Mai 2016

Kolumne vom 16.05.2016 - Nr. 404


Jörg Maurerdaumen rauf

Schwindelfrei ist nur der Tod

Schwindelfrei ist nur der Tod

Gerade noch schwebt ein Heißluftballon über dem Werdenfelser Land. Dann ist er verschwunden. Ein Absturz? Ein Unfall? Oder Mord? Kommissar Jennerwein und sein Team ermitteln auf windigen Gipfeln und bei aufgeblasenen Lokalprominenten. Doch Jennerwein wirkt bei der Spurensuche nach Unfall oder Mord merkwürdig unkonzentriert. Seit langem besucht er heimlich einen mysteriösen Unbekannten im Gefängnis. Was mag der verbrochen haben? Und warum sucht Jennerwein den Rat des Bestatterehepaars a.D. Grasegger? Da taucht der Unbekannte auf einmal im Kurort auf, und Jennerweins gesamte Existenz droht wie ein Ballon zu zerplatzen …

Jörg Maurer lässt seinen Kult-Kommissar Jennerwein zum achten Mal ermitteln. Ein großes Glück für den Leser. „Schwindelfrei ist nur der Tod“. Jede Seite ist ein spannendes und spaßiges Vergnügen! Jennerwein bekommt es diesmal mit der Familienbande zu tun, die weit in die Vergangenheit zurückreicht, und mit einem verzwickten und explosiven Fall. Wer den etwas anderen Kriminalroman lesen will, der greift zu einem Buch von Jörg Maurer. Skurrile, originelle und spannende Krimiunterhaltung! Klauen Sie sich für diese Lektüre ein paar Stunden aus ihrem Alltag – es wird ein unterhaltsamer Beutezug werden! Jennerwein, Eberhofer, Kluftinger – das sind Deutschlands liebste Kommissare!

Scherz, 426 Seiten; 14,99 Euro


Wednesday Martindaumen runter

Die Primaten von der Park Avenue

Die Primaten von der Park AvenueWas passiert, wenn eine passionierte Sozialforscherin nach Manhattan zieht, um dort, mitten unter den Reichen und Schönen New Yorks, ihre Kinder zu erziehen? Sie betreibt Feldforschung: Mit dem Blick der Anthropologin hat die Autorin Frauen in ihrer Nachbarschaft befragt und erzählt nun von der exotisch anmutenden Spezies rund um den Central Park. Sie beobachtet Frauen, die dass eigene Penthouse führen wie ein Vorstandsvorsitzender ein Unternehmen. Sie trifft Absolventinnen renommierter Elite-Universitäten, die sich von ihren Millionen schweren Ehemännern einen »Hausfrauen-Bonus« diktieren lassen. Und sie erzählt von Müttern, die ihre Kinder zu Bestnoten pushen und die Organisation eines Kindergeburtstags zum Weltereignis erklären.

Eine Anthropologin und Sozialforscherin erforscht die Primaten, die Mütter der Upper East Side, und wird nach und nach selbst Teil dieser speziellen Spezies Frau. Für die und den Normalsterblichen liest sich dieses Buch größtenteils als ob man auf dem Mond gelandete ist. Die Mütter der Upper East Side leben wahrlich auf einem anderen Planeten, bestimmt von Aussehen, Status, bester Kindererziehung (wobei „bester“ nicht unbedingt wirklich gut ist) und Unmengen von Geld. Wer als Normaler überlegt, ob er nun die Bio-Milch oder doch die im Angebot kauft, wird hier entschieden ob man die Handtasche für $ 5.000 oder $ 10.000 kauft. Und das ist eine lebenswichtige Entscheidung für die Frauen der Upper East Side. Dieser Vergleich zeigt, um was es in dem Buch geht. Vielleicht ist es auch erfrischend zu lesen, in welch goldenem Gefängnis die Manhattan-Mütter leben, ich konnte diese Frische nicht finden. Man könnte „Die Primaten von der Park Avenue“ auch in das Genre Fantasy einordnen, aber Fantasy, die in unserer Welt, in der es vielen nicht gut geht, Realität geworden ist. Rein ins Chanel-Kostüm, rauf aufs Sofa und in perfekter Haltung und High Heels dann dieses Buch „genießen“.

Berlin Verlag, 319 Seiten; 16,99 Euro


Tibor Rodedaumen rauf

Das Mona-Lisa-Virus

Das Mona Lisa VirusIn Amerika verschwindet eine Gruppe von Schönheitsköniginnen und taucht durch Operationen entstellt wieder auf. In Leipzig sprengen Unbekannte das Alte Rathaus, und in Mailand wird ein Da-Vinci-Wandgemälde zerstört. Gleichzeitig verbreitet sich auf der ganzen Welt ein Computervirus, das Fotodateien systematisch verändert. Wie hängen diese Ereignisse zusammen? Die Frage muss sich die Bostoner Wissenschaftlerin Helen Morgan stellen, als ihre Tochter entführt wird und die Spur nach Europa führt - hinein in ein Komplott, das in der Schaffung des berühmten Mona-Lisa-Gemäldes vor 500 Jahren seinen Anfang zu haben scheint...

Der Deutsche Tibor Rode gehört zu den aufstrebenden Thriller-Autoren in unserem Land! Mit seinen Thrillern „Das Rad der Ewigkeit“ und „Das Los“ hat er schon gezeigt, was er kann. Nun liegt sein drittes Buch vor „Das Mona-Lisa-Virus“. Ein Thriller, der einen mit seinen vielen Geheimnissen und den wechselnden Schauplätzen wie eine Gewehrkugel, die aus dem Lauf abgeschossen wird, durch die Geschichte preschen lässt. „Das Mona-Lisa-Virus“ ist aktuell und konsequent spannend verfasst. Da gibt es keine Längen, sondern es geht Schlag auf Schlag. Das liegt auch an der weit gefassten Story und den vielen Schauplätzen. Tibor Rode nutzt die Möglichkeiten, die er sich mit dieser Geschichte geschaffen hat, voll aus. „Das Mona-Lisa-Virus“ ist nicht ein Thriller, sondern er ist gleich mehrere auf einmal.

Auch als Hörbuch erhältlich bei Lübbe Audio. Tanja Geke bringt die rasante Spannung in einer rasanten Lesung herüber. 14,99 Euro.

