magier verschollen. Auch Bill Conolly hat es nun dorthin verschlagen - über das Tor in der Burg von Professor Chandler, die in identischer Weise in beiden Welten zu existieren scheint. Bills Hoffnung ist der einzige Mensch, der John und Suko retten kann: Nathan, der Schmied aus dem alten Atlantis (Die Totenmaske aus Atlantis, Folge 116).

John Sinclair ist mit den „Drei ???“ der Hörbuch-Kult schlechthin! Nach der Jubiläumsfolge 100 hat Dietmar Wunder, die deutsche Stimme von Hollywood-Star Daniel Craig 007, den Part des John Sinclair übernommen. Von Lübbe Audio eine perfekte Wahl. Mit ihm in der Hauptrolle kann der Kult noch gerne 200 Folgen lang weitergehen. Die Folgen 113 bis 116 „Mandraka, der Schwarzblutvampir“, „Die Eismeer-Hexe“, „Planet der Magier“ und „Die Totenmaske aus Atlantis“ sind eine zusammenhängende Geschichte. Die Folgen haben nicht alle die gleiche Qualität an Spannung und Überraschungsmomenten, aber als ganze Geschichte überzeugen die Folgen 113 bis 116 vollkommen. Mit dabei wieder alle bekannten Stimmen, die man aus den John-Sinclair-Hörspielen kennt.

Lübbe Audio, je 1 CD, je ca. 60 Minuten; je 7,90 Euro


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