Lübbe, 442 Seiten; 14,99 Euro


John Irvingdaumen rauf

Straße der Wunder

Straße der WunderJuan Diego und seine für alle anderen unverständlich sprechende Schwester Lupe sind Müllkippenkinder in Mexiko. Ihre einzige Überlebenschance: der Glaube an die eigenen Wunderkräfte. Denn Juan Diego kann fliegen und Geschichten erfinden, Lupe sogar die Zukunft voraussagen, insbesondere die ihres Bruders. Um ihn zu retten, riskiert sie alles. Juan und Lupe, zwei junge Migranten auf der Suche nach einer Heimat in der Fremde und in der Literatur.

Ein John-Irving-Meisterstück, wie man es von ihm gewohnt ist! Mit Liebe zum Detail und zu seinen Figuren erzählt er eine phantasievolle, humorige, traurige und glücklich machende Geschichte. Über einige Längen im Buch sieht man hinweg, wenn man die Fabulierkunst von John Irving schätzt. „Straße der Wunder“ bietet wundervolle Lesestunden!

Auch als Hörbuch erhältlich bei Random House Audio. Der große Geschichtenvorleser Johannes Steck entführt einen mit seiner Stimme wieder in eine andere Welt. 24,99 Euro. Auch erhältlich bei Random House Audio ist das Hörbuch von „Gottes Werk und Teufels Beitrag“. Gelesen von Johannes Steck. 24,99 Euro.

Diogenes, 772 Seiten; 26,00 Euro


Michael Tsokosdaumen rauf

Zersetzt

Zersetzt

BKA-Rechtsmediziner Dr. Fred Abel arbeitet an einem großen Fall: Ein winziger Einstich in der Kniekehle eines Toten verrät ihm, dass einer der gefährlichsten Killer der letzten Zeit weiterhin sein Unwesen treibt. Doch bevor Abel ihn stoppen kann, wird er in heikler Mission in den osteuropäischen Pseudostaat Transnistrien geschickt. Dort soll er zwei Mordopfer identifizieren, die in Kalkfässern gelagert wurden und fast vollständig zersetzt sind. Plötzlich steht Abel im Fadenkreuz eines politischen Komplotts.

Wenn man zu einem True-Crime-Thriller von Michael Tsokos greift, weiß man, was man geboten bekommt: Authentische Fälle, viel Spannung und lebensechte Figuren. „Zersetzt“ ist nichts für schwache Nerven. Ein Thriller wie ein Peitschenschlag! „Zersetzt“ ist nach „Zerschunden“ der zweite True-Crime-Thriller um BKA-Rechtsmediziner Dr. Fred Abel.

Auch als Hörbuch erhältlich bei Lübbe Audio. Der geniale David Nathan verleiht auch diesem Thriller unheimlich viel Ausdruck. 14,99 Euro.

Knaur, 427 Seiten; 14,99 Euro


Hörbuch der Wochedaumen rauf

Ule Hansen

Neuntöter

Neuntöter

Berlin, Potsdamer Platz. Beim Klettern auf einem Baugerüst macht ein Junge eine grausame Entdeckung: Drei Leichen, einbandagiert in Panzertape, hängen in schwindelerregender Höhe an den Gerüststangen. Sie sehen aus wie Mumien und scheinen in dieselbe Richtung zu blicken, als würden sie auf etwas warten. Als die menschenscheue Fallanalystin Emma Carow auf den Fall angesetzt wird, ist ihr schnell klar, dass er für ihre Karriere entscheidend ist. Doch je fester sie sich verbeißt, desto mehr droht ein altes Trauma sie in den Abgrund zu ziehen.

Ein literarischer Thriller der etwas anderen Art! „Neuntöter“ ist kein normaler Thriller, das liegt am Ton des Autorenduos und an der gebrochenen Hauptfigur Emma Carow. Sie ist sozusagen das weibliche Gegenstück zu dem trinkenden und von der Familie verlassenen schwedischen Kommissar. Ihre Vorgeschichte macht es für Emma nicht einfach. Als Leser leidet man mit der Hauptfigur und den Opfern. Dem Berliner Autorenduo Ule Hansen gelingt mit ihrem Thriller-Debüt eine eindrucksvolle Vorstellung auf dem deutschen Thriller-Markt. Die Lesung hat es auch in sich. Friederike Kempter, bekannt als Nadesha Krusenstern aus dem Münster-„Tatort“, liest elegant, klar und frisch. Bitte mehr davon!

Auch als Paperback erhältlich bei Heyne, 16,99 Euro.

Random House Audio, 2 MP 3CD, 767 Minuten; 19,99 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 02.05.2016 - Nr. 402


Michael Connellydaumen rauf

Götter der Schuld

Götter der Schuld

Der pragmatische, mit allen Wassern gewaschene Anwalt Mickey Haller wird in Los Angeles in den Mordfall an einer Prostituierten verwickelt. Er kennt die Tote, denn er hatte Gloria Dayton schon vor Gericht erfolgreich verteidigt. Die Anklage wegen Kokainschmuggels wurde fallengelassen, als die Frau ihre Hintermänner preisgab. Eigentlich hätte sie gar nicht in L.A. sein dürfen, sondern auf Hawaii. Doch nun wird ihr Online-Administrator, oder Zuhälter, des Mordes beschuldigt. Der Mann beteuert seine Unschuld, und Haller wird den Verdacht nicht los, dass sein Erfolg damals vor Gericht noch ganz andere Folgen gehabt hat ...

Kämpfen Sie nicht gegen das Nichtlesen dieses Thrillers an – Sie werden so und so verlieren. Ein Gerichtsthriller at its best! Mickey Haller ist die Kultfiguren unter den literarischen Anwälten! Es gibt derzeit keinen auf dem Buchmarkt, der ihm das Wasser reichen kann. Auch die zahlreichen Nebenfiguren gibt Michael Connelly ein bleibendes Gesicht. Man lernt auch das amerikanische Justizsystem kennen – ob man will oder nicht, denn dieses System ist oft schon Thriller genug. Michael Connelly versteht etwas von Spannung. In „Götter der Schuld“ stellt er das mal wieder eindrucksvoll unter Beweis.

Droemer, 508 Seiten; 19,99 Euro


Andreas Winkelmanndaumen runter

Killgame

KillgameDas Mädchen hat Angst. Seit Tagen ist sie in einem Verschlag unter der Erde gefangen. Jemand wirft Laufkleidung herunter und lässt die Klappe offen. Sie klettert aus ihrem Gefängnis und beginnt zu rennen. In die Freiheit. In den Wald. Da zischt der erste Pfeil haarscharf an ihrem Kopf vorbei. Wo anders hat Dries Torwellen geschworen, seine Nichte zu finden, die von zu Hause ausgerissen ist. Die Spur führt ihn zu einer Lodge in den tiefen Wäldern Kanadas. Ihre Betreiber werben mit einem einzigartigen Urlaubserlebnis. Einem Erlebnis, das alle Grenzen sprengt ...

Die Idee ist zwar nicht neu, aber trotzdem war ich sehr gespannt wie einer von Deutschlands Thriller-Kings dieses Thema umsetzt. Leider wurde ich sehr enttäuscht, denn Andreas Winkelmann hatte zwar eine gute Plotidee, setzt sie aber miserabel um. Der Titel „Killgame“ ist noch das Spannendste am ganzen Buch. Fast schon unerklärlich, wie ein so guter Thriller-Autor diese Story so langweilig und langatmig umsetzten konnte. Auch die Figuren animieren einen nicht zum weiterlesen, sie nerven nach einer Zeit auch nur noch. „Killgame“ – „Flopgame“.

Wunderlich, 426 Seiten; 14,99 Euro


Jannike Stöhrdaumen rauf

Das Traumjob-Experiment

Das Traumjob-ExperimentDieser sehnsüchtige Blick aus dem Fenster, wenn einmal mehr der Kollege nervt, der Computer abstürzt, der Alltag langweilt, und man sich fragt, ob man nicht besser Surflehrer geworden wäre. Oder Biobauer. Jannike Stöhr hört auf zu grübeln und handelt. Innerhalb eines Jahres testet sie dreißig Jobs. Sie ist Freizeitparkbetreiberin, Pathologin, Hebamme, schaut Menschen über die Schulter, die ihrem Job mit Leidenschaft nachgehen. Und findet etwas, mit dem sie nicht gerechnet hat.

Ein Buch das richtig Spaß macht! Jannike Stöhrs Streifzeug durch unsere Berufswelt bietet viel Abwechslung, interessante Einblicke, lustige und nachdenkliche Geschichten. Eine pfiffige Lektüre! Diese entführt einen kurz in die Berufe der Reiseleiterin, Verkäuferin, Lehrerin, Winzerin, Familienaufstellerin, Architektin, Tierpräparatorin, Opernagentin, Pastorin und noch viele mehr entführt. Jeder Job fordert Jannike Stöhr anders. Körperlich sind manche Berufe anstrengender als die Autorin das dachte, und man verdient viel weniger als sie vermutet hatte. Es zeigt auch, wie viele unterschiedliche Berufe es gibt (es ist ja nur ein kleiner Auszug) und mit wie viel Herzblut die Menschen diesen nachgehen. Mit Leidenschaft und Hingabe kann man fast alles erlernen, das zeigt einem dieses Buch. „Das Traumjob-Experiment“ ist ein Buch für Entdecker. Der ein oder andere wird nach der Lektüre vielleicht wirklich überlegen, ob er mal den ein oder anderen Job ausprobieren oder gar komplett umsatteln will.

Eichborn, 269 Seiten; 16,00 Euro


Nicholas Sparksdaumen rauf

Wenn du mich siehst

Wenn du mich siehstColin Hancock hat schon viele dumme Entscheidungen in seinem Leben getroffen und bitter dafür büßen müssen, eine Beziehung ist das Letzte, was er sucht. Doch dann wechselt er bei Nacht und Regen der 28-jährigen Anwältin Maria nach einer Panne den Reifen. Maria und Colin passen scheinbar nicht zusammen und doch verlieben sie sich rettungslos ineinander. Aber es droht Gefahr, denn ein finsteres Kapitel aus ihrer Vergangenheit holt Maria ein und lässt sie um ihr Leben fürchten. Werden die alten Dämonen alles zerstören, oder kann ihre Liebe Colin und Maria in der dunkelsten Stunde retten?

Nicholas Sparks ist bekannt für seine einfühlsamen Geschichten, die kein Herz unberührt lassen. Das schrieb ich schon vor zehn Jahren, und es trifft auch heute noch zu. Nach fast zwanzig Büchern hält er immer noch seine hohe Qualität. Sehr beachtlich! „Wenn du mich siehst“ ist bevölkert von zahlreichen ausgezeichnet dargestellten Figuren. Mit den Hauptdarstellern Colin und Maria (das Buch wird wohl auch verfilmt werden) ist man bei jeder guten und schlechten Entscheidung gefühlsmäßig immer gefordert, denn man wird so mitgerissen von der Geschichte. „Wenn du mich siehst“ = Liebe, Drama, Thriller – ein Cocktail, den man nicht widerstehen kann!

Auch als Hörbuch erhältlich bei Random House Audio. Alexander Wussow entführt einen mit seiner umschmeichelnden Stimme wunderbar in die romantische Welt des Nicholas Sparks. 19,99 Euro.

Heyne, 569 Seiten; 19,99 Euro


Dr. David Perlmutterdaumen rauf

Scheißschlau

Scheißschlau

Neurologische Krankheiten nehmen rapide zu – von chronischen Kopfschmerzen, ADHS und Depressionen bis zu Demenz oder Parkinson. Doch jetzt zeichnet sich eine medizinische Revolution ab, die Vorsorge und Behandlung für immer verändern wird. Denn die Gesundheit Ihres Gehirns ist in hohem Maße abhängig vom Zustand Ihres Mikrobioms – Mikroorganismen, die den menschlichen Körper und insbesondere den Darm besiedeln.

Die provokanten Titel „Dumm wie Brot“ und nun „Scheißschlau“ können mit ihrem bahn brechenden Inhalt Ihr Leben positiv verändern. Daher: Pflichtlektüre! Auf dem Frühstückstisch und auf dem Klo. „Scheißschlau“ verrät Ihnen, wie Sie Ihren Darm pflegen können, damit sich dort auch viele gute Mikroorganismen versammeln und Sie gesund erhalten oder machen. Dazu gehört vor allem die richtige Ernährung!

Mosaik, 367 Seiten; 14,99 Euro


Hörbuch der Wochedaumen rauf

Kerstin Gier

Für jede Lösung ein Problem

Für jede Lösung ein Problem

Gerri schreibt Abschiedsbriefe an alle, die sie kennt, und sie geht nicht gerade zimperlich mit der Wahrheit um. Nur dummerweise klappt es dann nicht mit den Schlaftabletten und dem Wodka - und Gerris Leben wird von einem Tag auf den anderen so richtig spannend. Denn es ist nicht einfach, mit seinen Mitmenschen klarzukommen, wenn sie wissen, was man wirklich von ihnen hält. Und dazu kommt dann noch das Problem mit der Liebe. Das ist auch nicht so einfach.

„Für jede Lösung ein Problem“ ist einer der ganz großen Bestseller von Kerstin Gier. 2006 erschienen, gibt es ihn jetzt auch wieder als Hörbuch. Liebreizende Charaktere, eine turbulente Geschichte und ein schlagfertiger Wortwitz zeichnen „Für jeden Lösung ein Problem“ aus. Ein Schmunzeln bereitet einem auch der Aurora Verlag im Buch, für den Gerri Heftromane schreibt. Da hat die Lübbe-Autorin Kerstin Gier doch glatt Bastei Lübbe aus Vorbild genommen. Aber das ist ja schon bekannt. Die geniale Josefine Preuß macht aus diesem Hörbuch eine komödiantische Hördelikatesse. Sie bringt die Geschichte mit so viel Schwung rüber, ein Genuss ihr zuzuhören.

Auch als Taschenbuch erhältlich bei Bastei Lübbe, 8,99 Euro.

Lübbe Audio, 4 CDs, 242 Minuten; 12,99 Euro


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Kolumne vom 09.05.2016 - Nr. 403


Nikolaus Wachsmanndaumen rauf

KL

KL- Nikolaus Wachsmann

Eine Geschichte der Konzentrationslager von den improvisierten Anfängen 1933 bis zu ihrer Auflösung 1945. Diese erste umfassende Darstellung vereint sowohl die Perspektive der Täter als auch jene der Opfer, sie zeigt die monströse Dynamik der Vernichtungspolitik und verleiht zugleich den Gefangenen und Gequälten eine Stimme. Der Autor hat eine enorme Menge an Quellen und Forschungsliteratur ausgewertet, Tagebücher und Briefe der Lagerinsassen, Prozessunterlagen, SS- und Polizeiakten, ein Teil davon erstmals hier verwendet. Auf diese Weise konnte er die Praktiken der Täter, die Einstellungen der Gesellschaft und die Welt der Opfer in einem großen epischen Rahmen zusammenführen, konnte das Leben und Sterben im Lager, die individuellen Schicksale schildern, aber auch die politischen, ökonomischen und militärischen Umstände, die Hintergründe der NS-Vernichtungspolitik.

Ein erschütterndes Buch, das den Leser tief in die Materie entführt. Es ist eine Reise des Grauens, die man mit Nikolaus Wachsmann hier unternimmt. Der Autor zeigt die nationalsozialistischen Konzentrationslager in ihrer Gesamtheit. Das umfasst eine Schilderung der Vorkriegsursprünge; die Entstehung und den Ausbau des KL-Systems zwischen 1933 und 1939; den Abstieg in den Massentod und die massenhaften Hinrichtungen in der ersten Kriegsphase; wie Auschwitz in ein Todeslager ungewandelt wurde; das Alltagsleben der Häftlinge und des SS-Personals im besetzten Osteuropa; die Weiterentwicklung des KL-Systems in den Jahren 1942 und 1943; die rasche Ausbreitung der Außenlager in den Jahren 1943 und 1944; die Ausbeutung Hunderttausender Häftlinge und vor welchen ausweglosen Entscheidungen die Lagerinsassen standen und die Zerstörung der Lager und einem letzten Gewaltexzess in den Jahren 1944 und 1945. „KL“ ist ein Buch, das zeigt, wie grausam die Bestie Mensch wüten kann.

Siedler, 984 Seiten; 39,99 Euro


Orna Donathdaumen runter

#regretting motherhood – Wenn Mütter bereuen

regretting motherhood  Wenn Mütter bereuenMutter zu sein, ist Vollendung und macht glücklich. Punkt. Wer etwas anders behauptet, ist selbstsüchtig, Rabenmutter oder nicht ganz normal. Das Buch thematisiert, was bisher kaum ausgesprochen wird: Dass viele Frauen in der Mutterschaft nicht die "vorgeschriebene" Erfüllung finden. Dass sie ihre Kinder lieben und trotzdem nicht Mutter sein wollen. Mit ihrer Forschung zu Müttern, die bereuen, löste die israelische Soziologin Orna Donath weltweit eine Debatte aus, die noch völlig am Anfang steht.

„#regretting motherhood – Wenn Mütter bereuen“ ist ein sehr gutes Buch! Endlich bekommen auch die Frauen eine öffentliche Stimme, die zwar Kinder bekommen haben, aber dies meist nur aus gesellschaftlichem oder partnerschaftlichem Druck. Selbst wollten diese Frauen aber eigentlich nicht Mutter werden. Ich kenne selbst Frauen, die Mutter geworden sind, es bereuen, ihr Kind aber trotzdem lieben, oder es einfach hassen Mutter zu sein, aber dem Kind nun halt irgendwie gerecht werden wollen, oder einfach auch die Entscheidung treffen, keine Mutter werden zu wollen. Jede Frau muss selbst entscheiden können was sie will, Mutter oder keine Mutter, ohne von außen dafür verurteilt zu werden! Das arbeitet dieses Buch gut heraus, durch die Stimmen der Frauen, die in diesem Buch zu Wort kommen. Was wahnsinnig stört, ist die überbordende psychologische Betrachtung und Einordnung der Autorin, was den Hauptteil des Buches darstellt. Das hätte es nicht gebraucht, und die Autorin wiederholt sich auch immer und immer wieder. Das Buch ist also sehr lesenswert, wenn man nach einer Zeit einfach das, was die Autorin von sich gibt, überspringt, und nur die Zitate der interviewten Frauen liest.

Knaus, 272 Seiten; 16,99 Euro


Titiou Lecoqdaumen rauf

Die Theorie vom Marmeladenbrot

Die Theorie vom MarmeladenbrotParis im Jahr 2006: In einem Chatroom begegnen sich drei Menschen, deren Wege sich im realen Leben niemals gekreuzt hätten. Christophe, ein Web-Journalist der ersten Stunde, versucht der Pleite zu entgehen und Investoren zu finden. Die Bloggerin Marianne taucht in einem Pornovideo auf, und versucht mit Hilfe von Christophe und Paul, der gegen seine Eltern rebelliert, das Video „unschädlich“ zu machen. Aus der flüchtigen Begegnung wird ein großes Abenteuer. Paris im Jahr 2015: Marianne, Christophe und Paul sind erwachsen geworden, Ihre großen Träume drohen zu scheitern, im Leben wie in der Liebe, doch reift in ihnen eine wichtige Erkenntnis: echte, keine virtuellen, Freunde sind etwas Besonderes.

Die bezaubernde Französin Titiou Lecoq hat mit „Die Theorie vom Marmeladenbrot“ einen ebenso bezaubernden, witzigen, modernen, einfach einen wundervollen Roman geschrieben. Eine Geschichte, in die man sich schnell verliebt, genauso wie in die liebreizenden und so normalen Charaktere. „Die Theorie vom Marmeladenbrot“ ist eine Liebesgeschichte, eine zutiefst menschliche, und eine über das Internet. Denn wie Titiou Lecoq so über das Internet schreibt, und was es mit uns anstellt, spürt man die Liebe zu diesem mittlerweile unverzichtbaren Medium. Wie das Internet unser Leben und unsere Kommunikation in den letzten zehn Jahren verändert hat, das erfährt man hier dezent eingearbeitet in dieser schönen Geschichte.

Ullstein, 342 Seiten; 20,00 Euro


Louisa Youngdaumen rauf

Alles worauf wir hofften

Alles worauf wir hofftenLondon, 1919. Der große Krieg ist vorbei, endlich kann Nadine ihren von den Kämpfen gezeichneten Riley heiraten. Doch Normalität scheint unmöglich. Erst ihre Hochzeitsreise durch das aufgewühlte Italien hilft Nadine und Riley, ihre Ehe auf Liebe zu gründen statt auf Abhängigkeit und Mitleid. Auf dem Landsitz Locke Hill wohnen Nadines Freunde Julia und Peter zwar in einem Haus zusammen, doch sie leben meilenweit voneinander entfernt. Die Traumata des Krieges belasten die Ehe schwer. Und während Nadine und Riley der gesellschaftliche Aufstieg in der sich neu findenden Nachkriegswelt gelingt, können Peter und Julia keinen Frieden mit der Vergangenheit schließen.

Die Liebe, der Krieg, die Zerstörung von Gefühlen, Körpern und Leben darum geht in „Alles worauf wir hofften“. Diese Tragik, diese Trauer, diese Verzweiflung, dieses wirre Wort mit dem Namen Liebe, der Krieg, der sie überleben lässt, aber sie und alle herum trotzdem tötet – innerlich. „Alles worauf wir hofften“ ist beängstigend gut erzählt!

List, 348 Seiten; 18,00 Euro


François Lelorddaumen rauf

Hector und die Suche nach dem Paradies

Hector und die Suche nach dem Paradies

Hector ist 25 und zum ersten Mal so richtig verliebt. In Clotilde, eine Kollegin aus dem Krankenhaus, schön wie ein Botticelli-Engel, aber leider auch genauso unnahbar. Immerhin kann er mit ihr über etwas reden, das ihm nach dem Tod eines kleinen Patienten auf der Seele liegt: Wie kann Gott, wenn es ihn gibt, nur so etwas Grausames zulassen? Als dann mehrere Patienten der Klinik nach dem Genuss eines Tees apokalyptische Wahnvorstellungen haben, findet sich Hector neben Clotilde in einem Flugzeug in Richtung Himalaja wieder. Der Auftrag: zu verhindern, dass die falschen Leute hinter das Geheimnis des Tees kommen.

Der französische Bestseller-Autor François Lelord hat sich mit seinen inspirierenden „Hector“-Romanen weltweit in die Herzen der Leser geschrieben! „Hector und die Suche nach dem Paradies“ ist Hectors erste Reise, aber der siebte Band der Reihe. Eine berührende Geschichte über die Liebe, den Glauben, die Hoffnung, und das, was uns ausmacht und das was von uns bleibt.

Piper, 253 Seiten; 18,00 Euro


Hörbuch der Wochedaumen rauf

Pierre Jarawan

Am Ende bleiben die Zedern

Am Ende bleiben die Zedern

Samirs Eltern sind kurz vor dessen Geburt aus dem Libanon nach Deutschland geflohen. Samir wächst in Deutschland auf lernt wie gemein das Leben auch hier sein kann, aber trotzdem kommt er in der Gesellschaft an. Als sein geliebter Vater spurlos verschwindet, ist Samir acht. Jetzt, zwanzig Jahre später, macht er sich auf in das Land der Zedern, um das Rätsel dieses Verschwindens zu lösen. Im Libanon und dessen Hauptstadt Beirut lernt er nicht nur freundliche Menschen kennen, sondern auch das Land seiner Eltern. Und das Geheimnis seines Vaters …

Vor zwanzig, dreißig Jahren war der Libanon was heute Syrien ist. Der Libanon musste nach dem Bürgerkrieg auch wieder aufgebaut werden. Das ist einer der Themen die Pierre Jarawan in seinem beachtenswerten Romandebüt „Am Ende bleiben die Zedern“ behandelt. Er schreibt darin aber auch über die Schönheit, die Rohheit und Vielfältigkeit von Beirut und dem Libanon. Eine breigefächerte und hingebungsvolle Geschichte. Leider damals wie heute aktuell, wie im arabischen Raum ein Land durch einen sinnlosen Krieg zerstört wird. Die Menschen, die im Krieg ihr Leben oder ihre Seele verlieren, zu Flüchtlingen werden und auch wieder zurückkehren. Im Vordergrund steht aber die Suche nach dem Vater, nach seinen eigenen Wurzeln und nach einer lang verschwiegenen Geschichte. Timo Weisschnur liest feinfühlig und dramatisch. Und es ist verrückt, in manch Nuancen klingt er wie der geniale David Nathan. So schön der Roman, so schön ist die Lesung.

Auch als Hardcover erhältlich bei Berlin Verlag, 22,00 Euro.

Osterwold Audio, 8 CDs, 586 Minuten; 21,99 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 23.05.2016 - Nr. 405


Martin Walkerdaumen rauf

Eskapaden

Eskapaden

In Saint-Denis wird Marco Desaix der Patriarch genannt, Kriegsheld mit hochrangigen Kontakten zur französischen, russischen und israelischen Regierung. Und er ist Brunos Jungendidol. Auf seinem Schloss lernt Bruno dann den Gastgeber und dessen Familie kennen, und bekommt einige familiäre und politische Themen serviert. Als am nächsten Tag ein Gast tot aufgefunden und sofort eingeäschert wird, beginnt Bruno zu ahnen, dass dieser nur eine von mehreren Leichen im wohlgefüllten Weinkeller sein dürfte.

Nicht alle sieben Bruno-Romane zuvor waren ein kriminalistischer Hochgenuss, der aktuelle Fall „Eskapaden“ hat aber seine Reize, die er auch sehr oft ausspielt. Bruno, Chef de police, muss, wie gewohnt, an mehreren Fronten kämpfen. Der Kriminalfall führt ihn in die politische und geheimdienstliche Ecke, die Bewohner seiner Stadt treiben ihn auch um, genauso wie die Liebesbeziehung zu Dauerfreundin Pamela. Überall kracht es. Ein gemütlicher Krimi, der einem Bruno, das Périgord, den Wein und überhaupt Frankreich und seine Menschen auf spannend unterhaltsame Weise näher bringt. Der Schotte Martin Walker schafft es also auch mit dem achten Roman der Bruno-Reihe, seine Leser zu überzeugen.

Auch als Hörbuch erhältlich bei Diogenes Hörbuch. Martin-Walker-Stammvorleser Johannes Steck liest auch diesmal. Der große Geschichtenvorleser Johannes Steck macht wieder einen exquisiten Job. 24,99 Euro.

Diogenes, 393 Seiten; 24,00 Euro


Nell Zinkdaumen runter

Der Mauerläufer

Der MauerläuferBerner Oberland, 21. Jahrhundert. Dies und das passiert, nachdem das Auto den Felsen geschrammt hat. Tiffany ist nicht mehr schwanger. Stephen fängt, na ja, den wunderbarsten Vogel überhaupt – flink, in einer Art Tarnkleid und schön –, so einen hat er zum allerersten Mal gesichtet. Und der Mauerläufer, der Mauerläufer macht: "Twii!" Seitensprünge, Vogelbeobachtung, Drogen, Kinderwunsch, Dubstep, Sex, lästigen kleinen Pflichten, Öko-Aktivismus und Orten wie Bern, Berlin, Sachsen-Anhalt und dem Balkan reichen sich hier die Hand.

Vögel, Sex, Ehe und viele Belanglosigkeiten, das ist „Der Mauerläufer“. Ein Roman, der in Amerika hoch gelobt wurde. Nicht zuletzt von Bestsellerautor Jonathan Frantzen. Doch hier ist dieses Lob nur schwer nachzuvollziehen. Eine Geschichte, die vieles anreißt, aber nichts vertieft. Es streift auch mehrere Genres, aber das auch nur mehr schlecht als recht. Erotik, Krimi, Drama. Der Stil hat schon was, aber er wird auch nicht konsequent durchgehalten. Und was nützt ein schöner Stil, wenn die Story sich in zu vielem verzettelt und dann doch kaum etwas richtig anreißt. „Der Mauerläufer“ ist ein kleiner Roman, der, wenn er richtig erzählt worden wäre, auch richtig gut hätte werden können.

Rowohlt, 188 Seiten; 19,95 Euro


Matthew J. Arlidgedaumen rauf

Kalter Ort

Kalter OrtAls Ruby aufwacht, weiß sie sofort, dass sie nicht in ihrem eigenen Bett liegt. Doch das ist nur der Beginn ihres Albtraums. Jemand hält sie in einem Keller gefangen. Und ihr Kerkermeister nennt sie Summer. Am anderen Ende der Stadt. Ein Kind findet beim Spielen am Strand eine Frauenleiche, tief vergraben im Sand. Vor Ort birgt die Polizei weitere Opfer. Allerdings hat niemand sie vermisst gemeldet, weder Eltern noch Freunde. Für DI Helen Grace Beweis genug, dass sie es mit einem Täter zu tun hat, der extrem klug und vorsichtig agiert. Und plötzlich begreift sie, dass für jemanden die Uhr ticken könnte, der noch am Leben ist.

„Kalter Ort“ ist nach „Einer lebt, einer stirbt“ (Eene Meene) und „Schwarzes Herz“ der dritte Fall für DI Helen Grace. Der Brite Matthew J. Arlidge hat mir Helen Grace eine Serienfigur erschaffen, von der man nicht genug bekommen kann. „Kalter Ort“ ist ein Thriller mit unglaublich hohem Tempo. Die kurzen Kapitel, 142 an der Zahl, peitschen einen durch die Story. Der Thriller wartet auch mit einem Killer auf, dessen Handeln psychologisch ausgefeilt ist. Die Story dreht sich aber auch um den Polizeiapparat, und auch hier im Mittelpunkt DI Helen Grace. Die einen wollen sie weg haben, die anderen verehren sie. So entwickelt sich zur Hauptstory hier noch eine spannende Nebenstory.

Rowohlt, 381 Seiten; 9,99 Euro


Scholem Alejchemdaumen rauf

Tewje, der Milchmann

Tewje, der MilchmannArm an Geld, reich an Kindern, träumt der Milchmann Tewje von einem Leben ohne Not und Leid. Doch nach einem unverhofften Geldsegen wendet sich das Blatt, man nimmt ihm seine Familie und seine Heimat. So bleibt er ganz allein in der Welt zurück, mit nichts als seinem Gottvertrauen und seinem jüdischen Humor. Allen Schikanen des Daseins setzt er ein humanes, verschmitztes Trotzdem entgegen, das Trotzdem des wahren Humoristen, der noch unter Tränen lacht und scherzt.

„Tewje, der Milchmann“ erschien erstmalig 1894 – 1916, nun liegt eine Neuübersetzung vor. Ein Buch, das zur Weltliteratur gehört. Der Roman ist wie ein heller Stern in dunklen Zeiten. Er verbindet Tragik mit Humor auf geschickte Weise. Tewje ist eine Figur, die man nicht so schnell wieder vergisst. Scholem Alejchem (1859 – 1916) gilt als Begründer der jiddischen Literatur. Als er im Mai 1916 starb, folgten 150.000 Menschen seinem Sarg auf den Friedhof von Brooklyn.

Manesse, 282 Seiten; 24,95 Euro


Gunter Gebauerdaumen rauf

Das Leben in 90 Minuten

Das Leben in 90 Minuten

Warum darf man im Fußball die Hände nicht benutzen und muss mit dem schwächeren Körperteil, den Füßen, kommunizieren? Wie kommt es zu dem blinden Verständnis, dass das Spiel der Topmannschaften prägt? Warum kann schon der kleinste Fehler ein Spiel drehen? Und wenn man auf die Ränge schaut: Wie kommt es, dass sich wildfremde Menschen in den Armen liegen und den Sieg ihrer Mannschaft feiern? Der Philosoph und Sportdenker Gunter Gebauer geht diesen und noch viel mehr Fragen nach.

In zwei Wochen startet die Fußball EM in Frankreich. Da kommt dieses Buch gerade zur richtigen Zeit, sich mal philosophische Gedanken über den Fußball zu machen. Für Fußball-Muffel: das eine schließt das andere tatsächlich nicht aus. Kluge Gedanken über einen mitreißenden Sport, die findet man in dem Buch von Gunter Gebauer zuhauf. „Das Leben in 90 Minuten“ – ein Buch, das man öfter lesen kann, vor und nach dem Spiel!

Pantheon, 319 Seiten; 14,99 Euro


Hörbuch der Wochedaumen rauf

Angela Marsons

Silent Scream

Silent Scream

Eisig glitzert der Frost auf der tiefschwarzen Erde des Black Country, als die Geräte der forensischen Archäologen den Fund menschlicher Überreste anzeigen und Detective Kim Stone den Befehl zur Grabung erteilt. Nur wenige Schritte entfernt liegt das verlassene Gebäude des Kinderheims. Eine der ehemaligen Angestellten ist bereits tot, und auch das Leben der verbliebenen hängt am seidenen Faden. Kim ist überzeugt, dass die Lösung des Falls im lehmigen Boden begraben liegt, doch um ihm auf den Grund zu kommen, muss sie sich den Dämonen ihrer eigenen Kindheit stellen. Und noch ahnt sie nicht, was sich in Crestwood zugetragen hat und mit wem sie sich anlegt …

„Silent Scream“ ist kein ruhiger Thriller, sondern einer der aufwühlt. Die Figuren sind gut gezeichnet, besonders die Hauptfigur Detective Inspector Kim Stone sticht heraus. Die Engländerin Angela Marsons hat mit Kim Stone eine Figur erschaffen, die in Serie gehen wird. Bei dem Erfolg des ersten Bandes kein Wunder. In Großbritannien war „Silent Scream“ ein Nr. 1-Bestseller. Gelesen wird dieser düstere Thriller vom Ehepaar Andrea Sawatzki und Christian Berkel. Beide gehören in Deutschland zur ersten Schauspieler-Riege. Hier zeigen sie mit ihren eindrucksvollen Stimmen, wie vielseitig sie sein können. Andrea Sawatzki hat dabei aber den weitaus größeren Part.

Auch als Paperback erhältlich bei Piper, 14,99 Euro.

Der Hörverlag, 1 MP3 CD, 558 Minuten; 14,99 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 30.05.2016 - Nr. 406


Stephen Kingdaumen rauf

Basar der bösen Träume

Basar der bösen Träume

„Basar der Bösen Träume“ ist eine umfassende Kurzgeschichtensammlung des Bestsellerautors. Von den insgesamt 20 Storys wurden bislang erst drei auf Deutsch veröffentlicht. Die Originale erschienen teilweise in Zeitschriften; andere sind bislang gänzlich unveröffentlicht. Nicht immer blanker Horror, aber immer psychologisch packend und manchmal schlicht schmerzhaft wie ein Schlag in die Magengrube. Stephen King schreibt dazu: »Hereinspaziert, ich habe die Geschichten eigens für Sie geschrieben. Aber seien Sie vorsichtig. Bestenfalls sind sie bissig und schnappen zu.«

Oh, Stephen King, was machen Sie nur mit Ihren Lesern? Sie nicht nur mit Ihren unvergesslichen, gruseligen und dramatischen Romanen begeistern, sondern auch immer wieder mal mit denen von Ihnen so heiß geliebten Kurzgeschichten. Von denen bekommt der Leser in „Basar der bösen Träume“ nun wieder eine ganze Menge geboten. Nicht alle erreichen das höchste Level, aber man kann sich trotzdem keiner der Geschichten entziehen. Stephen King kann’s lang und kurz! Da gibt’s ein gefräßiges Auto, das Menschen verspeist; eine ungeliebte Ehe, die plötzlich zu Ende geht; ein alter Mann und seine geliebte Insel; einen bösen Jungen; ein Journalist, der Nachrufe verfasst und damit Böses heraufbeschwört; und noch viele mehr. Zu jeder Kurzgeschichte schreibt Stephen King auch noch eine kurze Einleitung. Das macht die Geschichten dann noch spannender.

Auch als Hörbuch erhältlich bei Random House Audio. Wie immer liest der geniale David Nathan Stephen King. Wie immer eine perfekte Lesung. 19,99 Euro..

Heyne, 766 Seiten; 22,99 Euro


Mary Kay Andrewsdaumen runter

Ein Sommer ohne Liebe

Ein Sommer ohne LiebeGreer ist Location-Scout. Sie ist immer auf der Suche nach den besten Drehorten für die großen Kinofilme. Ihr aktuelles Projekt führt Greer nach Cypress Key, das wohl letzte urige Fischerdorf an der Golfküste Floridas. Hier hat alles noch seinen ursprünglichen Charme – und das gilt auch für den umweltbewussten, aber durchaus attraktiven Bürgermeister Eden. Der ist nämlich alles andere als begeistert von der Idee, dass eine riesige Filmcrew sein geliebtes Städtchen bevölkert und verschmutzt. Während die beiden noch streiten, merkt Greer, dass sie vielleicht gerade ihr Herz verliert …

Mary Kay Andrews schreibt heitere und spritzige Liebesromane! Seit ihrem großen Bestseller „Die Sommerfrauen“ ließ sie viele weitere folgen. Die Autorin hat sich zur Sommerroman-Autorin entwickelt, auch wenn sie Geschichten schreibt, bei denen nicht immer die Sonne scheint. Ihr aktueller Roman „Kein Sommer ohne Liebe“ klang sehr vielversprechend, aber Mary Kay Andrews verzettelt sich mit der Geschichte. So richtig Schwung kommt nie rein. Die 525 Seiten sind definitiv viel zu lang für diese Story, so wie sie erzählt wird. Das ist schade, denn aus der Grundidee hätte man viel mehr machen können, als einen mittelmäßigen Liebesroman.

Fischer, 525 Seiten; 9,99 Euro


John Dos Passosdaumen rauf

Manhattan Transfer

Manhattan TransferIm New Yorker Dschungel herrscht das Jagdfieber: Arbeit, Glück und Macht, das will man. Die Figuren des Romans – ein junger Einwanderer, ein Gewerkschaftsführer, ein Mörder, ein Karrierist, eine nach Selbstständigkeit strebende Frau, ein sensibler Alkoholiker und andere – scheinen aus der unbestimmbar großen Masse der Stadtbewohner herausgerissen, um irgendwann wieder in ihrem Gewühl unterzugehen. Die zentrale Hauptfigur des Romans ist jedoch die Großstadt New York von den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts bis nach dem Ersten Weltkrieg.

John Dos Passos New-York-Klassiker ist das erste Mal 1925 erschienen. Rowohlt präsentiert ihn nun in einer Neuübersetzung. Ein Klassiker, der modern ist, das ist „Manhattan Transfer“. Ein schicker Roman in Sprache und mit seiner Geschichte. John Dos Passos (1886 -1970) revolutionierte 1925 mit diesem Großstadtporträt den amerikanischen Roman. „Manhattan Transfer“ erzählt von den kleinen Menschen in der großen City New York. Eine Stadt, die jeden Einzelnen verschlingen kann. Man leidet und fühlt mit den Figuren. John Dos Passos schreibt klar und nüchtern. Er gehörte damals, wie heute, zu den ganz Großen amerikanischen Schriftstellern, wie einst Ernest Hemingway, William Faulkner und F. Scott Fitzgerald.

Auch als Hörbuch erhältlich bei Hörbuch Hamburg. Ein Hörspiel, das einen vom Sofa fegt! Mit den Sprechern Ulrich Matthes, Ulrich Noethen, Axel Prahl, Maren Eggert u. a. 19,99 Euro.

Rowohlt, 540 Seiten; 24,95 Euro


Eva Almstädtdaumen rauf

Ostseetod

OstseetodIn einem kleinen Dorf an der Ostsee verschwindet ein elfjähriges Mädchen. Die Suchaktion bleibt erfolglos; angeheizt durch Gerüchte formiert sich eine Bürgerwehr. Kurz darauf wird im Wald die Leiche eines Mannes gefunden – ein Mord. Welche Verbindung besteht zwischen dem Toten und dem verschwundenen Kind? War der Tote Laras Entführer? Kommissarin Pia Korittki, selbst Mutter, weiß, dass jede Sekunde zählt. Und dann ist plötzlich ein zweites Mädchen verschwunden ...

Und wieder ein Krimi-Leckerbissen der Bestsellerautorin! „Ostseetod“ ist mittlerweile der elfte Fall für Kommissarin Pia Korittki, seit Neuestem Kriminalhauptkommissarin. Eine aufwühlende Geschichte, ein gekonnt in Szene gesetztes Personal und nicht wenig Spannung. Eva Almstädt hat mit Pia Korittki eine Kult-Kommissarin erschaffen! Es wird Zeit, dass die elf Fälle auch fürs Fernsehen verfilmt werden.

Auch als Hörbuch erhältlich bei Lübbe Audio. Eva -Almstädt-Stammvorleserin Anne Moll liest auch diesen Fall in gewohnt guter Qualität. 12,99 Euro.

Bastei Lübbe, 414 Seiten; 9,99 Euro


Gulwali Passarlaydaumen rauf

Am Himmel kein Licht

Am Himmel kein Licht

Gulwali Passarlay wuchs in einer traditionellen afghanischen Paschtunen-Familie auf. Mit nur zwölf Jahren schickt ihn seine Mutter Richtung Europa, um ihn vor dem blutigen Konflikt der Taliban mit den US-Soldaten zu retten, dem bereits sein Vater zum Opfer gefallen war. Seine Flucht ist eine Odyssee durch acht verschiedene Länder, die er als Junge alleine bewältigen muss: das vollständige Ausgeliefertsein an die Schlepper, gefährliche Grenzübertritte, Hunger und Erschöpfung, Gefängnisaufenthalte, eine Bootsfahrt übers Mittelmeer, die er nur haarscharf überlebt.

Ein authentisches, aufwühlendes und spannendes Buch über die Flucht eines 12-jährigen von Afghanistan nach Europa. „Am Himmel kein Licht“ zeigt, wie oft unter unmenschlichen Bedingungen die Flucht hin zu einem Leben in Frieden aussieht. Dieses Buch lässt einem die Flüchtlingskrise aus einem anderem Blickwinkel sehen, dem direkten, dem eines Flüchtenden. Die Gründe der Flucht, die Wege der Flucht, das Ankommen, wenn man es denn schafft, und dann der Wille, aus sich etwas zu machen. Viele haben es nicht geschafft, der im Jahr 2006 12-jährige Gulwali Passarlay hatte das Glück lebend in England anzukommen.

Piper, 415 Seiten; 20,00 Euro


Hörbuch der Wochedaumen rauf

John Grisham

Der Gerechte

Der Gerechte

Sebastian Rudd ist kein typischer Anwalt. Seine Kanzlei ist ein Lieferwagen, eingerichtet mit Bar, Kühlschrank und Waffenschrank. Er arbeitet allein, sein einziger Vertrauter ist sein Fahrer, der zudem als Leibwächter und Golfcaddie fungiert. Sebastian Rudd verteidigt jene Menschen, die andere als den Bodensatz der Gesellschaft bezeichnen. Warum? Weil er Ungerechtigkeit verabscheut und überzeugt ist, dass jeder Mensch einen fairen Prozess verdient. Doch diese Arbeit fordert den Anwalt immer wieder aufs Neue heraus. Sein ganzes Können ist jedes Mal gefragt.

„Der Gerechte“ ist ein so richtig schmutziger Justiz-Thriller! Er handelt von einem Anwalt, der sich die Hände schmutzig macht, in dem er meist schuldige Mörder, Vergewaltiger, Drogentäter usw. verteidigt. Hier erfährt man vom kleinen, teils gefährlichen Anwaltsgeschäft, es geht nicht um diesen riesengroßen Fall, sondern um zahlreiche kleinere. Und John Grisham geht neue Wege, denn er orientiert sich mit der Figur des Sebastian Rudd an Mickey Haller, Michael Connellys Kult-Anwalt, den Sebastian Rudd im Roman übrigens auch liest. Die Fälle aus „Der Gerechte“ erinnern an die Kult-Anwalts-Serie aus den 1990ern „Practice“. Ein John-Grisham-Roman ist als Hörbuch eigentlich nur noch mit der Stimme von Charles Brauer vorstellbar, der die Grisham-Geschichten nun schon seit zwei Jahrzehnten einliest. Zum Glück liest er auch „Der Gerechte“.

Auch als Hardcover erhältlich bei Heyne, 22,99 Euro

Random House Audio, 2 MP CDs, 715 Minuten; 19,99 Euro


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